Welche Kosten kommen im Studium auf mich zu?
Miete, Krankenkasse, Semestergebühren, ÖV und zwischendurch ein Mittagessen in der Mensa: Während des Studiums kommt finanziell einiges zusammen. Doch wie viel Geld braucht man wirklich und wie behält man den Überblick? Berit Fleck von der Sozialberatung der Universität Basel erklärt, wie ein realistisches Budget entsteht.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut Musterbudget der Universität Basel benötigen Studierende je nach Wohnsituation rund 1’300 bis 2’150 Franken pro Monat.
- Neben Miete, Verpflegung und Krankenkasse müssen auch Semestergebühren, Lernmaterialien und unregelmässige Ausgaben berücksichtigt werden.
- Je nach Situation können ein Nebenjob, Stipendien oder Vergünstigungen helfen. Die Sozialberatung unterstützt bei der Planung.
Der Monat ist noch jung, das Konto sieht gut aus. Mensa hier, Zugticket da und plötzlich steht die nächste Semesterrechnung an: Im Studienalltag sind es nicht nur die grossen Rechnungen, die das Budget bestimmen. Viele kleinere Ausgaben summieren sich, andere fallen nur ein- oder zweimal im Jahr an. Den Überblick zu behalten, ist deshalb gar nicht so einfach. Berit Fleck von der Sozialberatung empfiehlt daher allen Studierenden, die eigenen Einnahmen und Ausgaben einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Das gilt auch für diejenigen, die noch bei den Eltern wohnen.
Wie viel Geld brauchen Studierende pro Monat?
Einen ersten Anhaltspunkt bietet das Musterbudget der Sozialberatung. Wer während des Studiums noch bei den Eltern wohnt, sollte demnach mit monatlichen Ausgaben von rund 1’300 bis 1’400 Franken rechnen. Wer auszieht und beispielsweise in einer WG oder einem Studierendenwohnheim lebt, kommt auf rund 2’050 bis 2’150 Franken.
Studien und Lebenskosten (pro Monat)
Semestergebühren
Fr. 140.–
Fr. 140.–
Ausbildungskosten
Fr. 100.– bis Fr. 200.–
Fr. 100.– bis Fr. 200.–
Unterkunft inkl. NK
––
Fr. 600.–
Verpflegung
Fr. 350.–
Fr. 450.–
Kleidung
Fr. 100.–
Fr. 100.–
Gesundheit
Fr. 200.–
Fr. 200.–
Transport
Fr. 100.–
Fr. 100.–
Freizeit, Kultur
Fr. 150.–
Fr. 150.–
Div. Nebenkosten
Fr. 150.–
Fr. 150.–
Total (gerundet)
Fr. 1'300.– bis 1'400.–
Fr. 2'050.– bis 2'150.–
Doch wie setzen sich diese Beträge zusammen? Die Übersicht zeigt: Neben Semestergebühren und Lernmaterialien fallen Kosten für Verpflegung, Krankenkasse und Mobilität an. Wer ausgezogen ist, muss zusätzlich die Wohnkosten stemmen. Dabei sind die Beträge als Richtwerte zu verstehen und laut Fleck eher knapp kalkuliert. «Mit diesem Budget lebt man nicht luxuriös. Gerade bei der Verpflegung ist zum Beispiel nicht eingerechnet, dass man jeden Tag in der Mensa essen kann. Da muss man sich schon auch einmal ein Sandwich von zu Hause mitnehmen», sagt Fleck.
Hinzu kommen Kosten, die nicht bei allen Studierenden gleich ausfallen. Zwar bezahlen alle dieselben Semestergebühren, je nach Studiengang können aber zusätzliche Ausbildungskosten anfallen. Zahnmedizinstudierende benötigen beispielsweise im Laufe des Studiums Gerätschaften für mehrere Tausend Franken, in anderen Fächern schlagen Lernmittel zu Buche. Auch besondere Pläne können das Budget verändern: Während eines Auslandsemesters fällt möglicherweise der Nebenverdienst weg, während das WG-Zimmer in Basel weiterbezahlt werden muss.
Wie erstelle ich ein realistisches Budget fürs Studium?
Das Musterbudget der Sozialberatung liefert somit eine gute Orientierung, die eigene Rechnung ersetzt es aber nicht. Denn wie viel Geld tatsächlich nötig ist, hängt von der persönlichen Lebenssituation ab. Die Richtwerte zeigen vor allem, welche Posten ins Budget gehören. Im nächsten Schritt gilt es, sie mit den eigenen Zahlen zu füllen.Dafür empfiehlt Fleck, Kontoauszüge, Lohnabrechnungen und Rechnungen hervorzuholen und die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben gegenüberzustellen. Gerade bei variablen Kosten lohnt sich der Blick aufs Konto statt einer Schätzung: Wer 300 Franken für Essen einplant, tatsächlich aber jeden Monat 450 ausgibt, hat zwar ein schönes Budget, aber leider kein realistisches.
Zusatzverdienste und finanzielle Entlastungen
Bleibt am Ende ein Minus, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Rechnung wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ein Nebenjob kann das Budget entlasten. «Ein Pensum von 20 Prozent ist neben einem Vollzeitstudium in der Regel gut machbar», sagt Fleck. Von mehr als 40 Prozent rät sie jedoch eher ab: Wer viel arbeitet, hat weniger Zeit fürs Studium und braucht möglicherweise länger bis zum Abschluss.
Daneben lohnt es sich zu prüfen, wo finanzielle Entlastung möglich ist. Je nach Situation kommen etwa Prämienverbilligungen, Mietzinsbeiträge oder kantonale Stipendien infrage. Der Anspruch hängt allerdings von verschiedenen Bedingungen ab und bei jüngeren Studierenden häufig auch vom Einkommen der Eltern. Viele Vergünstigungen stehen deshalb erst ab 25 Jahren unabhängig vom Elternhaus zur Verfügung.
Unterstützung frühzeitig beantragen
Selbst wenn ein Anspruch auf finanzielle Unterstützung besteht, ist die Entlastung auf dem Konto nicht unbedingt sofort spürbar. Bis beispielsweise eine Prämienverbilligung greift, können mehrere Monate vergehen. Wer mit solchen Beiträgen rechnet, sollte sich deshalb früh informieren und die Übergangszeit im Budget berücksichtigen.Wer das Budget entlasten möchte, sollte aber auch bei vermeintlichen Sparmöglichkeiten vorausdenken. Eine hohe Franchise senkt beispielsweise die monatliche Krankenkassenprämie, kann im Krankheitsfall jedoch schnell teuer werden. Fleck empfiehlt deshalb, nicht nur auf die Ersparnis zu schauen, sondern auch darauf, ob man die möglichen Kosten für eine hohe Franchise im Ernstfall tragen könnte.
Gerade weil bei der Finanzplanung viele Faktoren zusammenspielen, lohnt es sich, bei Unsicherheiten früh nachzufragen. Wer nicht weiss, ob das eigene Budget realistisch ist, welche Unterstützung infrage kommt oder wo sich sinnvoll sparen lässt, kann sich an die Sozialberatung der Universität Basel wenden. Gemeinsam lässt sich die persönliche Situation einordnen und klären, welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Denn wer seine Finanzen im Blick hat, hat den Kopf freier fürs Lernen und den Studienalltag.