Unisonar S8|EP3: Bildschirmzeit und Social Media
Wie viel Bildschirmzeit ist zu viel? In der neuen Folge von «Unisonar» erklärt Medienpsychologin Lara Wolfers, warum es darauf keine einfache Antwort gibt – und weshalb der Umgang mit digitalen Medien vor allem eine Frage der Balance ist.
Wie oft kann ich am Tag mein Handy entsperren, bevor es zu viel ist? «Das lässt sich fast nie pauschal sagen», sagt Lara Wolfers. Entscheidend sei nicht die Zahl, sondern die Nutzung, so die Professorin für Digital Lives.
Eher komme es darauf an, was wir am Bildschirm tun und wie sich dies auf unseren Alltag auswirke. Problematisch werde es vor allem dann, wenn wichtige Tätigkeiten ständig unterbrochen werden oder wenn die Nutzung das eigene Wohlbefinden negativ beeinflusse.
Wenn Kontrolle verloren geht
Viele Menschen hätten das Gefühl, zu viel Zeit am Bildschirm zu verbringen und die Kontrolle zu verlieren. Doch dieses Gefühl sei oft trügerisch, sagt Wolfers. Statt allgemeiner Regeln plädiert sie deshalb auch dafür, genauer hinzuschauen: Welche Inhalte tun gut und welche eher nicht?
Auch klare Kipppunkte gäbe es kaum. «Wir können nicht sagen: Zwei Stunden sind okay, drei Stunden sind problematisch», sagt Wolfers.
Entscheidend sei vielmehr, was durch die Bildschirmzeit verdrängt werde. Wer trotz intensiver Nutzung ausreichend schläft, sich bewegt und soziale Kontakte pflegt, müsse nicht automatisch negative Folgen befürchten.
Die Rolle von Eltern und Erziehung
Gerade für Kinder und Jugendliche ist der Umgang mit Medien eine Herausforderung. «Eltern sollten wissen, was ihre Kinder sehen», sagt Wolfers. Zumindest in jüngeren Jahren.
Mit zunehmendem Alter gehe es jedoch weniger um Kontrolle als um Vertrauen und Begleitung. Offene Gespräche seien wichtiger als starre Regeln.
Verbote sind keine einfache Lösung
Immer wieder wird über Social-Media-Verbote für Jugendliche diskutiert. Wolfers sieht solche Ansätze kritisch: «Wir sehen viele kleine Effekte, aber nicht diese massiven Effekte, die wir manchmal erwarten.»
Bei der Diskussion dürfe nicht vergessen gehen, dass Social Media auch viele positive Züge habe: Die Sozialen Medien bieten Zugang zu Informationen und gesellschaftlicher Teilhabe. Ein vollständiges Verbot würde beides beeinflussen, so die Psychologin.
Deshalb setzt Wolfers auf einen anderen Ansatz: Medienkompetenz. Kinder und Jugendliche müssten lernen, Inhalte einzuordnen und ihre Nutzung selbst zu reflektieren. Schulen spielten dabei eine zentrale Rolle, gerade für jene, die zu Hause weniger Unterstützung erhalten.
Zwischen Entspannung und Überforderung
Nicht jede Bildschirmzeit ist problematisch. «Einfach mal Spass haben ist auch etwas, was uns gut tut», betont Wolfers. Auch scheinbar «sinnloses» Scrollen könne eine Pause sein – solange es nicht in exzessive Nutzung umschlägt. Entscheidend sei, die eigene Balance zu finden.
Am Ende plädiert Wolfers für mehr Selbstreflexion. «Man kann sich überlegen: Was tut mir gut, was tut mir nicht gut?»
Technische Hilfsmittel wie Apps oder feste Regeln im Alltag können dabei helfen. Entscheidend sei jedoch, die eigene Nutzung aktiv zu gestalten, statt sich von ihr treiben zu lassen.