Unisonar S8|EP4: Klimapolitik und Gerechtigkeit
Warum stossen Massnahmen für den Klimaschutz so oft auf Widerstand? In der neuen Folge von «Unisonar» erklärt Politikwissenschaftlerin Viktoria Jansesberger, weshalb Klimapolitik nicht nur eine ökologische, sondern vor allem eine soziale und politische Herausforderung ist.
«Der Fakt, dass der Klimawandel menschengemacht ist, ist wissenschaftlich kaum umstritten», sagt Viktoria Jansesberger. Trotzdem werde in der öffentlichen Debatte häufig ein anderes Bild vermittelt, sagt die Professorin für Politikwissenschaft. Für sie liegt das Problem weniger im Wissen als in der Umsetzung: Politische Massnahmen müssten so gestaltet sein, dass sie gesellschaftlich akzeptiert werden.
Denn genau daran hapert es oft. Sobald Klimapolitik konkrete Folgen hat, stellen sich grundlegende Fragen nach Verantwortung und Gerechtigkeit. «Ich glaube, dass es immer eine Utopie ist, die eine Lösung zu finden, die alles gerecht macht», so Jansesberger. Stattdessen gehe es darum, Schritt für Schritt Lösungen zu entwickeln, die von einer breiten Mehrheit getragen werden.
Wenn der Klimaschutz den Alltag trifft
Besonders sichtbar wird der Konflikt dort, wo Massnahmen den Alltag direkt betreffen – etwa bei steigenden Energiepreisen. «Warum soll ich einen Nachteil erfahren, weil das Klima gerettet werden soll?», beschreibt Jansesberger die Reaktion vieler Menschen. Klimapolitik werde dann schnell als unfair wahrgenommen, auch wenn sie langfristig notwendig ist.
Auch international sind die Herausforderungen gross. Unterschiedliche Interessen und fehlende Durchsetzungsmöglichkeiten erschweren verbindliche Lösungen. «Wir stehen vor einer internationalen Ordnung, wo es keine höhere Autorität gibt», sagt Jansesberger. Verpflichtungen blieben oft freiwillig – und damit politisch fragil.
Ungleichheit prägt auch die politische Teilhabe
Hinzu komme: Nicht alle können sich gleich stark einbringen. «Alle diese Formen der politischen Partizipation verlangen Ressourcen», erklärt Jansesberger. Wer weniger Zeit oder Geld hat, hat auch weniger Einfluss – ein Umstand, der bestehende Ungleichheiten verstärkt.
Diese Spannungen spiegeln sich auch in politischen Entwicklungen. Parteien, die sich gegen Klimapolitik positionieren, gewinnen in vielen Ländern an Zustimmung. «Rechtspopulistische Parteien suchen sich gezielt Themen, bei denen es scheinbar einen Konsens gibt, um sich dann klar dagegenzustellen», erklärt Jansesberger. Klimapolitik werde so zu einem politischen Konfliktfeld, in dem sich unterschiedliche gesellschaftliche Interessen bündeln.
Globale Perspektiven und blinde Flecken
Ein Blick in Länder des globalen Südens zeige zudem, dass Klimawandel unterschiedlich wahrgenommen wird. Viele Menschen erleben zwar konkrete Folgen wie Überschwemmungen oder extreme Hitze, bringen diese aber nicht unbedingt mit dem abstrakten Begriff «Klimawandel» in Verbindung. «Dieser Link wird nicht notwendigerweise gemacht», sagt Jansesberger. Das mache deutlich, wie wichtig Bildung und Zugang zu Informationen sind.
Trotzdem sieht sie Anlass zur Zuversicht. Viele Menschen hätten konkrete Ideen, wie Klimapolitik verbessert werden könnte. «Nicht alle Menschen sind komplett unzufrieden», sagt sie. Fortschritt entstehe oft nicht durch den einen grossen Wurf, sondern durch viele kleine Schritte.