Wie plane ich mein Studium? – Tipps fürs Zeitmanagement
Gutes Zeitmanagement im Studium beginnt lange vor der Prüfungsphase. Studienberaterin Dr. Nathalie Bucher gibt Tipps, wie du Aufgaben sinnvoll planst, leichter ins Arbeiten kommst und neben dem Lernen genügend Freizeit findest.
«Die Notizen aus der letzten Vorlesung aufarbeiten, zwei Artikel für morgen lesen und noch Zeit mit Freunden verbringen und … oh nein, die Deadline für mein Projekt ist ja schon diese Woche! Was ist eigentlich dieses Zeitmanagement, von dem alle reden?»
So spannend das Studium auch sein mag, kennen viele Studierende genau dieses Gefühl, wenn sich alles auf einmal anhäuft, der Strom an Aufgaben sie fast mitreisst und die Zeit wie Sand durch die Finger rinnt. In solchen Momenten verdrängt das Studium alles andere. Um die anstehenden Aufgaben rechtzeitig zu erledigen, scheint es, als müssten wir uns ununterbrochen mit dem angesammelten Stoff beschäftigen. Aber was, wenn wir lernen würden, im Strom des Studierendenlebens zu schwimmen? Nur wie?
Deshalb stellen wir in diesem Artikel gemeinsam mit Dr. Nathalie Bucher, Psychologin und Leiterin der Studienberatung, einige Schwimmhilfen vor. Diese sollen dich bei der Planung deines Studiums unterstützen, ohne dass du dabei Freundschaften, persönliche Interessen und andere Lebensbereiche aus den Augen verlierst.
Zeitmanagement im Studium: Frühzeitig planen
An der Universität fallen viele Prüfungen und Abgabetermine am Ende des Semesters an. Zu Beginn der Vorlesungszeit kann deshalb leicht der Eindruck entstehen, dass noch unglaublich viel Zeit bleibt und alle Abgaben so weit in der Zukunft liegen, dass wir uns überhaupt keine Sorgen machen müssen.
Und das stimmt: Sorgen müssen wir uns tatsächlich nicht machen. Doch so lange zu warten, bis uns schliesslich keine andere Wahl bleibt, als die ganze Nacht für eine Prüfung zu lernen, ist auch keine besonders gute Idee. Laut Nathalie Bucher besteht gutes Zeitmanagement gerade darin, bereits zu Beginn des Semesters über folgende Fragen nachzudenken:
Wann sind alle meine Abgaben?
Wann sind meine Prüfungen?
Wenn ich merke, dass alle Abgaben und Prüfungen ungefähr auf denselben Zeitraum fallen, wann beginne ich womit?
Diese Fragen helfen uns dabei, unsere Verpflichtungen frühzeitig zu überblicken und umfangreiche Aufgaben in kleinere Schritte zu unterteilen. Steht beispielsweise am Semesterende eine Seminararbeit an, können wir bereits einige Wochen vorher damit beginnen, Literatur zu recherchieren, anschliessend eine erste Gliederung zu erstellen und schliesslich einzelne Kapitel zu schreiben. So müssen wir nicht alles auf einmal erledigen, sondern können regelmässig ein kleines Stück zum Endergebnis beitragen. Ausserdem können wir auf diese Weise unseren eigenen Fortschritt wahrnehmen: «Oh, ein kleines Stück habe ich ja schon geschafft, also werde ich bestimmt auch die nächsten Schritte bewältigen!»
Grosse Aufgaben angehen: Der erste Schritt zählt
Rechtzeitig beginnen, klar, das ist ein guter Tipp. Aber was, wenn eine Aufgabe so umfangreich erscheint, dass die Angst davor so gross wird, dass ich überhaupt nicht mehr weiss, wo ich anfangen soll? Laut Nathalie Bucher muss man «sich einfach mal trauen, irgendwo zu beginnen». Sie betont damit, dass beim Anfangen weniger das Wo als das Ob entscheidend ist.
Das bedeutet auch, eine noch nicht ganz ausgereifte Idee mit nicht perfekt gewählten Worten zu Papier zu bringen, eine Antwort zu formulieren, bei der wir uns noch nicht sicher sind, ob sie richtig ist, oder den ersten Strich einer Zeichnung zu ziehen, auch wenn wir ihn später vielleicht wieder ausradieren müssen. Wenn wir uns bewusst machen, dass der Anfang nicht perfekt sein muss, sondern nur ein erster Schritt ist, auf den weitere folgen werden, fällt es uns viel leichter, überhaupt anzufangen. Deshalb können wir, selbst wenn ein ganzer Berg von Aufgaben vor uns liegt, mit etwas Kleinem beginnen: die Struktur einer Arbeit skizzieren, einen ersten Gedanken formulieren oder unsere Mitstudierenden um Hilfe bitten.
Lernpausen und Erholung fest einplanen
Ein grosses Alarmzeichen ist der Moment, in dem wir merken, dass uns neben dem Studium kaum noch Zeit für etwas anderes bleibt: Freunde treffen, Zeit mit der Familie verbringen oder einfach Sport treiben. Um das zu vermeiden, betont Nathalie Bucher die Bedeutung von «wirklich bewusster Erholung».
Natürlich können wir uns als Studierende sagen: «Ach, ich kann doch die ganze Woche jeden Tag lernen, sogar am Samstag und Sonntag.» Doch ein solcher Ansatz wird uns kaum dabei helfen, unsere Motivation langfristig aufrechtzuerhalten. Stattdessen empfiehlt die Psychologin, sich mindestens einen Tag pro Woche freizuhalten und sich selbst zu sagen: «Jetzt mache ich nichts fürs Studium.»
Und wenn wir das sagen, sollten wir es auch wirklich so meinen: nicht nur auf das Lernen verzichten, sondern auch versuchen, unsere Gedanken zumindest für eine Weile vom Studium zu lösen. So können wir unsere Energie sowohl für ein produktives Studium als auch für andere Lebensbereiche bewahren.
Zeitmanagement an deine Bedürfnisse anpassen
Der Strom des Studierendenlebens kann also reissend, manchmal sogar ungestüm sein, und ein einziges Rezept, um ihn zu bändigen, gibt es nicht. Wir alle lernen gerne auf unterschiedliche Weise. Deshalb ist es wichtig, dass wir einen Weg finden, der zu unseren eigenen Bedürfnissen, Möglichkeiten und Interessen passt.
Und vielleicht verbirgt sich genau hier der wichtigste Gedanke: Erfolgreiche Studienplanung bedeutet nicht nur, Aufgaben rechtzeitig zu erledigen oder Prüfungen gut zu bestehen. Sie sollte auch Raum für das lassen, was Nathalie Bucher als «Freude am Studium» bezeichnet – die Freude am Lernen selbst. Denn schliesslich geht es nicht nur darum, sich über Wasser zu halten, sondern auch darum, das Schwimmen zu geniessen.
Studienberatung
Die Studienberatung unterstützt dich bei der Studienplanung oder bei Schwierigkeiten im Studium. Für Studierende der Universität Basel ist sie auch Ansprechpartnerin bei persönlichen Problemen. Die Beratungen sind vertraulich, unabhängig und kostenlos. Termine sind ganztags möglich und können direkt über die Webseite oder telefonisch angefragt werden.