Unisonar S8|EP5: Spenden und freiwilliges Engagement
Warum spenden wir Geld oder engagieren uns freiwillig? In der neuen Folge von «Unisonar» erklärt Georg von Schnurbein, weshalb Geben selten völlig selbstlos ist – und warum genau das kein Problem ist.
Philanthropie beginnt nicht erst bei Millionenspenden. «Philanthropie verstehen wir als jede private, freiwillige Handlung für einen gemeinnützigen Zweck», sagt Georg von Schnurbein. Dazu zählen laut dem Professor für Stiftungsmanagement Spenden ebenso wie Freiwilligenarbeit oder die Gründung von Organisationen.
Entscheidend ist: Jede und jeder kann sich engagieren – unabhängig vom Einkommen. Auch kleine Beiträge machen einen Unterschied.
Geben ist nicht völlig selbstlos
Doch wie altruistisch sind solche Handlungen wirklich? «Jeder Altruismus braucht Egoismus», sagt von Schnurbein. Wer spendet oder sich engagiert, tut das auch, weil es sich gut anfühlt oder zum eigenen Selbstbild passt.
Statt von reiner Selbstlosigkeit spricht die Forschung deshalb oft von «Reziprozität»: Man hilft, weil man erwartet, dass Hilfe auch in der Gesellschaft zurückkommt. Nicht direkt, aber grundsätzlich, wenn wir später einmal Unterstützung benötigen.
Die Kraft der vielen kleinen Beiträge
In der Schweiz zeigt sich die Bedeutung dieses Engagements deutlich. «Pro Jahr werden circa 2 Milliarden Franken gespendet», erklärt von Schnurbein. Und zwar vor allem von Privatpersonen, nicht von grossen Stiftungen. Gerade bei sozialen oder internationalen Projekten seien es viele kleine Spenden, die zusammen eine grosse Wirkung entfalten.
Spenden hänge stark von den Lebensumständen ab. «Wir spenden aus dem Überfluss», sagt von Schnurbein. Entsprechend steige die Spendenbereitschaft oft mit zunehmendem Alter und finanzieller Stabilität.
Gleichzeitig veränderen sich die Themen: Umwelt- und Klimafragen gewinnen an Bedeutung, während andere Bereiche an Sichtbarkeit verlieren.
Warum wir überhaupt spenden
Ein wichtiger Auslöser ist überraschend simpel: «Der Fakt, dass man gefragt wird», so von Schnurbein. Viele Menschen denken nicht aktiv darüber nach zu spenden, reagieren aber, wenn sie direkt angesprochen werden.
Dabei spiele auch sozialer Druck eine Rolle: Wer gefragt wird, fühlt sich oft verpflichtet, zumindest einen kleinen Beitrag zu leisten.
Zwischen Tradition und neuen Formen
Gleichzeitig verändere sich das Spendenverhalten. Klassische Spendenbriefe verlieren an Bedeutung, während Online-Spenden und Crowdfunding zunehmen. Diese seien oft spontaner, aber auch weniger nachhaltig.
«Die Spender-Treue nimmt ab», sagt von Schnurbein denn auch. Wer einmal spende, bleibe einer Organisation heute seltener langfristig verbunden.
Engagement braucht Zeit
Neben Geld spielt auch freiwillige Arbeit eine zentrale Rolle für die Gesellschaft. Doch sie ist weniger verbreitet: «Zeit ist viel kostbarer», erklärt von Schnurbein. Während ein Grossteil der Bevölkerung spendet, engagiert sich nur ein Teil regelmässig freiwillig.
Zudem verändere sich die Formen des Engagements: Statt langfristiger Verpflichtungen würden kürzere, flexible Einsätze beliebter.
Was Geben mit uns macht
Trotz aller Veränderungen bleibt ein zentraler Befund: Engagement wirkt auch auf uns selbst zurück. «Menschen, die sich freiwillig engagieren, sind gesünder, fröhlicher und zufriedener», sagt von Schnurbein.
Geben ist damit nicht nur ein Beitrag für die Gesellschaft, sondern auch ein Gewinn für das eigene Leben.