Unser Wald wird ein anderer sein
22.10.2026
Der Klimawandel verändert die Wälder der Nordwestschweiz schneller als erwartet. Viele Bäume leiden unter der zunehmenden Trockenheit, ganze Waldbestände könnten sich langfristig grundlegend verändern, mit weitreichenden Folgen für die Biodiversität. Prof. Dr. Ansgar Kahmen von der Universität Basel erforscht diese Entwicklungen. Warum der Erhalt der Artenvielfalt für unsere Zukunft entscheidend ist, steht auch im Mittelpunkt einer Fundraising-Veranstaltung im Mai 2027.
Braune Blätter, kahle Kronen, geschwächte Bäume: Die Folgen von Hitze und Trockenheit sind in den Wäldern der Region Basel und des Juras unübersehbar. Für den Biologen Prof. Dr. Ansgar Kahmen vom Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel ist 2026 ein aussergewöhnliches Jahr. «Das Jahr 2026 ist tatsächlich eine Zäsur für unseren Wald», sagt er.
Besonders betroffen sind Buchen, die unsere Wälder prägen. Viele werfen ihr Laub Monate zu früh ab, ganze Kronenbereiche sterben. Kahmen geht davon aus, dass zahlreiche Bäume in den kommenden Jahren absterben werden. Selbst ihn überrascht die Geschwindigkeit der Veränderungen.
Ein einzigartiges Freiluftlabor
Wie Bäume auf Trockenheit reagieren, untersucht Kahmens Forschungsgruppe seit 2018 im Waldlabor in Hölstein im Baselbiet. Auf 1,6 Hektaren sind bis zu 180 Bäume mit Sensoren ausgestattet, die unter anderem Bodenfeuchtigkeit, Wasserversorgung und Wachstum erfassen.
Dabei ist ein für Europa einzigartiger Datensatz entstanden, der wertvolle Erkenntnisse über die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Wälder liefert. Um die umfangreichen Daten vollständig auszuwerten, fehlen jedoch finanzielle Mittel. Kahmens Forschungsgruppe sucht deshalb Unterstützung für Doktorats- und Postdoc-Stellen.
Wenn sich der Wald verändert
Verschwinden wird der Schweizer Wald nicht. Doch er wird sich grundlegend verändern. Die heute typischen Buchenwälder dürften an vielen Standorten langfristig nicht bestehen können. Wärme- und trockenheitsverträglichere Baumarten könnten an ihre Stelle treten. Ohne menschliches Eingreifen könnten unsere Wälder zudem deutlich lichter werden. Kahmen spricht sogar von einer Entwicklung «in Richtung Savanne».
Mit den Bäumen verändern sich auch die Lebensräume zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Denn Wälder sind komplexe Ökosysteme, in denen die verschiedenen Arten eng miteinander verbunden sind. Veränderungen in der Vegetation wirken sich deshalb auf die gesamte Biodiversität aus.
Die besondere Herausforderung: Während sich die Ökosysteme an neue Bedingungen anpassen, verändert sich das Klima bereits weiter. «Das Klima von heute ist nicht gleich dem Klima von morgen», betont Kahmen. Welche Wälder künftig bestehen können und wie sich die Artenvielfalt entwickelt, gehört damit zu den zentralen Fragen der Umweltforschung.
Biodiversität im Fokus
Wie können wir die Vielfalt von Arten und Lebensräumen in einer sich rasch verändernden Umwelt erhalten? Und welchen Beitrag kann die Forschung dazu leisten?
Diesen Fragen widmet sich am 25. Mai 2027 eine Veranstaltung des Ressorts Fundraising zum Thema Biodiversität. Wissenschaftler*innen der Universität Basel geben Einblick in ihre Forschung und zeigen, weshalb biologische Vielfalt für funktionierende Ökosysteme – und damit auch für uns Menschen – von zentraler Bedeutung ist.