Entscheiden leicht(er) gemacht: Wie einfache Regeln bei der Studienwahl helfen
Die Studienwahl kann für angehende Studierende Fluch und Segen zugleich sein. Neben der grossen Auswahl an Studienangeboten und der Vorfreude auf ein neues Kapitel stellt sich vor allem die Frage nach dem passenden Studium. Psychologe Prof. Dr. Rui Mata, Professor für Cognitive and Decision Sciences, erklärt, wie Menschen grosse Entscheidungen treffen und was dabei wichtig ist.
Wichtige Lebensentscheidungen wie die Wahl eines Studiengangs sind komplex und oft mit Unsicherheit verbunden. Doch die Entscheidungsforschung zeigt, dass Menschen solche Entscheidungen dennoch gut bewältigen können, indem sie einfache Strategien nutzen, die helfen, das Problem zu strukturieren und zu klären, was wirklich wichtig ist.
Die Vorstellung des zukünftigen Ichs als Guide
Prof. Dr. Rui Mata, Experte für Entscheidungspsychologie an der Universität Basel, erklärt, dass es hilfreich ist, die eigenen Ziele zu klären. Ein Blick in die Zukunft hilft. «Man denkt an das zukünftige Ich und daran, was einem später wichtig sein wird, und nicht nur daran, was sich gerade gut anfühlt», so Mata.
Gleichzeitig kann es auch wertvoll sein, an potenzielle Reue zu denken. Was wäre, wenn der eine Studiengang dem anderen vorgezogen wird? Auch dadurch werden eigene Werte und Ziele oft klarer.
Ein Balanceakt zwischen subjektiv und objektiv
Emotionen und rationales Denken sind eng miteinander verflochten und nicht leicht zu unterscheiden. «Emotionen zeigen uns, was uns wichtig ist. Der Verstand hilft, diese Eindrücke zu ordnen und Entscheidungen zu treffen», so Mata. Also: Klären, was einem wirklich wichtig ist, und diese Eindrücke bewusst einordnen.
Zwei unterschiedliche Aspekte spielen bei der Studienwahl eine zentrale Rolle. Einerseits geht es um Fakten: Wie sind die Berufsaussichten? Wie hoch ist das durchschnittliche Einkommen? Solche Fragen veranschaulichen das Einschätzen von Wahrscheinlichkeiten und Informationen.
Andererseits geht es um persönliche Präferenzen: Wie wichtig ist mir Sicherheit? Möchte ich kreativ arbeiten? Lege ich Wert auf ein hohes Einkommen oder eher auf Sinnhaftigkeit? Solche Fragen sind oft schwieriger zu beantworten, weil sie keine objektiv richtige Lösung haben. Genau hier liegt aber der Schlüssel zu einer stimmigen Entscheidung.
Wo die Pro-und-Contra-Liste aufhört, geht es mit Ausprobieren weiter
Viele greifen bei schwierigen Entscheidungen zur klassischen Pro-und-Contra-Liste. Und sie bringt tatsächlich etwas. «Solche Listen vereinfachen komplexe Entscheidungen», erklärt Mata. Doch auch andere Methoden helfen weiter. So könne es helfen, mit Freund*innen, der Familie oder Studierenden über die Ideen zu sprechen, um etwas Klarheit zu erhalten. In Gesprächen wird oft deutlich, was einen wirklich anspricht und wo noch Fragen offen sind.
Um Unsicherheiten weiter zu reduzieren, gilt Ausprobieren. Es verbindet abstrakte Vorstellungen mit realen Eindrücken. «Es ist wichtig, Informationen und Erfahrungen zu sammeln wo möglich», so Mata. Es lohnt sich, in Schnuppervorlesungen, Praktika oder Nebenjobs hineinzuschauen, um Studienrichtungen nicht nur theoretisch, sondern praktisch kennenzulernen.
Nicht von Aussenlärm ablenken lassen
Wer Denkfallen erkennt, richtet den Blick bewusst wieder auf sich selbst und die eigenen Wünsche. Viele Menschen halten aus Angst vor Reue am Status quo fest oder orientieren sich zu stark an den Entscheidungen anderer. Manche lassen sich von äusseren Erwartungen leiten und entfernen sich dabei von ihren eigenen Interessen. Sich dieser Muster bewusst zu sein, hilft, selbstbestimmter zu entscheiden und schlussendlich den eigenen Vorstellungen zu folgen.
Die Studienwahl bleibt eine persönliche Entscheidung, die nicht perfekt sein muss. Oder, wie Rui Mata es zusammenfasst: «Lerne dich selbst kennen, prüfe verschiedene Möglichkeiten, sammle Informationen, probiere Dinge aus und akzeptiere, dass keine Entscheidung perfekt ist.»
