Wie eine Spende 152 Jahre wirken konnte
22.10.2026
Vor mehr als 150 Jahren legten Wilhelm und Sophie Vischer-Heussler mit 100'000 Franken den Grundstein für eine Stiftung zugunsten der Wissenschaft an der Universität Basel. Damit wollten sie auch das Andenken an Sophies Vater, Daniel Heussler-Thurneysen, bewahren. Er war der letzte männliche Nachkomme der Familie Heussler, die mit seinem Tod im Mannesstamm erlosch. Über viele Generationen hinweg unterstützte die Stiftung die Altertumswissenschaften und die Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft. In diesem Jahr ging das aussergewöhnlich lange Engagement zu Ende, zukünftig übernimmt die Nestor-Stiftung die Förderung des Fachgebiets.
1874 übertrugen Professor Wilhelm Vischer-Heussler und seine Frau Sophie der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft 100'000 Franken. Die Zinsen dieses Vermögens sollten gemäss Stiftungsurkunde zur Besoldung einer Lehrperson verwendet werden – die damaligen Zinserträge reichten dafür aus. Noch im selben Jahr wurde mit Mitteln der Stiftung Franz Misteli zum ausserordentlichen Professor für Vergleichende Sprachwissenschaft gewählt. 1877 folgte seine Ernennung zum ordentlichen Professor. Damit begann eine lange Tradition der Historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft an der Universität Basel.
Über die Jahrzehnte kamen die Mittel der Stiftung unterschiedlichen Bereichen der Altertumswissenschaften zugute. Da die vorgesehene Dozentenstelle zeitweise nicht besetzt war, konnten sich die Mittel der Stiftung in diesen Phasen weiter vermehren. Bemerkenswert ist vor allem, wie lange das ursprünglich eingebrachte Vermögen Wirkung entfalten konnte. Aus 100'000 Franken Stiftungsvermögen entstand eine Förderung, die die Wissenschaft in Basel über mehr als 150 Jahre unterstützte.
Ein kleines Fach mit grossem Zeithorizont
2020 stand die Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft erneut vor einer Zäsur: Nach der Emeritierung von Prof. Rudolf Wachter hatte die Fakultät unter dem damaligen Spardruck entschieden, die Dozentenstelle nicht wieder zu besetzen. Auf Initiative von Dr. Mattheus Vischer, Präsident der Vischer-Heussler-Stiftung, und dank der grosszügigen Unterstützung der Isaac Dreyfus-Bernheim Stiftung und der Sulger-Stiftung konnte die Dozentur jedoch weitergeführt werden. Seit August 2021 vertritt PD Dr. Michiel de Vaan das Fach.
Die Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft untersucht, wie sich Sprachen über Jahrhunderte und Jahrtausende verändern und wie sie miteinander verwandt sind. Daraus lassen sich auch Erkenntnisse über Migration, kulturelle Kontakte und gesellschaftliche Entwicklungen in der Vergangenheit gewinnen. Indem das Fach sprachliche Entwicklungen über lange Zeiträume nachzeichnet, macht es einen wichtigen Teil unseres kulturellen Erbes sichtbar. Es zeigt zugleich, wie Sprachen durch Begegnung, Austausch und gesellschaftlichen Wandel geprägt werden und sich bis heute weiterentwickeln.
Ein Schwerpunkt von de Vaans Forschung liegt auf der Geschichte des Albanischen. Im vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekt «The Albanian Language in Antiquity» untersucht sein Team, wie der Vorläufer des heutigen Albanischen in der Antike ausgesehen haben könnte und wo er gesprochen wurde.
Die Förderung wird weitergeführt
Die Vischer-Heussler-Stiftung zeigt eindrücklich, wie langfristig ein Stiftungsvermögen wirken kann: Die 100'000 Franken aus dem Jahr 1874 ermöglichten während 152 Jahren Forschung und Lehre. 2026 endet dieses aussergewöhnlich lange Engagement. Dank einer sehr grosszügigen Förderung der Nestor-Stiftung kann die Universitätsdozentur für Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft in den kommenden Jahren weitergeführt werden. Damit setzt sich die aussergewöhnlich lange Tradition der Förderung dieses Fachgebiets fort.