«Zeigt, was ihr draufhabt» – So gelingt der Berufseinstieg nach der Uni in herausfordernden Zeiten
Der Abschluss ist geschafft, doch mit dem Berufseinstieg wartet bereits die nächste Hürde. Für Hochschulabsolvent*innen haben sich die ersten Schritte ins Arbeitsleben in den letzten Jahren erheblich erschwert. Diesen Trend beobachtet auch Naoual Astitouh-Fritsche vom Career Service Center der Universität Basel und erklärt, wie Studierende sich trotzdem erfolgreich positionieren können.
Der Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt ist gross: Auf eine Stelle kommen oft sehr viele Bewerbungen. «Der Berufseinstieg wurde in den letzten Jahren tatsächlich schwieriger und ist hart umkämpft», sagt Naoual Astitouh-Fritsche vom Career Service Center. Grund dafür seien unter anderem mehr Absolvent*innen bei gleichzeitig weniger offenen Stellen.
Deshalb ist es essenziell, sich bereits vor dem Abschluss mit dem Berufswunsch auseinanderzusetzen. Viele beginnen direkt nach der Matur ein Studium und bleiben in einem vertrauten schulähnlichen Ablauf. So wird die berufliche Orientierung oft nach hinten geschoben. «Wer sich aber erst am Ende des Studiums Gedanken macht, ist im Nachteil», so Astitouh-Fritsche. Gleichzeitig betont sie, dass sich Studierende keinen unnötigen Druck machen müssen.
Schrittweise in die Praxis eintreten
«Man muss seinen Rucksack schrittweise füllen», erklärt Astitouh-Fritsche. Besonders erste Berufserfahrungen sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Neben dem guten Eindruck im Lebenslauf helfen sie zusätzlich bei der eigenen Berufsorientierung. «Beschäftigungen zeigen, dass die Studierenden belastbar sind und sich Softskills aneignen. Motivation macht sich immer gut», so Astitouh-Fritsche.
Eine Möglichkeit, seinen Rucksack zu füllen, sind Praktika. Sie sind sehr wertvoll im Lebenslauf und zeigen den potenziellen Arbeitgebern konkrete Erfahrungen. Besonders flexibel und relevant sind Werkstudierendenstellen, da die Arbeit praxisnah und gut mit dem eigenen Studium abgestimmt ist. Sie sind sehr gut geeignet, um im Studium erworbene Kenntnisse und Kompetenzen direkt in der Arbeitswelt umzusetzen. Aber auch Nebenjobs und ehrenamtliches Engagement werten den Lebenslauf auf.
Kaum Zeit für Jobs?
Doch was, wenn der Stundenplan wenig Zeit für einen Nebenjob lässt? Auch hier weiss Astitouh-Fritsche Rat: So lohnt es sich beispielsweise, eine Fremdsprache zu beherrschen, besonders wenn sie über den Schweizer Standard hinausgeht.
Eine oft unterschätzte Möglichkeit liegt in der Bachelor- oder Masterarbeit. «Stimmt eure Arbeit auf eure Interessen und den Berufswunsch ab», rät Astitouh-Fritsche. So sind Absolvent*innen durch die Abschlussarbeit bereits auf den Beruf vorbereitet und zeigen Interesse am Bereich.
Auch Auslandssemester sind immer ein Pluspunkt, besonders wenn es für den Studiengang Sinn macht. Es zeigt Offenheit und die Bereitschaft, den eigenen Horizont zu erweitern. Gleichzeitig gilt: Es ist kein Muss, bringt aber wertvolle persönliche Erfahrungen mit sich.
Wofür man sich auch entscheidet, wichtig ist, dass man besondere Kenntnisse und Erfahrungen auch im Lebenslauf abbildet. «Zeigt, was ihr draufhabt», bringt Astitouh-Fritsche prägnant auf den Punkt.
Den Ball richtig ins Rollen bringen
Networking ist essenziell, um Türen bei Arbeitgebern zu öffnen. Das gute alte «Ich kenne da jemanden» muss aber nicht gleich Vetternwirtschaft sein. Bereits auf Karrieremessen, Veranstaltungen des Career Service Centers oder Career Days in Unternehmen können Teilnehmende Kontakte knüpfen. Solche Kontakte können im Bewerbungsprozess gezielt erwähnt werden.
Bei einem gesättigten Arbeitsmarkt müssen die Unterlagen herausstechen. Das Career Service Center hilft dabei, dass alles bestens abgestimmt ist. «Standardtexte sind der Killer der Bewerbung», erklärt Astitouh-Fritsche. Man muss sich eng an der Stellenausschreibung orientieren. Wichtig ist es, spezifisch zu sein und auch Projekte des Unternehmens anzusprechen. So zeigen Bewerber*innen Interesse und Wissen über das Unternehmen. Zu wenig Vorbereitung und fehlende Motivation sind ein No-Go für die Bewerbung. «Belastbarkeit ist eine wichtige Kompetenz. Wer Freizeit als oberste Priorität beim Bewerbungsgespräch stellt, hinterlässt keinen guten ersten Eindruck», so die Expertin.
Probieren geht mit Studieren
Aber was, wenn jemand noch gar nicht weiss, wohin es beruflich gehen soll? Das sei nicht ungewöhnlich, versichert Astitouh-Fritsche. Unterstützung bietet dabei auch das Career Service Center. In individuellen Beratungen können Studierende herausfinden, wo ihre Stärken liegen, welche Berufsfelder infrage kommen und wie sie ihr Profil gezielt schärfen können. Auch Workshops zu Bewerbungen oder Vorstellungsgesprächen helfen bei allen Fragen rund um den Berufseinstieg.
Studierende sollten sich mit den eigenen Interessen auseinandersetzen und klären, wie ihr zukünftiger Alltag aussehen könnte. Auch wissen, was man nicht will, ist bereits ein Fortschritt. Man muss also nicht den perfekten Plan haben, um ins Berufsleben einzusteigen. Doch man sollte frühzeitig anfangen, die ersten Schritte zu gehen.