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Universität Basel

TQNE - Transfakultäres Querschnittsprogramm Nachhaltige Entwicklung

Transfakultäres Querschnittsprogramm Nachhaltige Entwicklung
TQNE - Transfakultäres Querschnittsprogramm Nachhaltige Entwicklung

Wie werden gentechnisch veränderte Organismen unsere zukünftige Ernährung prägen? Wie beeinflusst das soziale Umfeld den Nahrungsmittelkonsum? Wann ist ein Ernährungssystem nachhaltig? Um die Komplexität unserer Welt zu verstehen, braucht es eine Perspektive, die über den Tellerrand hinausgeht – diese bietet das Transfakultäre Querschnittsprogramm Nachhaltige Entwicklung (TQNE) der Universität Basel.

Dozierende und Studierende erzählen in vier Interviews aus ihren eigenen Erfahrungen mit dem TQNE und beleuchten somit die verschiedene Facetten des zertifizierten Kurses mit Fokus auf Ernährung und Nachhaltigkeit.

Interview mit Prof. Dr. Jasmin Godemann und Prof. Dr. Christian Herzig

Bild von Jasmin Godemann und Christian Herzig
Foto: Jasmin Godemann (links) und Christian Herzig (rechts) © Privat
  1. Könnten Sie sich kurz vorstellen? Was ist Ihr Bezug zum TQNE?
    Jasmin Godemann: Ich bin Professorin für Kommunikation und Beratung in den Agrar-, Ernährungs- und Umweltwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Ich beschäftige mich seit über 15 Jahren mit Fragen der inter- und transdisziplinären Lehre und war u.a. mitverantwortlich für die Entwicklung eines interdisziplinären Studienprogramms, das sich mit Fragen einer nachhaltigen Entwicklung beschäftigt hat und das von Studierenden aus unterschiedlichen Fachbereichen studiert werden konnte. Damals mussten viele noch von der Idee, fachübergreifend zu lehren und zu lernen überzeugt werden – was z.T. sehr herausfordernd war. Es freut mich daher umso mehr, dass ein Programm wie das TQNE sich durchgesetzt hat und schon lange sehr erfolgreich in Basel angeboten wird.

    Christian Herzig: Ich beschäftige mich in meiner Forschung und Lehre mit Transformationsprozessen für eine nachhaltige Entwicklung der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Dabei interessiert mich insbesondere, wie organisationale und institutionelle Faktoren auf die Anwendung und Verbreitung von neu entstehenden Ansätzen einer verantwortungsvollen Unternehmensführung Einfluss nehmen, sowohl im lokalen als auch globalen Kontext. Über mein Fachgebiet hinaus leite ich zurzeit das Graduiertenzentrum für Umweltforschung und -lehre der Universität Kassel und bin Prodekan des Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaften.
  2. Was ist Ihrer Meinung nach besonders am TQNE?
    Die Diskussion über Fragen der Nachhaltigkeit mit Studierenden aus verschiedenen Disziplinen und Fachrichtungen haben wir schon immer als sehr bereichernd empfunden. Das Besondere am Programm sind die Freiräume für eine innovative und studierendenzentrierte Gestaltung der Lehre. In unserem Modul geben wir die Möglichkeit, zu erforschen, wie die mediale Kommunikation über Lebensmittel unsere Ernährungskultur prägt und analysieren die Rolle der visuellen Kommunikation für eine nachhaltige Ernährung bzw. eine verantwortungsvolle Produktion von Lebensmitteln.
  3. Wie kann das TQNE Studierende auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten?
    Egal in welchen professionellen Kontexten Studierende arbeiten werden und wie auch immer diese aussehen mögen – eines ist klar: Man kann sie nicht ohne Nachhaltigkeit denken. Es ist unverzichtbar, mit unterschiedlichen Wissensformen und Denkweisen umgehen zu können. Das TQNE fördert die fachübergreifende Zusammenarbeit, den diskursiven Austausch zu Themen, die uns alle bewegen und das Erkennen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der Wahrnehmung und Lösung von gesellschaftlichen Problemen.
  4. Was können Sie Studierenden mit auf den Weg geben, die sich auch beruflich später mit nachhaltiger Entwicklung beschäftigen möchten?
    Es gilt Brücken zu bauen, interdisziplinäre Fragen zu stellen und Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Interview mit Dr. Vera Calenbuhr

Foto von Vera Calenbuhr
Foto: Vera Calenbuhr © Privat
  1. Könnten Sie sich kurz vorstellen? Was ist Ihr Bezug zum TQNE?
    Ich bin Lehrbeauftragte an der Universität Basel im Bereich Umweltpolitik und Nachhaltigkeit, speziell was die ökonomische Perspektive angeht. Daneben habe ich zwei Start-Ups gegründet, die Organisationen dabei unterstützen, herauszufinden, was Nachhaltigkeit für sie bedeutet und wie sie mit Komplexität und Unsicherheit umgehen können. Davor habe ich die Europäischen Kommission dabei unterstützt, politische Entscheidungen durch wissenschaftliche Fakten zu untermauern, insbesondere im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit, z.B. bei der Europäischen Nachhaltigkeitsstrategie und dem Vorsorgeprinzip.
    Meine wissenschaftlichen Interessen liegen im Bereich der Anwendung system-theoretischer Methoden sowie Methoden der Theorie komplexer Systeme auf Nachhaltigkeitsprobleme, insbesondere den sogenannten Pfaden zur Nachhaltigkeit (Effizienz, Konsistenz, Suffizienz).
    Im Kurs «Perspectives of Economics on Sustainability» (Kurs C des TQNE) geht es um die ökonomische Perspektive im weitesten Sinne, d. h. welche Anreizmechanismen am Werke sind, die das Handeln der Menschen im Bereich der Ernährungsthematik bestimmen. Dabei kommen auch systemische Methoden zum Einsatz, die der Komplexität, dem Kontext und der Skala der betrachteten Phänomene und Probleme gerecht werden.
  2. Was ist Ihrer Meinung nach besonders am TQNE?
    Die Herausforderungen und Aufgaben einer nachhaltigen Entwicklung sind selten einfach und mono-kausal. Meist hängt vieles mit vielem zusammen, es werden Kompetenzen und Fachwissen aus vielen Disziplinen benötigt, Probleme müssen real in ihrem Kontext und nicht idealisiert betrachtet werden und vieles mehr.
    Das TQNE erkennt diese Komplexität an und versucht ihr durch einen fachübergreifenden Ansatz gerecht zu werden. Dass man sich einem Thema - Ernährung - im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung aus verschiedenen fachlichen Perspektiven nähert sowie eine integrierte Perspektive hinzufügt ist bis heute im universitären Kontext aussergewöhnlich; zumeist geht man deutlich weniger fachübergreifend an solche Themen heran.
  3. Wie kann das TQNE Studierende auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten?
    Viele Herausforderungen in der realen Welt, inkl. der Berufswelt sind heute komplex und beinhalten bzw. erfordern fachübergreifende Kompetenzen. Studierende des TQNE lernen nicht nur fachübergreifende Methoden sowie deren Integration. Hinzu kommt auch noch, die Fähigkeit mit Vertreterinnern und Vertreternn aus anderen fachlichen Bereichen konstruktiv und fach-integrierend zu kommunizieren. Das sind Kompetenzen, die im professionellen Bereich meist nicht vorhanden sind und an Universitäten nur selten vermittelt werde. Das TQNE stellt ein Angebot dar, diese Kompetenzen zu erlernen oder zumindest sie zu stärken.
  4. Was können Sie Studierenden mit auf den Weg geben, die sich auch beruflich später mit nachhaltiger Entwicklung beschäftigen möchten?
    Nachhaltige Entwicklung wird oft als Problem gesehen - jedoch, sie ist die Lösung!
    Es gibt viele Möglichkeiten, eine nachhaltige Entwicklung zu stärken. Jedoch, eine Welt, die deutlich nachhaltiger ist als unsere heutige, wird völlig anders aussehen. Man darf also keine Angst vor Veränderung haben.
    Es ist sinnlos Zeit - inkl. Lebenszeit - zu verschwenden bei Firmen, Ämtern oder anderen Organisationen zu arbeiten, die nicht bereit sind zur Veränderung. Es ist somit hilfreich, genau hinzuschauen, für wen man arbeitet.

Interview mit Laura Anna Studer

Foto von Laura Anna Studer
Foto: Laura Anna Studer © Privat
  1. Kannst Du Dich kurz vorstellen? Was ist Dein Bezug zum TQNE?
    Ich studiere Geographie und Medienwissenschaften im sechsten Bachelorsemester an der Universität Basel. Seit zwei Semestern nehme ich an den Vorlesungen des TQNE teil.
  2. Was ist Deiner Meinung nach besonders am TQNE?
    Besonders schätze ich die Vielseitigkeit des Programms, sowohl in Bezug auf die Vorlesungen als auch die Studierenden. Aufgrund dieser Interdisziplinarität entstehen spannende Diskussionen, wodurch man andere oder neue Sichtweisen kennenlernt. Die "practical classes" fördern diesen Austausch zusätzlich und ermöglichen einen vertieften Einblick in eine bestimmte Thematik.
  3. Was waren die spannendsten Aspekte der TQNE-Vorlesungen?
    Der Fokus aller Vorlesungen liegt auf dem Thema "Food". Auch wenn sich die unterschiedlichen Vorlesungen nicht explizit aufeinander beziehen, wird das Hauptthema auf vielfältige Weise behandelt und man lernt ökologischen, wirtschaftlichen als auch soziale Sichtweisen näher kennen. Dadurch wird die Komplexität und Vielfalt des Themas aufgezeigt, was auch typisch für eine nachhaltige Entwicklung ist.
  4. Wie bereitet Dich das TQNE auf zukünftige Herausforderungen vor?
    Das TQNE zeigt auf, wie vielseitig, komplex und interdisziplinär nachhaltige Entwicklung ist. Man erhält Einblicke in verschiedene Themenbereiche, welche einem vielleicht bisher noch nicht vertraut waren und lernt diese kritisch zu hinterfragen. Besonders wertvoll ist der aktive Austausch mit den Dozierenden als auch Studierenden, welche in den Vorlesungen jeweils stark gefördert wird.

Interview mit Mark Montalbo

Image Mark Montalbo
Foto: Mark Montalbo © Privat
  1. Kannst Du Dich kurz vorstellen? Was ist Dein Bezug zum TQNE?
    Das Interesse für nachhaltigkeitsbezogene Themen und wertebasiertes Unternehmertum entdeckte ich im Bachelorstudium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Basel. So befasste ich mich beispielsweise im Rahmen der Bachelorarbeit mit der Transition von Strom zu erneuerbaren Energien. Doch auch neben dem Studium befasse ich mich oft und gerne mit dem Thema. Nicht selten finde ich mich in Diskussionen, was eine nachhaltige Lebensweise und nachhaltiger Konsum ausmacht und wie diese am besten umzusetzen sind, wieder. Nicht zuletzt aufgrund dessen hat mich das TQNE angesprochen.
  2. Was ist Deiner Meinung nach besonders am TQNE?
    Auf den Punkt gebracht: die Interdisziplinarität. Als Wirtschaftsstudent habe ich über die Jahre gelernt, Problemstellungen auf eine gewisse Art und Weise zu betrachten und anzugehen. Um die Probleme rund um Nachhaltigkeit zu verstehen und anzugehen, braucht es aber ein breiteres Verständnis von weiteren Disziplinen. Das TQNE ermöglichte es mir, die Welt nicht nur aus der Perspektive der Wirtschaftswissenschaften, sondern auch aus der der Biologie und Soziologie zu betrachten.
  3. Was waren die spannendsten Aspekte der TQNE-Vorlesungen?
    Besonders spannend fand ich es, wenn eine gewisse Dissonanz zwischen den Lösungsansätzen der verschiedenen Disziplinen vorherrschte. Was eine für Wirtschaftswissenschaftler*innen vermeintlich einfache Lösung zu sein scheint, kann unter Umständen für Sozialwissenschaftler*innen als suboptimal oder kontraproduktiv erachtet werden. Diese Situation finde ich spannend, da diese Herausforderung das vernetzte und ganzheitliche Denken fordert und fördert.
  4. Wie bereitet Dich das TQNE auf zukünftige Herausforderungen vor?
    Durch das TQNE konnte ich einen Einblick in die anderen Disziplinen erlangen. So half es mir, eine ganzheitlichere Sichtweise auf gewisse nachhaltigkeitsbezogene Problemstellungen zu entwickeln und die Perspektiven der Sozial- und Naturwissenschaften besser zu verstehen und in meine wirtschaftswissenschaftliche Perspektive zu integrieren.

Interview with Lea Masserey

Portrait Lea Masserey
Foto: Lea Masserey © Privat
  1. Can you introduce yourself briefly? What is your connection to the TQNE?

I am in my 4th semester of Master studies in Sustainable Development (MSD program) at the University of Basel. As a part of this degree, I can attend courses of the TQNE.

  1. What do you think is special about the TQNE?

In my opinion, the TQNE is a great opportunity for us students of all kind of disciplines and study years to approach diverse Sustainable Development issues from an interdisciplinary scientific perspective, whether out of simple interest for enriching our knowledge, or to complement our curriculum in a closely related field. The TQNE is organized by dedicated professors who are sharing their expertise with us and also listening to our opinions. Moreover, the TQNE allows flexibility; we can decide to attend the four courses to integrate all the dimensions of Sustainable Development, or rather one or a couple of them only to focus on a specific disciplinary perspective.

  1. What are the most exciting aspects of the TQNE lectures?

I particularly enjoyed the lecture “Perspectives of Natural Sciences on Sustainability”. It focuses on food-related sustainability challenges, such as agricultural soil or water use, fisheries, ecological concerns, energy in food systems, or even historical developments. All these topics were presented by different guest lecturers, from the academy but not only. It is valuable to compare the points of views of people working in research, but also in concrete local project such as Community Supported Agriculture initiatives, or in bigger private industries such as Syngenta. Even though classes did not explicitly related to each other, this main theme of food was approached in many ways, showing its complexity and variety, what is typical of Sustainable Development. Practical classes then encouraged us to think of and debate about the presentations.

  1. How does the TQNE prepare you for future challenges?

The TQNE is directly related to my studies and thus part in building the knowledge and skills about Sustainable Development that I would like to use in my future professions. It definitively helps to maintain an open mind towards other’s visions and opinions, while developing critical thinking. Its inter- and transdisciplinarity allows to look at the big picture and to make links between topics that may not seem inter-related at the first glance, yet without neglecting more technical mechanisms nor context-specific situations. But in the end, this program simply deals with an exciting topic, great to share with fellow committed students!

Interview mit Patricia Mangold

Portrait Patricia Mangold
Foto: Patricia Mangold © Privat
  1. Kannst Du Dich kurz vorstellen? Was ist Dein Bezug zum TQNE?

Ich bin Patricia und studiere Wirtschaftswissenschaften im zweiten Mastersemester an der Universität Basel. Durch das Bachelorstudium habe ich mein Interesse an den interregionalen und globalen Zusammenhängen, insbesondere in Bezug auf deren Auswirkungen auf die nachhaltige Entwicklung, entdeckt. 

Seit dem ersten Mastersemester belege ich deshalb die Kurse des „Transfakultären Querschnittsprogrammes Nachhaltige Entwicklung“.

  1. Was ist Deiner Meinung nach besonders am TQNE?

Das transfakultäre Angebot, welches soziologische, ökonomische sowie auch biologische Aspekte verbindet, ist in dieser Form einzigartig in der Schweiz.

  1. Was waren die spannendsten Aspekte der TQNE-Vorlesungen? 

Was mir besonders gefällt, ist die breite Fächerung der Themen, welche innerhalb des TQNE bearbeitet werden. In vielen Kursen werden diverse Gastvorträge von Fachexperten abgehalten und es wird zum kritischen Mitdiskutieren motiviert. Der Fokus auf die Ernährung in allen Vorlesungen hilft, Themen, welche uns alltäglich beschäftigen, differenziert zu hinterfragen. Zusätzlich generiert dies den relevanten Praxisbezug.

  1. Wie bereitet Dich das TQNE auf zukünftige Herausforderungen vor?

Das TQNE ermöglicht differenzierte Einblicke in verschiede Themenbereiche, die kritische Hinterfragung des Status Quo und praxisorientiertes Arbeiten. Dies sind wichtige Eigenschaften, die für zukünftige Herausforderungen von Vorteil sind.

Interview mit Dr. Rony Emmenegger

Portrait Rony Emmenegger
Foto: Rony Emmenegger © Privat
  1. Könnten Sie sich kurz vorstellen? Was ist Ihr Bezug zum TQNE?

Im Rahmen meiner Forschung interessiere ich mich für gesellschaftspolitische Aushandlungsprozesse, deren Verständnis gerade im Hinblick auf nachhaltige Entwicklung zentral ist. Das Einstiegszitat des Brundtland Berichts der World Commission for Environment and Development bringt dies eindrücklich auf den Punkt: «The Earth is one, the World is not» (WCEC 1987: 27). Während es aus naturwissenschaftlicher Perspektive meist darum geht, die «Erde» als Ganzes oder in ihren Teilsystemen zu beschreiben, stehen für mich als Sozialwissenschaftler vielmehr die vielfältigen «Lebenswelten» im Vordergrund. Und eben diese treffen in vielen Problemstellungen aufeinander und müssen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung verhandelt werden - faszinierend! Die sozialwissenschaftliche Perspektive bringt das Zusammentreffen divergierender Interessen, Werte und Erwartungen in den Fokus und ermöglicht dessen kontextspezifische Analyse. Im Rahmen meiner Master- und Doktorarbeit habe ich analysiert, wie dieses Zusammentreffen die Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft in Äthiopien strapaziert und welche Herausforderungen sich daraus ergeben. In meiner Habilitationsarbeit verfolge ich gegenwärtig die Suche nach einem geologischen Tiefenlager für radioaktive Abfälle in der Schweiz und auch hier zeigt sich: Eine «nachhaltige» Lösung ist nur möglich, wenn alle Beteiligten eingebunden werden und diskutiert werden kann.

  1. Was ist Ihrer Meinung nach besonders am TQNE?

Besonders am TQNE ist, dass Studierende lernen, sich vertieft und zugleich aus unterschiedlichen Perspektiven mit nachhaltigkeitsrelevanten Fragestellungen auseinanderzusetzen. In parallelen Kursen werden die Studierenden in Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Grundlagen eingeführt und diese am Thema «Food» beispielhaft diskutiert. Ich führe die Studierenden in meinem Kurs in sozialwissenschaftliche Zugänge und Theorien ein und zeige, wie diese uns helfen können, die Produktion, Verteilung und den Konsum von Nahrungsmitteln zu verstehen: Was sind die Bedingungen für Land- und Ressourcenzugang im globalen Süden? Was haben diese mit Konsum im globalen Norden zu tun? Wie beeinflusst das soziale Umfeld den Nahrungsmittelkonsum? Über welche Netzwerke werden Nahrungsmittel verteilt und welche Alternativen gibt es? Was verstehen wir unter einem nachhaltigen Ernährungssystem und welche gesellschaftspolitischen Herausforderungen ergeben sich im Hinblick auf dessen Realisierung? Der TQNE bietet eine wertvolle Plattform, solche und weitere Fragen im Dialog mit Studierenden zu diskutieren die aufgrund ihrer diversen disziplinären Prägungen diverse und relevante Perspektiven einbringen.

  1. Wie kann der TQNE Studierende auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten? 

Herausforderungen für die Zukunft gibt es viele! Der Nachhaltigkeitsgedanke ruft ins Bewusstsein, dass diese Herausforderungen stets als Teil komplexer gesellschaftlicher Entwicklungen verstanden werden müssen und diese wiederum in Umweltsystemen eingebettet sind. Um diese also in Angriff nehmen zu können, braucht es Leute die fähig sind, über den Tellerrand einer Wissenschaftsdisziplin hinauszudenken. Der TQNE lehrt den Studierenden, stets ökologische, wirtschaftliche als auch soziale Aspekte im Blick zu behalten und schafft ein Bewusstsein für deren komplexen Verstrickungen. Für viele Probleme gibt es zwar scheinbar einfache technische Lösungen, doch gerade hier gilt es kritisch zu sein und ganzheitlich zu denken. Das heisst auch, zu fragen, welche Situation warum und für wen eine Herausforderung darstellt und auf welche Art und Weise diese genau so und nicht anders in Angriff genommen wird.

  1. Was können Sie Studierenden mit auf den Weg geben, die sich auch beruflich später mit nachhaltiger Entwicklung beschäftigen möchten?

Mit nachhaltiger Entwicklung wird sich jeder und jede beschäftigen (müssen), ob nun im beruflichen oder gesellschaftlichen Alltag. Wir alle sind Teil einer «Erde» und divergierenden «Welten» und haben die Chance, individuell und kollektive Verantwortung zu übernehmen. Ich denke, es gibt sehr viele Möglichkeiten dies zu tun und so kann ich die Studierenden nur ermutigen ihre eigenen Wege zu gehen. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dabei stets die sozio-politischen und sozio-ökologischen Zusammenhänge im Blick zu behalten und den eingeschlagenen Weg entsprechend zu reflektieren. In diesem Sinne verstehe ich mein Engagement in der universitären Lehre auch nicht primär als Beitrag zur Ausbildung von Arbeitskräften, sondern vielmehr als Teil eines gesellschaftspolitischen Auftrags zur nachhaltigen Entwicklung.

Interview mit Prof. Dr. Patricia Holm

Portrait Patricia Holm
Foto: Patricia Holm, © Privat
  1. Könnten Sie sich kurz vorstellen? Was ist Ihr Bezug zum TQNE?

Ich bin Professorin für Ökologie an der Universität Basel seit 2003. Eine meiner ersten Aufgaben war es, das damalige, modular aufgebaute Nebenfach ‘Mensch-Gesellschaft-Umwelt’ (MGU), das für die Studierenden aller Studiengänge an der Uni Basel geöffnet war, in neue Gefässe zu überführen, namentlich in den Masterstudiengang ‘Sustainable Development’ und in das transfakultäre Querschnittsprogramm (TQ). Die interdisziplinäre und wissenschaftsbasierte Beschäftigung mit aktuellen Umweltthemen, wie sie heute in beiden Studiengängen Ziel ist, war mir von Anfang an ein grosses Anliegen. Das transfakultäre Querschnittsprogramm vermittelt im Rahmen von 4 Kursen  naturwissenschaftliche, geistes-und sozialwissenschaftliche und wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen, sowie die Verknüpfung der disziplinären Wissensinhalte in einem vierten,  projektartig angelegten interdisziplinären Kurs.

  1. Was  ist Ihrer Meinung nach besonders am TQNE?

Es ist für alle Studierende offen. Hier bietet sich die Möglichkeit über den Tellerrand der meist monodisziplinär ausgerichteten Studiengänge hinaus zuschauen, und Umweltfragen in ihrem Kontext zu begreifen, oder zumindest einen ersten Einblick davon zu bekommen, was die Komplexität der Fragen in unserer heutigen Welt ausmacht. Ein entscheidender Punkt dabei ist doch, dass Umweltprobleme an den Grenzen der Disziplinen nicht Halt machen, sondern viele Aspekte umfassen, so dass sowohl zur Analyse von Problemen, als auch zu deren Lösung Wissen verschiedener Disziplinen benötigt wird.

  1. Wie kann das TQNE Studierende auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten?

In Evaluationen lesen wir immer wieder, dass die Kurse im TQ ein wahrer Augenöffner sind, um zu verstehen, was die verschiedenen Disziplinen eigentlich machen, welche Forschungs- und Denkansätze es gibt, und was sie beitragen, um das grosse Ganze zu verstehen.

  1. Was können Sie Studierenden mit auf den Weg geben, die sich auch beruflich später mit nachhaltiger Entwicklung beschäftigen möchten?

Zwei Dinge möchte ich den Studierenden gerne mit geben: der Bedarf für neue Lösungen zur nachhaltigen Entwicklung ist immens, an allen Ecken und Ende unserer Gesellschaften gibt es zu tun -wir zählen auf Ihre Generation! Und dann: Offen bleiben, neugierig sein, und auf dem Weg des ‘Verstehen-wollens’ sich nicht scheuen, Fragen zu stellen. Und dazu empfehle ich Ihnen, in offener, ehrlicher, konstruktiver aber auch kritischer Atmosphäre zusammenzuarbeiten. Mehr Köpfe haben ein grösseres Potential Ideen zu entwickeln als ein Kopf alleine.

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