00:00:02:00 - 00:00:26:15 Lara Wolfers Da haben wir manchmal das Problem, dass diese Diskussion, die das so ganz moralisch auflädt und die uns dazu bringt, dass wir möglichst selbstoptimiert sind, dass die uns dann eigentlich das, was diese halbe Stunde auf TikTok uns vielleicht helfen kann, nämlich mal kurz durchschnaufen, einfach mal was sinnlos machen, vielleicht mal lachen, das uns wegnehmen kann, in dem man uns dann nachher schuldig fühlen, das Gefühl haben Super, das war jetzt, das war jetzt blöd und dann ist das echt das Schlimmste, was am Schluss rauskommen kann. 00:00:26:17 - 00:00:53:05 Lara Wolfers Das ist mir aktuell zu wenig statt. Dass wir auch darüber reden, dass Kinder und Jugendliche auch ein recht haben, online teilzunehmen an politischen Diskussionen und am gesellschaftlichen Diskussionen etc.. Ganz viel davon findet auf Social Media statt. Da müssen wir schon gucken, dass gerade was Magersucht angeht, da gibt es Inhalte auch auf sozialen Medien, die müssen da runter. 00:00:53:07 - 00:01:17:17 Catherine Weyer Du willst nur kurz aufs Handy schauen und plötzlich sind 20 Minuten vorbei. Ein Reel führt zum nächsten. Dann noch ein Video auf YouTube, vielleicht schnell eine Nachricht beantworten. Bildschirme sind heute immer dabei. Im Tram, in der Pause, abends im Bett. Gleichzeitig wird immer häufiger darüber diskutiert, ob das zu viel ist. In Australien ist Social Media für Jugendliche verboten und Apps zur Bildschirmreduktion werden immer populärer. 00:01:17:19 - 00:01:44:24 Catherine Weyer Viele fragen sich deshalb: Was macht es mit uns, wenn wir ständig auf einen Bildschirm schauen oder zumindest jederzeit könnten? Ab wann wird Bildschirmzeit wirklich zum Problem? Wie beeinflussen soziale Medien unser Verhalten, unsere Konzentration oder unser Wohlbefinden? Und welche Erkenntnisse sind auch wissenschaftlich gesichert? Darüber spreche ich heute mit Lara Wolfers. Sie ist Professorin für Digitale Lives an der Universität Basel und forscht unter anderem zu Medienpsychologie. 00:01:45:01 - 00:01:50:02 Catherine Weyer Das ist Unisonar, der Wissens-Podcast der Universität Basel. Lara Wolfers, herzlich willkommen! 00:01:50:04 - 00:01:52:05 Lara Wolfers Ich freue mich, hier zu sein. 00:01:52:07 - 00:02:02:01 Catherine Weyer Frau Wolfers, ich habe kurz auf mein Handy geschaut und gesehen, dass ich letzte Woche im Durchschnitt 69 Mal meinen Bildschirm entsperrt habe. Habe ich ein Problem? 00:02:02:03 - 00:02:20:03 Lara Wolfers Tatsächlich lässt sich das fast nie pauschal sagen. 69 Mal. Das klingt jetzt erst mal unglaublich viel, wenn man es erst einmal sieht. Und dann ist ja immer die Frage: Was macht man eigentlich? Wie viel davon ist zum Beispiel einfach nur einmal kurz auf die Uhr gucken? Wie oft habe ich vielleicht geguckt, wie das Navigationssystem, wo es hinlaufen muss beispielsweise. 00:02:20:05 - 00:02:41:17 Lara Wolfers Da gibt es ganz viele Nutzungsepisoden, die vielleicht, wenn man drauf guckt, denkt sich okay, die war nötig und das war halt in dem Moment so und dann ist auch okay. Und ich glaube, problematisch wird es dann, wenn Dinge unterbrochen werden, die nicht unterbrochen werden sollten. Oder wenn man auch selber das Gefühl hat okay, ich mache das eigentlich viel zu häufig und mich macht das eigentlich unzufrieden, macht das unglücklich. 00:02:41:19 - 00:03:04:18 Lara Wolfers Dann würde ich sagen, dann reden wir darüber, dass es ein Problem ist. Und das ist so individuell, dass man eigentlich fast nicht sagen kann, die 70 ist noch okay, 100 ist dann problematisch, sondern dass gerade bei dieser Nutzungsfrequenz man sagen muss, jeder muss eigentlich individuell gucken, was davon tut mir gut, was davon tut mir nicht gut. Und dann für sich selber versuchen, Schranke zu finden, wo die Balance noch in so positiv ist und wann sie negativ ist. 00:03:04:20 - 00:03:15:16 Catherine Weyer Wie gut können die Leute das? Ist die Selbsteinschätzung, Da passt die oder finden die viel zu lange? Ja, das ist noch okay. Und eigentlich sagen aber die Leute um sie herum ja, du hockst ständig nur noch am Handy. 00:03:15:18 - 00:03:32:06 Lara Wolfers Also ich würde sagen, auch da gibt es Unterschiede zwischen Personen. Wir sehen aber, dass ganz viele Leute uns eigentlich immer sagen Oh Gott, ich mache das viel zu viel. Also ich hab das Gefühl, dass die meisten Leute eigentlich das Gefühl haben, sie, sie nutzen zu viel. Und viele haben auch so ein bisschen das Gefühl von einem Kontrollverlust, als sie nutzen mehr. 00:03:32:06 - 00:03:50:16 Lara Wolfers Und sie haben auch nicht das Gefühl, dass sie eigentlich der Herr, die Herrin über ihre Nutzung sind, sondern dass das irgendwie jemand anders steuert. Und ich glaube, dieses Ohnmachtsgefühl, diese Passivität, die man auch fühlt, die ist dann auch problematisch. Und ich versuche eigentlich immer nicht mit Personen spreche oft auf der auch noch mal dazu zu bringen, sich zu überlegen Ist es eigentlich wirklich so? 00:03:50:16 - 00:04:09:07 Lara Wolfers Bin ich so ohnmächtig und bin ich es? Bin ich so jemand, der keine Kontrolle hat? Oder kann ich vielleicht da auch mir zugestehen, dass die Kontrolle hab und dann auch wieder so ein bisschen die Person sein, die das selber steuert, anstatt sich so passiv berieseln zu lassen und sich dann auch ja länger länger auf sozialen Medien vielleicht aufzuhalten als man möchte. 00:04:09:09 - 00:04:14:20 Catherine Weyer Gibt es Kipppunkte, die Sie definieren können, wo dann wirklich der Kontrollverlust da ist? 00:04:14:22 - 00:04:37:19 Lara Wolfers Eigentlich nicht wirklich. Also es gibt gerade wenn wir über Kinder reden und Mediennutzung, da versuchen wir ja auch oft so über Zeiten, also zwei Stunden zu viel oder unter zwei Stunden soll es sein oder so was, Kipppunkte oder auch Grenzen spezifische zu zu definieren. Aber man muss ehrlich sagen, dass wir meistens nicht von jetzt klaren Forschungsergebnissen abhängen, weil wir oft sehen, dass dann doch lineare Zusammenhänge da sind. 00:04:37:19 - 00:04:55:14 Lara Wolfers Das heisst je mehr, desto vielleicht schlechter. Oder auch kurvig, da sind wir okay, so gar nicht. Ist auch schlecht. Ein bisschen das okay, aber das ist jetzt wirklich sagt für alle ist zwei Stunden so der Kipppunkt lässt sich nicht sagen. Es kommt ganz viel auf die Person an und ich würde auch immer sagen Was, was wird euch ersetzt? 00:04:55:14 - 00:05:19:13 Lara Wolfers Also bei Kindern reden wir mal über Realwelt Erfahrung, die nicht verloren gehen darf und dann ist es bei manchen Stunden klar. Also wenn ich zehn Stunden am Tag nur auf dem Bildschirm gucke, dann werde ich mich wahrscheinlich zu wenig bewegen und vielleicht habe ich dann auch zu wenig offline sozialen Kontakt. Aber wenn ich das schaffe, zehn Stunden Bildschirm und ich habe trotzdem so und ich treffe mich trotzdem mit Menschen offline und ich bin trotzdem glücklich, können auch zehn Stunden okay sein. 00:05:19:15 - 00:05:26:00 Catherine Weyer Wie schwierig ist das für Eltern einzuschätzen, was ihre Kinder für eine Bildschirmzeit haben oder haben sollten? 00:05:26:02 - 00:05:44:04 Lara Wolfers Ähm, sehr, sehr schwierig. Ich glaub, viele empfinden es auch als sehr schwierig. Und die älteres Kind wird das so schwierig es natürlich auch wirklich ja zu wissen, was passiert denn da, wie lang ist dann da das etc. und ich gerade bisher total abstufen nach Alter des Kindes. Also bei Jungen und Kinder sollten Eltern schon so ein bisschen wissen, was guckt das Kind da an? 00:05:44:05 - 00:05:58:17 Lara Wolfers Da soll das vielleicht nicht passieren, dass da ein auf YouTube dann ein Short kommt, was wirklich erschreckend ist, oder? Wenn das passiert, dann ist auf jeden Fall wichtig, dass die Eltern dabei sind und wissen okay, was, das Kind hat es jetzt gesehen und dann kann man es begleiten. Je älter die Kinder werden, würde ich sagen, ist das auch okay. 00:05:58:17 - 00:06:15:16 Lara Wolfers Da muss man nicht mehr wissen, was macht das Kind? Das ist fast sogar schon problematisch, weil Kinder sollen ja auch autonom werden. Die sollen selbstständig werden, die sollen selber lernen, ihre Dinge zu managen. Wann ist es eher wichtig, dass man ein bisschen drauf guckt und sagt okay, vielleicht sollten sie eben vielleicht keine zehn Stunden auf Social Media sein. 00:06:15:18 - 00:06:32:07 Lara Wolfers Und vor allem, dass der Gesprächskanal offen ist, dass man weiss, wenn mein Kind was sieht, was problematisch ist, wenn irgendwie Cybermobbing, was, was passiert oder so, dann hat das Kind das Vertrauen, dass es dann zu mir kommen kann und sagen Hey, ich hab da was gesehen, das hat mir Angst gemacht und ich möchte da mal mit dir drüber reden. 00:06:32:09 - 00:06:40:18 Catherine Weyer Können Sie da ein konkretes Alter sagen, ab wann so der Wechsel kommt, dass die Kinder selbstständig auf den sozialen Medien unterwegs sein können und sollen? 00:06:40:20 - 00:06:55:23 Lara Wolfers Auch da will ich wieder sagen Es kommt total drauf an, es gibt Kinder, die kann es schon mit zwölf. Und dann gibt es Kinder, die können das mit zwölf, aber mit 14 nicht mehr, weil dann sind sie in der Pubertät und dann ist es viel schwieriger. Genau deswegen auch da würde ich sagen, man muss so ein bisschen als Eltern gucken. 00:06:56:00 - 00:07:11:04 Lara Wolfers Das Problem, was wir natürlich haben, ist, wenn wir über Regulation reden, dann können wir nicht sagen: Ja, wir machen das fliessend und keine Ahnung, machen Entwicklungstest und je nachdem wo das Kind ist, darf es schon oder nicht. Das ist einfach nicht umsetzbar. Das heisst, dann brauchen wir Schranken und dann bin ich persönlich wir reden ja gerade übers Social Media Verbot. 00:07:11:04 - 00:07:34:19 Lara Wolfers Oft bis 16 bin ich der Meinung, 16 ist zu alt. Ich würde es eher tiefer ansetzen. Ich denke so 12,13,14 ab da sind die Kinder alt genug, um solche Dinger selber regulieren zu können. Und dann ist es aber trotzdem wichtig. Als Eltern auch vielleicht als Schule so ein bisschen drauf zu gucken, Wo muss man vielleicht nachsteuern? Wo sehen wir bei den Kindern, dass sie eben nicht in der Lage sind, Dinge selber zu regulieren? 00:07:35:00 - 00:07:55:24 Lara Wolfers Und wo müssen wir dann eben vielleicht gar nicht durch Verbot, sondern eher durch Schranken oder durch Gespräche noch mal nachsteuern? Ja, damit Kinder sicher sind online. Aber dass sie auch selber lernen Was ist denn ich okay, was ich selber mach online und was ist vielleicht auch nicht okay? Also gehen wir dann auch über? Natürlich Täter im Kontext, dass auch darauf geguckt wird, was ist also okay und was nicht. 00:07:56:01 - 00:08:15:12 Lara Wolfers Das machen wir offline ja ganz natürlich auch. Also wenn wir mitbekommen, dass unser Kind was macht, was es nicht soll, würden wir einen Schritt einschreiten. Und online ist das letztendlich genau das Gleiche und da ist es wichtig, dass man es mitbekommt. Und ich glaub Kontrolle komplett würde ich sagen, finde ich problematisch. Kinder sollten mit 14 nicht mehr Eltern haben, die alle ihre Nachrichten lesen. 00:08:15:12 - 00:08:28:00 Lara Wolfers Das ist einfach nicht okay würde ich sagen. Aber das man eben in der Lage ist zu sagen okay, hey was wie läuft es denn online? Mit wem sprichst du denn? Worüber redet ihr denn so? Kann man ja ganz allgemein auch besprechen. 00:08:28:02 - 00:08:51:07 Catherine Weyer Sie haben das Social Media Verbot angesprochen. Das gibt es ja seit Dezember in Australien. Dort wurden zehn grosse Plattformen verboten für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Dazu gab es auch einen Artikel im Magazin «Der Spiegel». Dort wird die klinische Psychologin Danielle Weinstein zitiert. Nach ein, zwei Monaten kann man leicht spotten Guckt mal, Australiens Gesetz hat noch Schlupflöcher. 00:08:51:09 - 00:09:08:24 Catherine Weyer Aber der wahre Erfolg wird sich in einigen Jahren zeigen, wenn wir sehen, wie die vielen Kinder, denen wir ein Aufwachsen ohne Social Media ermöglichen, gegenüber den 16-Jährigen von heute abschneiden. Einstein glaubt, sie werden geduldiger sein und weniger traurig. Teilen Sie diese Einschätzung? 00:09:09:01 - 00:09:28:20 Lara Wolfers Ja und nein. Also ja, ich glaube schon, dass man fair sein muss, auch gegenüber so einer Regulation. Das nur, weil man sie einführt, dann nicht sofort, dass das perfekt wird. Das gilt für alle Regulation, würde ich sagen. Auch wenn wir jetzt versuchen, zum Beispiel die Plattform einzuschränken. Eben eher im Sinne von Inhalten, also dass bestimmte Funktionen ausgestellt werden. 00:09:28:20 - 00:09:51:10 Lara Wolfers Auch da werden wir dann nicht sehen von einem auf den nächsten Monat. Jetzt ist plötzlich alles toll. Das ist. Ja, es wäre naiv zu glauben, deswegen diesen Teil schon, aber ich glaube das – werden jetzt unsere Jugendlichen weniger traurig sein, weil wir sie später auf Social Media lassen. Das sehe ich nicht so, dass wir da so grosse Effekte sehen. 00:09:51:13 - 00:10:09:10 Lara Wolfers Also ich glaube, das sehen wir. In der Forschung sehen wir ganz viele kleine Effekte und eben nicht diese massiven Effekte, die wir manchmal fühlen. Und dann ist es oft eben multifaktoriell. Warum ist ein Jugendlicher traurig? Das ist nicht nur Social Media, sondern meistens sind es halt auch noch andere Faktoren. Und dass die Welt gerade bedrückend ist und man Angst hat. 00:10:09:12 - 00:10:31:00 Lara Wolfers Ich glaube, das haben wir Erwachsenen auch und ich finde das auch das auch okay, weil vielleicht ist es gerade auch bedrückend einfach, was die politische Lage angeht und und die Gefahr von Kriegen angeht. Jetzt. Und dann machen Social Media natürlich was mit uns, weil sie die ganze Zeit uns das vielleicht zeigen. Es ist nicht nur so, dass das abends in den 8:00 Nachrichten mal 20 Minuten sich damit auseinandersetzt, sondern halt vielleicht 20 mal am Tag. 00:10:31:02 - 00:10:47:01 Lara Wolfers Und das kann uns vielleicht traurig machen oder uns Angst machen. Und ich glaube, nur wenn wir Social Media mitnehmen, geht aber dieses Gefühl nicht komplett weg, sondern vielleicht kann das ein bisschen weniger werden. Wir nehmen mit Social Media halt auch noch andere Dinge weg und da müssen wir uns auch so ein bisschen überlegen. Vielleicht sind die Kinder dann ein bisschen weniger traurig. 00:10:47:07 - 00:11:07:23 Lara Wolfers Manche. Aber dafür haben sie vielleicht einen begrenzten Horizont und haben weniger gesehen und wissen weniger von anderen Kulturen. Das heisst, das ist immer ganz, ganz schwierig. Es ist sehr, sehr komplex und ich glaube, ja, da würde ich dem nicht zustimmen, dass wir so sicher sein können, dass es in ein paar Jahren dann besser aussieht, nur weil wir Social Media verboten haben. 00:11:08:00 - 00:11:25:12 Lara Wolfers Genau. Aber trotzdem: Es ist schon so, es ist kompliziert, auch für die Regulation. Und nur weil es jetzt nach zwei Monaten noch nicht klappt, das die meisten Jugendlichen runter sind von Social Media, muss das nicht unbedingt heissen, dass das komplett vom Tisch sein sollte und dass das gar nicht klappt. Ich glaub, da muss man ein bisschen warten noch und auch ein bisschen gucken. 00:11:25:12 - 00:11:36:13 Lara Wolfers Wenn es jetzt in Australien nicht klappt mit dem Verbot, kann man sich auch überlegen: Liegt es vielleicht an der Art der Regulation? Also das muss nicht nur heissen, dass das Verbot vornherein vom Tisch sein sollte. 00:11:36:15 - 00:12:00:17 Catherine Weyer Oftmals sind ja die Fürsprecher für so ein Verbot Eltern, deren Kinder gestorben sind. In diesem Artikel ging es um ein Mädchen, das an Magersucht erkrankt war und sich noch Tipps geholt hat online. Ein anderer Fall ist ein Junge, der online gemobbt wurde, bis er sich selbst das Leben genommen hat. Das sind ja so extreme Fälle. Aber kann man sagen, die wären nicht passiert, wenn diese Kinder nicht auf den sozialen Medien wären? 00:12:00:19 - 00:12:23:00 Lara Wolfers Ja, ich glaube, das ist total schwierig einzuschätzen. Aber gerade bei Selbstmord ist es ja schon so, dass wir das oft was Kleines dann sozusagen noch, das dann am Schluss zu dem Akt an sich führt und das, wenn wir immer was Kleines wegnehmen, vielleicht ein Kind beschützen können. Und ich glaub, da müssen wir schon gucken, dass gerade was Magersucht angeht, da gibt es Inhalte auch auf sozialen Medien, die müssen da runter. 00:12:23:02 - 00:12:51:15 Lara Wolfers Und ich glaube, dass wir da eigentlich strenger sein müssen und bessere Plattform Moderation haben müssen, die genau solche Inhalte halt runternehmen und und dann nicht noch Tipps geben. Wie kann ich denn noch dünner werden, wenn ein Kind schon wirklich problematisch und krankhaft gefährlich dünn ist? Also ich glaube, dass das soziale Medien schon manchmal beitragen können. Und wenn wir über Selbstmord sprechen, dann ist das Beitragen auch das, was vielleicht am Schluss dann zu dem Akt geführt hat. 00:12:51:17 - 00:13:20:02 Lara Wolfers Natürlich ist es aber fast nie nur die Onlinewelt. Also meistens gibt es natürlich auch in der Schule dann vielleicht mit anderen Freundinnen, Freunden etc. auch Probleme, die ein Kind schon hat vorher. Wenn ich mit klinischen Kolleginnen und Kollegen spreche, die erzählen oft, dass Eltern kommen und sagen mein Kind hat ein Online-Problem. Und dann spricht man und dann merkt man okay, da sind eigentlich andere Probleme vielleicht auch noch da und die sind vielleicht sogar wichtiger Und dann ist das online eher ein Symptom als jetzt wirklich das Problem. 00:13:20:04 - 00:13:33:17 Lara Wolfers Und dann muss man das mit behandeln und das ist dann ein Faktor, der vielleicht auch wichtig ist. Aber es ist halt nicht alles. Genau. Und ich glaube, da ist es auch wieder so wir müssen. Wir dürfen nicht panisch werden. Und wir dürfen auch nicht glauben, dass wenn wir so Social Media wegnehmen, dass dann alle Probleme gelöst sind. Das wird nicht so sein. 00:13:33:18 - 00:13:52:15 Lara Wolfers Ich glaube, das denken auch die meisten nicht, sondern wir müssen uns überlegen, welche Faktoren begünstigen jetzt, dass so was passiert und wie können wir die weniger wahrscheinlich machen, dass die passieren? Also ganz schützen kann man, kann man nie, auch offline nicht. Und dann kann das vielleicht ein Verbot sein. Aber gerade zum Beispiel in den Fällen ist es ja vielleicht auch eine Plattform- 00:13:52:15 - 00:13:58:05 Lara Wolfers Moderation, die eigentlich auch helfen könnte, die nicht zur Folge hat, dass das Jugendliche gar nichts mehr nutzen kann. 00:13:58:07 - 00:14:06:06 Catherine Weyer Wie müsste denn diese Moderation aussehen? Ist das eine KI, die über den Inhalt geht? Werden da gewisse Hashtags blockiert? Wie soll man das machen? 00:14:06:08 - 00:14:27:11 Lara Wolfers Ja, da gibt es letztendlich viele verschiedene Arten der Content Moderation. Und ich würde sagen, eine Lösung reicht nicht, sondern man braucht eigentlich mehrere Dinge, die parallel ablaufen. Das eine ist auf jeden Fall eine technische. Ich glaube, da sind wir inzwischen so weit, dass man beispielsweise Gewalt identifizieren kann. Das ist dann bestimmt nicht 100 %. Aber das ist auf jeden Fall ein Schritt, den wir, glaube ich, schon brauchen. 00:14:27:13 - 00:14:55:14 Lara Wolfers Und wenn wir gerade beispielsweise über Magersucht, Inhalte oder sowas sprechen Ich glaub schon, dass es möglich ist, bestimmte Hashtags, bestimmte Keywords, auch bestimmte Bilder einmal zu flaggen. So: könnte problematisch sein. Und dann ist es meistens so, dass man eine menschliche Moderation zusätzlich auch braucht von Menschen, die da noch mal draufgucken oder die vielleicht sagen, wenn jemand sagt: Hey, die, die hat mich jetzt blockiert und gesagt, das ist nicht guter Content, aber das ist gar nicht so, dass man sich dann beschweren kann. 00:14:55:14 - 00:15:21:24 Lara Wolfers Andersherum das Nutzende, die was sehen, was problematisch ist, was nicht geflaggt wurde, sagen können Hey, das ist aber doch problematisch und dann guckt sich jemand an, Also da braucht man wahrscheinlich beides wohl technisch als auch Menschen Und ist die Verantwortung da bei den Plattformen. Und ich würde die Regulation auch so bauen wollen, dass man als als Staat sagt okay, ihr müsst eine Struktur haben, die muss müssen die und die und die Inhalte beinhalten, dass es irgendwie okay, das ist dann nicht mehr okay. 00:15:21:24 - 00:15:47:09 Lara Wolfers Das haben wir bei anderen Inhalten auch, wo wir vielleicht sagen, okay, eine Beleidigung an einem bestimmten Grad ist halt nicht mehr okay, beispielsweise dann, dann haben wir schon rechtliche Konstrukte, die da Abwägungen machen. Das heisst, so was gibt man dann den Plattform mit und sagt, ihr ist eure Verantwortung, dass das funktioniert und dann gibt's vielleicht eine Kontrollbehörde, eine Regulationsbehörde und wenn es halt nicht funktioniert, müssen dahinter natürlich dann Strafen stehen, weil das ist das, was die Plattform dazu bringt, auch wirklich dann Inhalte runter zu nehmen. 00:15:47:11 - 00:16:07:21 Catherine Weyer Ja, das war ja das Problem mit früher Twitter, jetzt X, da gab es ja ziemlich klare Einschränkungen. Das hat super funktioniert. Dann gab es einen Besitzerwechsel und seitdem ist Gewalt wahnsinnig präsent auf dieser Plattform. Was ist denn dort das Problem, dass von den Staaten niemand da ist, der sanktioniert? 00:16:07:23 - 00:16:29:09 Lara Wolfers Ja, also wir sind aktuell in den Sanktionen noch nicht gut genug. Also tatsächlich hat der Digital Services Act auf EU Ebene durchaus schon einige von diesen Sachen drinnen, aber es funktioniert aktuell noch nicht gut genug. Ich glaub, da muss man dann potenziell gar nicht unbedingt die Gesetze ändern, sondern vielleicht noch mal die Regulation nachschärfen und gucken, dass Dinge auch wirklich geahndet werden und dann nicht untergehen, weil die Behörden überlastet sind. Das nachzuverfolgen. 00:16:29:09 - 00:16:48:03 Catherine Weyer Also jetzt im Hinblick darauf, dass die EU diskutiert da auch schon seit längerem, soll man verbieten, ab welchem Alter etc. Wer ist da eigentlich eher wichtig, dass man den Blick hin wendet zu Medienkompetenz der Jugendlichen? Plus Welche Inhalte finden tatsächlich auf diesen Plattformen statt? 00:16:48:05 - 00:17:13:21 Lara Wolfers Ja, also Medienkompetenz ist eine Riesenfaktor. Ist es mega wichtig auch weil selbst wenn wir jetzt ja Jugendliche verbieten auf Social Media zu sein, brauchen sie diese Medienkompetenz ja später auf jeden Fall. Deswegen glaube ich, egal was wir mit den Plattformen machen, ist Medienkompetenz, Vermittlung zentral und ganz wichtig. Ich glaube, da passiert auch gerade schon aktuell relativ viel. Also es kommt immer mehr an die Schulen, es gibt tolle Apps und alles mögliche, wie man sich Medienkompetenz aneignen kann. 00:17:13:23 - 00:17:38:16 Lara Wolfers Also ich glaube, das ist total zentral. Ich glaube aber auch, dass wir trotzdem über über Plattformregulation sprechen müssen. Also das ist halt ein, sage ich mal, eine Seite oder ein Baustein ist Medienkompetenz, Förderung, das ist ganz zentral. Ich will auch sagen das eigentlich das Wichtigste, weil das einfach die universalste Waffe ist. Also dann kann man sagen, okay, auch nach 16 sind die Jugendlichen vielleicht in der Lage oder auch Erwachsene in der Lage, besser damit umzugehen. 00:17:38:18 - 00:17:55:01 Lara Wolfers Auch dann, wenn dann ein Verbot vielleicht nicht total gut funktioniert, Ist Medienkompetenz trotzdem noch da. Also ich glaube, das ist so ein bisschen die letzte Waffe, die wir uns am Instrumentarium haben. Aber trotzdem müssen wir darüber reden. Können wir die Plattform irgendwie auch sicherer machen an sich Und ich glaube, da geht es ganz viel um Inhalte und Plattformmoderation. 00:17:55:01 - 00:18:17:23 Lara Wolfers Da geht es um Design-Prinzipien wie der Infinite Scroll, und man vielleicht ausstellen kann, weil wir wissen, dass er dazu führt, dass die Leute länger auf den sozialen Medien sind, als sie eigentlich sein wollen. Über diese Dinge kann man sprechen. Mir wäre es lieber, wenn wir sagen, wir fangen damit an, die Plattformen zu ändern, an sich und und Regulation da zu machen, als dass wir komplett verbieten. 00:18:18:00 - 00:18:39:07 Catherine Weyer Ich finde es auch noch schwierig jetzt, wenn ich mir vorstelle, dass jetzt eine Abstimmung kommt und ich muss sagen, gibt es ein Social Media Verbot für unter 16-jährige. Ich bin in den 80er Jahren geboren, das heisst, ich bin ohne Social Media aufgewachsen. So mit Anfang 20 kamen da die ersten Plattformen auf dem Markt. Also es gibt ja Social Media gar noch nicht so eine lange Zeit, dass ich sagen könnt ja, wenn ich als Kind da nicht drauf gewesen wäre, wäre das und das passiert. 00:18:39:07 - 00:18:44:09 Catherine Weyer Also mir fehlt ja auch die Medienkompetenz, um eine Entscheidung zu treffen, die so weitreichend ist. 00:18:44:11 - 00:19:09:01 Lara Wolfers Ja, es ist sehr schwierig. Ich finde es total sinnvoll, mit Jugendlichen selbst zu sprechen. Ich würde aber sagen, Jugendliche, also viele Jugendliche selbst, sind sehr kritisch. Die sagen auch, ich bin zu viel auf Social Media und und ich sehe da auch kritische Effekte, die eigentlich schlecht sind. Genau das ist eine Art der Information. Ja, es ist sehr, sehr schwierig, so eine Entscheidung zu treffen, weil wir auch in der Forschung nicht ganz so klare Effekte haben. 00:19:09:01 - 00:19:25:17 Lara Wolfers Es ist nicht so, dass wir jetzt sagen können Ja, auf jeden Fall, das ist ganz schlecht und wir müssen jetzt abschalten, sondern wir sehen negative Effekte, wir sehen positive Effekte und dann ist das so ein Abwägungsprozess, den ich selbst auch sehr schwierig finde. Wo wir dann finde ich aber auch dahin gehend zu sagen okay, ist es vielleicht nicht, Es wir können nicht alles forschungsbasiert entscheiden. 00:19:25:17 - 00:19:46:02 Lara Wolfers Irgendwann ist es eine normative Frage: Wollen wir, dass die Kinder das haben oder wollen wir es nicht? Und ich finde da ganz wichtig, auch mitzudenken Wollen wir die Teilhabe ermöglichen oder nicht? Weil das, finde ich, findet ihr aktuell zu wenig statt. Dass wir auch darüber reden, dass Kinder und Jugendliche auch ein recht haben, online teilzunehmen an politischen Diskussionen, an gesellschaftlichen Diskussionen etc. Da fehlt gab ganz viel. 00:19:46:05 - 00:20:02:17 Lara Wolfers Davon findet auch Social Media statt. Und ich finde, da müssen eigentlich Jugendliche eine Möglichkeit haben, sich auszudrücken, teilzunehmen, zu lesen etc. Und ja, das finde ich findet gerade zu wenig, statt dass wir auch was wegnehmen Jugendlichen, was für die Politik vielleicht auch wichtig ist. 00:20:02:19 - 00:20:24:14 Catherine Weyer Ja, das wäre jetzt meine Anschlussfrage gewesen. Social Media ist ja nicht nur Katzenvideos oder eben Tipps, wie ich abnehmen kann, sondern da passiert extrem viel. In der Schweiz haben wir auch immer wieder diese Diskussion, dass man mit 16 Jahren wahlberechtigt ist und abstimmen darf. Und da wird ja wahrscheinlich auch ein riesen Teil an Informationen für diese Jugendlichen wegfallen, um dann politische Entscheidungen zu treffen. 00:20:24:15 - 00:20:32:16 Catherine Weyer Also man traut ihnen auf der einen Seite zu, da teilzunehmen und auf der anderen Seite sagt man: Du hast keine Ahnung, wie du mit diesen Medien umgehen sollst. 00:20:32:18 - 00:20:57:07 Lara Wolfers Ja, ja, also das ist so, ich finde auch, dass wir da uns also ehrlich mit uns sein sollten. Was wäre, was trauen wir Jugendlichen zu? Tja, man hat das Gefühl, wir trauen ihnen eigentlich zu wenig zu. Ich würde sagen, aus der Forschung. Wir sehen schon, dass Jugendliche in so einer Zeit sind. Das nennt sich Window of susceptibility, also Zeiten im Leben, wo man irgendwie vulnerabel ist oder oder verletzlicher. 00:20:57:07 - 00:21:20:17 Lara Wolfers Vielleicht ist gegenüber Inhalten, die man zum Beispiel online sieht, das sehen wir schon, dass bei Jugendlichen das teilweise höher ist wie bei anderen Menschen. Aber die Grundmechanismen sind oft die gleichen. Und das ist gar nicht so, dass wir jetzt, nur weil wir 30, 40 sind, diese negativen Effekte nicht haben. Und da müssen wir, glaube ich, Jugendlichen auch ein bisschen mehr vertrauen, dass sie vielleicht schon ganz schön viel Kompetenz auch mitbekommen haben, weil sie schon so lange auf diesen Plattformen auch unterwegs sind. 00:21:20:19 - 00:21:45:12 Lara Wolfers Da finde ich Vertrauen auch wichtig, auch als Gesellschaft und und Jugendliche nicht zu unterschätzen. Was das Politische angeht, ist es tatsächlich so, dass wir schon sehen, dass viel Information dazwischen auf Social Media stattfindet. Wir haben jetzt natürlich die spannende Frage: Was ist, wenn man das jetzt wegnimmt? Geht dann die Information wieder vielleicht zu vielleicht auch besseren, tiefergehenden Politik, Informationssendungen? 00:21:45:14 - 00:22:10:24 Lara Wolfers Ich habe da so ein bisschen meine Zweifel, dass das passiert. Und dann wäre es natürlich problematisch, wenn es jetzt wirklich klappen würde, dass man sagt okay, dann mache ich halt nicht mehr das dann an News Snacking, also wenn man nur auf auf Social Media halt schaut, kurz mal snackt, was ist denn gerade relevant? Aber sich gar nicht tiefergehend damit beschäftigt Und wir sehen da, dass das leider nicht so toll funktioniert, dass die Leute dann irgendwie kurz merken und denken Oh, das spannend, da muss ich jetzt noch mehr drüber lesen, sondern dass das dann eben oft auf dem Snacking bleibt. 00:22:11:01 - 00:22:24:16 Lara Wolfers Aber ich befürchte halt, wenn wir es wieder wegnehmen, führt es nicht dazu, dass dann alle plötzlich sich viel mehr mit mit vielleicht Qualitätsmedien informieren, sondern dass dann vielleicht eher gar keine Nutzung mehr stattfindet. Und dann wäre es natürlich wirklich problematisch. 00:22:24:18 - 00:22:42:18 Catherine Weyer Wenn ihr über die Medienkompetenz bei Kindern sprechen und das, wenn ich mir jetzt das vorstellen, das sind die Eltern, die mit dem Kind sich hinsetzen und erklären, was auf den sozialen Plattformen wie funktioniert und weshalb es gut wäre, dass man dann nach ner Stunde mal das Kind aus dem Zimmer holt, sagt Hey, wollen wir nicht ein Brettspiel zusammen machen? 00:22:42:20 - 00:22:49:18 Catherine Weyer Das ist ja nicht überall der Alltag. Es gibt auch Kinder, die da ziemlich alleingelassen werden. Wie soll man mit diesen Kindern umgehen? 00:22:49:20 - 00:23:09:02 Lara Wolfers Ja, ja, ich finde das ein ganz wichtiger Punkt. Und ich würde sagen, das ist auch der das grösste Argument für ein Verbot, weil das für alle gleich gilt und man dann vielleicht eben auch Kinder davon schützen kann, die mal eben mit Medienkompetenz-Vermittlung zu Hause über die Eltern nicht nicht geschützt bekommt, weil das vielleicht einfach nicht stattfindet. Genau. 00:23:09:03 - 00:23:41:22 Lara Wolfers Ich finde, das allerwichtigste ist, dass wir da wirklich gut in den Schulen auch vielleicht schon vorher in Kindergärten etc. arbeiten, Angebote schaffen, dass wir wirklich alle Kinder erreichen und mit allen darüber gesprochen wird, was das eigentlich gut, was ist nicht gut, wie wie kann ich auch selber darüber reflektieren, was gut ist und was nicht gut. Genau das ist wichtig, dass das wirklich an die Schulen geht und wir da Lehrkräfte haben, die den Wissen haben oder wir uns Personen haben, die dann an die Schulen kommen und sich sehr gut auskennen und gute Angebote machen für die Kinder. 00:23:42:02 - 00:24:11:20 Lara Wolfers Aber ja, das ist ganz wichtig, gerade diese Kinder im Blick zu behalten, weil ich glaube, die Eltern, die sich ganz viel Sorgen machen, die machen meistens sowieso schon ganz viel und da ist es bei den Kindern vielleicht am wenigsten problematisch wären, eben genau da, wo sie eben keine Gedanken gemacht wird, die Kinder vielleicht am gefährdetsten sind. Dass sie dann am Schluss auch Dinge sehen, die sie eigentlich nicht sehen sollten oder sich unangenehm fühlen oder die dann auch vielleicht am gefährdetsten sind, eben diese zehn Stunden am Tag dann vor Bildschirm zu sitzen und sich nicht mehr draussen zu bewegen. 00:24:11:22 - 00:24:21:16 Lara Wolfers Also ja, ich glaube an diese Kinder müssen wir denken. Und ich glaub, dass wir ganz viel über die Schulen nachdenken müssen. Wie können wir diese Kompetenzen, die einfach zentral sind, vermitteln? An den Schulen? 00:24:21:18 - 00:24:47:09 Catherine Weyer Sie haben vorhin das Infinite Scrolling angesprochen, also dieses endlose Scrollen durch den Feed und dann noch das nächste und noch mal, noch mal und dann in diese Rabbit Holes reinfallen und gar nicht mehr rauskommen. Ist das tatsächlich so ein neues Phänomen, das mit den sozialen Medien aufgekommen ist? Oder hat der Mensch die Tendenz, dass er sich gern fallen lässt in etwas und sich dann auch so ein bisschen abschottet vom Rest der Welt? 00:24:47:11 - 00:25:07:13 Lara Wolfers Ja, also ich glaube, wir so einfach mal was tun, was sinnlos ist und was einfach nur Spass macht und sich angenehm anfühlt. Erst menschlich. Also einfach mal Spass haben ist auch was. Was, was uns gut tut. Und interessanterweise, wenn wir so ein bisschen zurückgucken, gucken wie wurden denn mit anderen Medien Innovation umgegangen und was für Diskussionen hatten wir da? 00:25:07:19 - 00:25:37:17 Lara Wolfers Sehen wir genau dieses Thema immer wieder aufploppen. Um so 1800 rum wurden Liebesromane und und Romane mit. Viele würden vielleicht sagen so schlechte Qualität, das würde plötzlich möglich für Personen das zu kaufen auch, die nicht so viel Geld hatten. Und dann gab es Diskussionen darüber: Kriegen wir jetzt eine Lesesucht? Ist es jetzt so, dass Personen eben nur noch diese, diese Groschenromane lesen und nicht mehr rausgehen und nicht mehr sozial interagieren, weil das halt so eine schöne, ja so einen schönen Tätigkeit ist. 00:25:37:19 - 00:26:00:19 Lara Wolfers Als dann Radio kann man mit Diskussion wieder das Kriminalshows, dass die jeden Abend kamen, dass dann die Angst war okay, Kinder und Jugendliche, die setzen sich jetzt immer nur noch für das Radio und gehen nicht mehr raus und und bekommen beim Radio Sucht. Und das haben wir jetzt eigentlich auch. Und ich glaub dieses Verhalten, nämlich sich mal zurücklehnen war und relaxen, schon mal nichts sinnvolles tun ist was, was auch normal ist und was vielleicht auch okay ist. 00:26:00:21 - 00:26:26:08 Lara Wolfers Und dann kommt es immer auf die Balance an und ich glaub, dieser Blick zurück auf Lesesucht, auf Radio Sucht, der hilft uns ein bisschen, ähm, ja nicht panisch zu werden, weil vielleicht manche Sorgen und auch damals schon da waren und jetzt vielleicht Radio sucht nicht jetzt aktuell ein riesen Prävalenz Problem ist das alle haben, sondern manche Sachen lösen sich da vielleicht auch ein bisschen auf und dann merkt man okay, vielleicht haben wir zu viel Angst und es ist dann gar nicht so schlimm geworden. 00:26:26:10 - 00:26:44:07 Lara Wolfers Und da haben wir manchmal das Problem, dass diese Diskussion, die das so ganz moralisch auflädt und die uns dazu bringt, dass wir möglichst selbst optimiert sind, dass die uns dann eigentlich das, was diese halbe Stunde auf TikTok uns vielleicht helfen kann, nämlich mal kurz durchschnaufen, einfach mal was sinnlos machen, vielleicht mal lachen, das uns wegnehmen kann, in dem wir uns dann nachher schuldig fühlen. 00:26:44:07 - 00:26:57:20 Lara Wolfers Das Gefühl haben wir, das war ja bis jetzt blöd und dann ist das echt das Schlimmste, was am Schluss rauskommen kann. Weil dann hab ich zwar eine halbe Stunde gehabt, aber selbst die positiven Effekte, die ich rauskriegen hätte können, habe ich nicht, weil ich mich dann schlecht fühle. 00:26:57:22 - 00:27:09:09 Catherine Weyer Also wenn ich mich mal mit meinem Handy zurückziehe und dann eine halbe Stunde wirklich alles mögliche gucke, aber nix rausziehe, dann soll ich einfach geniessen, dass ich jetzt grad eine Pause hatte von meinem stressigen Alltag. 00:27:09:11 - 00:27:27:15 Lara Wolfers Das. Genau das finde ich sinnvoll, wenn man das schafft. Und man muss sich natürlich trotzdem so ein bisschen fragen Ist das jetzt eine halbe Stunde oder drei Stunden gewesen und habe ich jetzt, wenn ich drei Stunden später ins Bett gehe und dann zu wenig Schlaf, weil ich das gemacht habe, dann ist das natürlich nicht so gut. Aber sich das auch mal zu zuzugestehen, finde ich total in Ordnung. 00:27:27:17 - 00:27:46:08 Catherine Weyer Aber um es gerne noch mal im Hinblick auf das Social Media Verbot: Ich finde es total schwierig, dann so eine Abschätzung zu machen. Also wenn ich für mich selber nicht sagen kann, was mir gut tut, ist dann auch für eine Gruppe, die mir jetzt auch schon vom Alter her ziemlich weit weg ist und die eine ganz andere Mediennutzung hat wie ich. 00:27:46:10 - 00:27:58:03 Catherine Weyer Ich glaube, das ist wahrscheinlich auch das Problem, das wir gerne wir hätten gerne Zahlen. Ich möchte gern sagen, zwei Stunden sind okay auf drei verschiedenen Plattformen und dann es fertig. Und dass es das nicht gibt, das macht, glaube ich, das Ganze noch viel schwieriger. 00:27:58:05 - 00:28:17:11 Lara Wolfers Ja, wir diskutieren das ganz oft, gerade in der Forschungsgruppe so, wo es Kinder, Jugendliche geht, dass Eltern und sagen: Wir wollen aber gerne diese Zwei Stunden Grenze. Wir wollen das gerne wissen, weil eine Zahl haben und wir eigentlich als Forschungsgemeinschaft sagen, wir können dieser Zahl nicht wirklich geben, weil das einfach individuell anders ist. Ähm, ja, und das ist ganz schwierig. 00:28:17:17 - 00:28:33:14 Lara Wolfers Ich Ich würde immer sagen, ich glaube das Gefühl, dass man selber nicht einschätzen kann. Ich glaube, dass das bis zu einem gewissen Grad falsch ist. Ich glaube, man kann viel einschätzen. Und ich glaube, wenn man sich hinsetzt und sich überlegt, was ist eigentlich gut für mich und was sehe ich nicht gut für mich, dass man dann durchaus zur Einschätzung kommt. 00:28:33:14 - 00:28:48:10 Lara Wolfers Also und ich glaube, es wird ja auf jedem der das es kühler ich habe es nicht unter Kontrolle würde ich jedem raten einfach mal sich zu überlegen, welche Inhalte. Wenn ich die sehe, fühle ich mich jedes Mal danach schlecht. Ja vielleicht Influencer. Dann denkt jedes Mal oh Gott, die hat schon so viel erreicht und ich noch nicht. Und dann? 00:28:48:10 - 00:29:08:04 Lara Wolfers Dann fühle ich mich schlecht. Dann würde ich sagen, vielleicht dieser Person nicht mehr folgen. Ähm. Wenn es aber so ist, dass Katzenvideos nicht mehr irgendwie so fünf Minuten Freude jeden Tag bringen, dann würde ich sagen Super, weiter, fünf Minuten bitte Katzenvideos gucken am Tag. Mit meinen Studierenden haben wir so ein Digital Detox Seminar gemacht und da haben die sich auch überlegt was tut mir echt gut, was tut mir nicht gut. 00:29:08:06 - 00:29:32:03 Lara Wolfers Und dann sagen manche hey, diese dieses im Bett nutzen, das finde ich fürchterlich. Immer. Ich schlaf immer später ein und ich dann sehe ich immer Sachen und die stresst mich. Dann kann ich nicht gut schlafen und dann ist vielleicht eben zu sagen okay, ich bin das Ladegerät, das ist halt nicht mehr direkt neben dem neben dem Bett, sondern das lege ich jetzt wo ganz anders hin, sodass das nicht mehr ans Handy kam, einfach aus dem Bett und ich kaufe mir vielleicht einen Wecker, nehme nicht mehr das Handy, während andere gesagt haben: Nein. 00:29:32:06 - 00:29:51:13 Lara Wolfers Das ist meine halbe Stunde, da mache ich nur Sachen, die sind total sinnlos, die sind nur für mich und das will ich mir einfach nicht wegnehmen. Das tut mir total gut. Und dann würde ich sagen super. Und ich glaube, diese, diese Reflexionsprozesse, die können wir alle eigentlich machen und die können Jugendliche auch machen. Ich glaube nur, man macht sich das gar nicht so oft so ganz bewusst Gedanken darüber was tut mir echt gut und was tut mir nicht gut. 00:29:51:15 - 00:30:01:00 Lara Wolfers Und dadurch kommt dann dieses dieses Gefühl so, man hat es nicht unter Kontrolle und macht die ganze Zeit Dinge, die man eigentlich nicht will. Gefühl. Genau. Weil man es nicht so aktiv steuert. 00:30:01:02 - 00:30:12:21 Catherine Weyer Wie viel macht eigentlich das Vokabular aus? Also wenn es um Handy geht, dann höre ich sehr schnell Sucht Ich bin Handy süchtig oder ich bin abhängig von. Kann man das überhaupt vergleichen mit einer Droge? 00:30:12:23 - 00:30:30:23 Lara Wolfers Nein. Und ich finde, wir sollten auch sehr vorsichtig sein. Mir ist die Essensmetapher viel lieber. Ich fand Essen, das ist irgendwie klarer. So essen, das kann, das brauchen wir. Er Essen kann gut sein, Essen kann schlecht sein. Es gibt vielleicht Inhalte, die sind besser. Und es gibt Inhalte, die sind schlechter. Und dann kommt es auf die Menge an und man muss mehr Balance finden. 00:30:30:23 - 00:30:49:03 Lara Wolfers Und ich finde, das ist bei Essen ist das total intuitiv, dass das so ist. Und deswegen finde ich es sehr passend, mit Medien, während eine Droge bei einer Droge ist eigentlich so, das ist immer schlecht. Auch das erste bisschen ist schlecht und das finde ich bei Medien einfach nicht klar, weil es gibt eben auch viele Mediennutzung, die nötig ist, gerade wenn wir einem politischen, demokratischen System erleben. 00:30:49:05 - 00:31:11:22 Lara Wolfers Wir können auch viele Mediennutzung nicht einfach ausschalten, weil wir uns damit ausschliessen, aus bestimmten Diskussionen, auch aus fest bestimmten Gruppen, die uns vielleicht auch gut tun. Also ja, ich glaube, da kann man mit dem Drogen mit dem Drogen Metapher viel kaputt machen. Ich finde es aber trotzdem okay sich zu überlegen. Okay, es gibt Mechanismen, die natürlich Plattformen ausnutzen, die so suchtähnliche Prozesse anstossen. 00:31:11:22 - 00:31:20:06 Lara Wolfers Und das ist halt oft dieses so kurze, kurze, positive Impulse senden die, die man sich dann immer wieder suchen möchte. 00:31:20:10 - 00:31:25:01 Catherine Weyer Das ist so quasi die Chips Packung mit einem salzig und süss und da kann man gar nicht mehr aufhören. 00:31:25:03 - 00:31:43:21 Lara Wolfers Also ich glaube manche, manche Prozesse, die sind schon ähnlich und dann finde ich es auch okay, dass wir uns vergleichen, wo, wo sehen wir da Überschneidungen? Aber wir reden klar viel, viel öfters von Sucht, als das eigentlich wirklich Sucht ist. Also eine klinische Sucht. Da muss schon viel sein, damit man wirklich süchtig ist. Und wir sagen ganz oft auch Ja, danach bin ich so süchtig und das stimmt nicht. 00:31:43:23 - 00:31:58:06 Lara Wolfers Wir nutzen es. Aber bei Essen haben wir es ja auch manchmal. Wir sagen auch immer, wir sind Schokolade süchtig und sind nicht wirklich klinisch auffällig. Es Schokolade künstlich? Genau. Ich Ich weiss nicht, wie viel diese Werte da ausmachen. Ich glaube, sie vermitteln manchmal so einen Panikmodus, der in der Debatte nicht wirklich gut tut. 00:31:58:12 - 00:32:18:00 Catherine Weyer Sie haben jetzt schon ein paar Tipps gegeben, was man machen kann, insbesondere auf sich selbst hören, sich reflektieren, überlegen Was hat mir das gutgetan? Mir nicht. Haben Sie sonst noch einen konkreten Tipp? Wenn ich jetzt das Gefühl habe, diese 69 Mal Handy entsperren, dass das stört mich das Ich möchte runter zumindest nicht jedes Mal gleich entsperren, wenn ich auf die Uhr gucke. 00:32:18:02 - 00:32:40:10 Lara Wolfers Ja, ich glaube tatsächlich, dass inzwischen ganz viele technische Lösungen auch gibt. Das den Digital Detox ist eine riesen Industrie inzwischen. Da muss man sich auch vielleicht ein bisschen überlegen, was finde ich jetzt gut und was finde ich nicht gut. Aber da gibt es durchaus auch tolle Angebote. Es gibt eine App, die heisst «One Sec» zum Beispiel die einen immer, wenn man Instagram öffnen möchte, dass man ganz festlegen einfach da muss man kurz einmal durchatmen, quasi bis man drauf kann. 00:32:40:10 - 00:33:06:05 Lara Wolfers Dann kann man klicken will ich will es wirklich nutzen oder Ne, eigentlich habe ich jetzt da nur draufgeklickt, weil es automatisch war. Und solche Angebote gibt es relativ viele. Es gibt auch Angebote im Familienkontext, wo man sich vielleicht als Familie Regeln setzt gemeinsam, und dann sagt okay, wir haben uns jetzt überlegt gemeinsam wir Eltern, wir finden eigentlich, wir nutzen selber auch zu viel und wenn wir mit dem Kind reden, dann sollte nicht das Handy daneben legen. 00:33:06:09 - 00:33:34:17 Lara Wolfers Wir legen das jetzt weg und dann die Kinder sagen dann okay, ich habe jetzt darüber nachgedacht und eigentlich finde ich mehr als zwei Stunden Gaming am Tag tut mir echt nicht gut und ich möchte das selber auch begrenzen. Und da gibt es dann auch technische Angebote, wie man, wie man ja so ein Medienplan aufstellen kann. Es gibt ja diese diese schönen Boxen, wo man dann die Handys rein macht, Da sind sie dann erst mal abgeschlossen und ich glaube, da kann man sich, gibt es echt viele nette Angebote inzwischen, die man sich dann auch, die man nutzen kann, dem man vielleicht helfen können. 00:33:34:19 - 00:33:38:01 Catherine Weyer Und dann eben die Mediennutzung, die ich habe, die dann wirklich geniessen. 00:33:38:03 - 00:33:39:02 Lara Wolfers Genau. 00:33:39:04 - 00:33:40:21 Catherine Weyer Lara Wolfers, vielen herzlichen Dank. 00:33:40:21 - 00:33:44:04 Lara Wolfers Hat Spass gemacht, danke schön. 00:33:44:06 - 00:34:04:13 Catherine Weyer Das war Unisonar, der Wissens-Podcast der Universität Basel. In der nächsten Folge geht es um Klimapolitik. Warum ist es so schwierig, internationale Entscheidungen umzusetzen? Und warum gehen Menschen immer wieder dagegen auf die Strasse? Darüber spreche ich mit der Politikwissenschaftlerin Viktoria Jansesberger. Mein Name ist Catherine Weyer. Bis bald.