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Universität Basel

Geschichte

Geschichte der Universitaet Basel gr
Gründungsfeier im Basler Münster: Bischof Johann von Venningen ernennt am 4. April 1460 Georg von Andlau (links kniend) zum ersten Rektor und überreicht dem Bürgermeister Hans von Flachslanden die Stiftungsurkunde.

Als älteste Universität der Schweiz blickt Basel auf eine reiche und faszinierende Geschichte von über 550 Jahren Lehre und Forschung zurück.

Die Universität wurde am 4. April 1460 mit einem Gottesdienst im Basler Münster eröffnet. Sie erlebte von Beginn an eine dynamische Entwicklung: Schon im ersten Jahr nach der Eröffnung verzeichnete die Universitätsmatrikel Basel 226 Studenten und Dozenten. Heute zählen die sieben Fakultäten der Universität Basel rund 13’000 Studierende und über 350 Professorinnen und Professoren.

Von vier auf sieben Fakultäten

Von Anfang an bildeten vier Fakultäten die grundlegende Organisationsstruktur: die Theologische, die Juristische, die Medizinische sowie die Artistenfakultät (septem artes liberales), die später in die Philosophische Fakultät überging. Die Aufgabe der Artistenfakultät bestand darin, Grundwissen zu vermitteln und auf ein Studium in Theologie, Jurisprudenz und Medizin vorzubereiten.

Während sich die Gliederung in vier Fakultäten in den ersten Jahrhunderten kaum änderte, kam es im 19. Jahrhundert zu einer zunehmenden Ausdifferenzierung, die 1937 zur Gründung der Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät führte. Die Philosophisch-Historische Fakultät umfasste weiterhin ein breites Spektrum an geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen, bis sich 1997 die Wirtschaftswissenschaften als eigenständige Fakultät konstituierten. 2003 wurde schliesslich der Fachbereich Psychologie zur Fakultät erhoben.

Perioden der Prosperität und der Stagnation

In den über 550 Jahren ihres Bestehens erlebte die Universität Basel immer wieder Zeiten des Aufbruchs und Zeiten tiefer Krisen. Auf die erfolgreiche Gründungsphase folgten erste Auseinandersetzungen um die Kosten und das universitäre Modell, an dem sich Basel ausrichten sollte. Probleme stellten sich auch im Rahmen des Beitritts Basels zur Eidgenossenschaft 1501, der mit einem Rückgang der Immatrikulationen einherging.

Die Reformationszeit wurde für die stark geistlich geprägte Institution zu einer Belastungsprobe. Das Kollegium war zunehmend in Anhänger und Gegner der Reformation gespalten. Die Konflikte eskalierten, sodass sich 1528 nur noch ein einziger Student an der Universität immatrikulierte. Dennoch wurde der Universitätsbetrieb nie ganz eingestellt. So fand 1531 an der Medizinischen Fakultät die erste öffentliche anatomische Sektion statt, mit der die lange Erfolgsgeschichte der Basler Anatomie begründet wurde. In der Folge gewann die Universität dann gerade durch ihre relative konfessionelle Offenheit an internationaler Ausstrahlung.

Ort der kulturellen Reflexion

Seit der Gründungszeit zeichnete sich die Universität auch als Ort der kulturellen Reflexion aus. Wesentlich dazu beigetragen haben der Buchdruck und die seit dem 15. Jahrhundert wachsenden universitären Sammlungen, die den Grundstock für die international bekannte Museenlandschaft der Stadt bilden. Zahlreiche Gelehrte wie Erasmus von Rotterdam, die im Laufe der Zeit in Basel tätig waren, prägten den Universitätsstandort und verhalfen der Stadt zum Ruf eines Zentrums des Humanismus. Dies zeigen die wertvollen historischen Bestände der Universitätsbibliothek, die heute zu den grössten Bibliotheken der Schweiz zählt.

Aufhebung der Universität zur Debatte

Im 17. und 18. Jahrhundert gab das gespannte Verhältnis zwischen Universität und Obrigkeit wiederholt Anlass zu Diskussionen. Im Zug von Revolution und Helvetik kam es zu einer weiteren Existenzkrise, in der die Aufhebung der Institution Universität diskutiert wurde. Die Krise konnte 1818 zunächst durch eine Reorganisation überwunden werden, bei der die Universität ihre letzten Privilegien einbüsste und dem Staat unterstellt wurde.

Die Teilung des Kantons Basel von 1833 und die damit verbundene Vermögensteilung zwischen Stadt und Land bedeutete für die Universität eine enorme Herausforderung. Sie konnte dank des aussergewöhnlichen Einsatzes der Basler Bürgerschaft gemeistert werden.

Traditionell breites Fächerangebot

Wissenschaftlich war die Universität seit ihren Anfängen durch die Breite ihres Fächerangebots gekennzeichnet. Hervorragende Leistungen in den unterschiedlichsten Gebieten trugen über die Jahrhunderte zum Ruf der Universität bei, den es im globalen Wettbewerb zu bewahren gilt.

Dabei spielen die Naturwissenschaften, die seit dem 19. Jahrhundert an Bedeutung gewonnen haben, eine wesentliche Rolle. Schon im 17. Jahrhundert war die Universität Basel mit den berühmten Mathematikern und Physikern der Familie Bernoulli eine Wegbereiterin dieser Entwicklung. Heute sind besonders die Life Sciences einer der Schwerpunkte der Forschung und haben für die Region eine enorme wirtschaftliche Bedeutung.

Starkes Wachstum im 20. Jahrhundert

Das 20. Jahrhundert stand im Zeichen des Wachstums, auch wenn die beiden Weltkriege die Universität Basel vor politische und gesellschaftliche Herausforderungen stellten. Mit der Öffnung der Wissenschaft über Studierende und Forschende hinaus leistete die Universität Innovatives. Schon 1919 wurde eine Volkshochschule gegründet, die heute als eigenständige Einrichtung funktioniert. 1997 wurde die Senioren-Universität eingeführt und 2004 die Kinder-Uni eröffnet.

Nur verzögert wurden hingegen Frauen an der Universität Basel vorgelassen: Das Frauenstudium konnte erst 1890 durchgesetzt werden. 1928 wurde erstmals eine Frau als Privatdozentin zugelassen und 1964 die erste Frau zur ordentlichen Professorin berufen. Heute stellen die Frauen rund 54 Prozent der Studierenden.

Das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts war von Diskussionen über eine Rücknahme des staatlichen Einflusses zugunsten einer stärkeren universitären Autonomie geprägt. Dies führte zu einem institutionellen Wandel, an dem sich die Universität selber stark beteiligte. Die Hochschule gewann an Eigenständigkeit gegenüber den staatlichen Trägern, was ihr Verhältnis zu Staat und Gesellschaft veränderte. Mit dem Staatsvertrag von 2007 erweiterte sich die Trägerschaft auf die beiden Kantone Basel-Stadt und Baselland, die seither die Universität paritätisch tragen.

Parallel dazu erfuhr die Universität eine markante innere Dynamisierung, die sich in neuen Fachbereichen und Fakultäten, einer Neugestaltung des Studiums gemäss der Bologna-Reform und in erweiterten Kooperationen mit anderen Hochschulen ausdrückt.

Wer mehr über die Geschichte der Universität Basel erfahren möchte, findet ausführliche Informationen und Materialien auf der Website zur Universitätsgeschichte: http://www.unigeschichte.unibas.ch/

Chronologie

Jahr
Ereignis
Jahr
1460
Ereignis
Mit einer Gründungsfeier im Münster wird die Universität Basel eröffnet
Jahr
1527
Ereignis
Der Arzt, Alchemist und Philosoph Paracelsus lehrt als Professor für Medizin
Jahr
1588
Ereignis
Ein anatomisches Theater und ein «hortus medicus» (der spätere Botanische Garten) werden eingerichtet
Jahr
1590
Ereignis

Erweiterung der Universitätsbibliothek um 2700 Bücher aus den ehemaligen Klosterbibliotheken

Jahr
1661
Ereignis
Die Stadt Basel kauft zusammen mit der Universität eine private Sammlung von Kunstwerken, Objekten und Büchern. Das sogenannte Amerbach-Kabinett wird 1671 öffentlich zugänglich gemacht.
Jahr
1798
Ereignis
Die Universität wird dem Erziehungsrat unterstellt
Jahr
1822
Ereignis
Das Vorlesungsverzeichnis erscheint nicht mehr in Latein, sondern in Deutsch
Jahr
1869
Ereignis
Friedrich Nietzsche tritt den Lehrstuhl als Professor für klassische Philologie an
Jahr
1890
Ereignis
Als erste Frau wird Emilie Louise Frey zum Studium (in Medizin) zugelassen
Jahr
1939
Ereignis
Mit dem Kollegienhaus am Petersplatz erhält die Universität ein neues Hauptgebäude
Jahr
1950
Ereignis
Tadeusz Reichstein, Professor für Organische Chemie, erhält den Nobelpreis für Medizin
Jahr
1965
Ereignis
Der Neubau der Universitätsbibliothek wird fertiggestellt
Jahr
1971
Ereignis
Mit dem Biozentrum entsteht ein interdisziplinäres Zentrum für die Life Sciences
Jahr
1978
Ereignis
Der Mikrobiologe und Genetiker Werner Arber erhält den Nobelpreis für Medizin
Jahr
1996
Ereignis
Die Universität wird aus der kantonalen Verwaltung ausgegliedert
Jahr
2003
Ereignis
Als siebte Fakultät der Universität Basel wird die Fakultät für Psychologie gegründet
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