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campus stories
02. Oktober 2026 / Studium & Campus , Céline Emch

Mehr als nur ein Zusatzzertifikat: Neue Perspektiven mit angewandter Ethik

Eine Hand hält einen Kompass vor einem unscharfen Hintergrund mit einer weissen, pfeilförmigen Markierung.
Welche Richtung soll ich einschlagen? Das Querschnittsprogramm «Angewandte Ethik» eröffnet neue Perspektiven über das eigene Studienfach hinaus. (Symbolbild: Adobe Stock)

Im transfakultären Querschnittsprogramm «Angewandte Ethik» erweitern Studierende der Universität Basel ihr Studium um ein Zusatzzertifikat und entdecken dabei, wie präsent ethische Fragen im Alltag tatsächlich sind.

Ob in der Medizin, der Forschung, der Politik oder den Medien: Ethische Fragen begegnen uns überall. Dennoch verbinden viele Ethik vor allem mit theoretischen Debatten und philosophischen Gedankenspielen. Dass Ethik aber auch ganz praktisch sein kann, hat Katharina Froelich während ihres Studiums an der Universität Basel entdeckt.

Eigentlich kam Katharina nur für ein Austauschsemester nach Basel. Dort belegte sie erstmals Kurse im Bereich Ethik und entdeckte ein Themenfeld, das viele Anknüpfungspunkte zu ihrer psychologischen Ausbildung bot. Da es an ihrer Heimatuniversität Freiburg kein vergleichbares Angebot gab, entschied sie sich, für das Masterstudium in Klinischer Psychologie in Basel zu bleiben und zusätzlich das Zertifikat im Querschnittsprogramm «Angewandte Ethik» zu absolvieren.

Was steckt hinter dem Querschnittsprogramm?

Besonders überrascht hat Katharina, wie methodisch das Feld der Ethik arbeitet. «Viele denken, dass die Ethik einfach die ‹richtigen› Antworten auf herausfordernde Fragen kennt», sagt sie. Tatsächlich gehe es aber eher darum, ethische Konflikte systematisch zu analysieren und unterschiedliche Handlungsoptionen abzuwägen - eine eindeutige Antwort gäbe es nicht immer. Genau hier setzt auch das Querschnittsprogramm an.

Das Programm steht Studierenden aller Fakultäten offen und verbindet Perspektiven aus Medizin, Psychologie, Philosophie, Recht und Wirtschaft. Für das Zertifikat erwerben die Teilnehmenden insgesamt zehn Kreditpunkte in Basis- und Aufbaumodulen und verfassen eine Abschlussarbeit zu einem selbst gewählten Thema. Die Kurse können flexibel über das Bachelor- und Masterstudium hinweg belegt und im Wahlbereich angerechnet werden. «Das war für mich ein grosser Vorteil», erzählt Katharina. «Man kann das Programm gut ins Studium integrieren, ohne zusätzliche Semester anhängen zu müssen.»

Koordiniert wird das Programm vom Institut für Bio- und Medizinethik unter der Leitung von Prof. Dr. Bernice Elger. Neben «Angewandter Ethik» bietet die Universität Basel auch ähnliche Querschnittsprogramme in «Gender Studies» und «Nachhaltige Entwicklung» an.

Wenn Ethik zum Beruf wird

Wie praxisnah das Programm sein kann, zeigte sich für Katharina bereits in ihrer Abschlussarbeit. Darin beschäftigte sie sich mit Nachbesprechungen von Zwangsmassnahmen in der Psychiatrie - ein Thema, das ihr später den Einstieg in die Klinische Ethik ermöglichte.

Porträt von Katharina Froelich
Katharina Froelich (Bild: zVG)

«Ich dachte zuerst, das Zertifikat sei einfach eine spannende Ergänzung zu meinem Studium. Mir war gar nicht bewusst, dass es in diesem Bereich überhaupt eigene Berufsfelder gibt», erzählt sie. Heute arbeitet sie als klinische Ethikerin in der Abteilung für Klinische Ethik und als Assistenzpsychologin an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK).

Die Abteilung Klinische Ethik unterstützt Fachpersonen am Universitätsspital Basel, an der Universitären Altersmedizin Felix Platter, am Universitäts-Kinderspital beider Basel und an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel bei schwierigen Entscheidungen – etwa zu Patientenverfügungen, Organtransplantationen, Reanimationsentscheiden, assistiertem Suizid oder psychiatrischen Zwangsmassnahmen.

«Oft werden wir bei konkreten Fällen beigezogen und diskutieren gemeinsam mögliche Handlungsoptionen», erklärt Katharina. Darüber hinaus organisiert die Abteilung Fort- und Weiterbildungen. Denn viele ethische Fragen müssen im Klinikalltag unter Zeitdruck beantwortet werden. «Beispielsweise bei einer Reanimation bleibt oft nur kurz Zeit für Entscheidungen. Deshalb ist es wichtig, dass Fachpersonen bereits im Voraus lernen, wie sie mit solchen Situationen umgehen können», so Katharina.

Über den Tellerrand hinausdenken

Neben den fachlichen Inhalten schätzte Katharina vor allem den interdisziplinären Charakter des Programms. In den Veranstaltungen treffen Studierende unterschiedlichster Fachrichtungen aufeinander und diskutieren dieselben Fragestellungen aus ganz verschiedenen Perspektiven. 

Gerade dieser Austausch habe ihr gezeigt, wie vielfältig ethische Fragen sind und wie stark sie unterschiedlichste Lebens- und Berufsbereiche prägen. «Je mehr man sich mit Ethik beschäftigt, desto mehr merkt man, wie präsent sie eigentlich überall ist», sagt sie.

Deshalb würde sie das Querschnittsprogramm Studierenden aller Fakultäten empfehlen. Das Zertifikat sei zwar auch eine wertvolle Zusatzqualifikation auf dem Arbeitsmarkt, der eigentliche Gewinn liege jedoch darin, neue Perspektiven kennenzulernen und den eigenen Blickwinkel zu erweitern.

Und manchmal eröffnet ein solches Zusatzprogramm eben nicht nur neue Denkweisen, sondern gleich einen neuen Berufsweg.

Interessiert?

  • Informationen zum Querschnittsprogramm

    Das transfakultäre Querschnittsprogramm «Angewandte Ethik» steht Bachelor- und Master-Studierenden aller Fakultäten offen. Es kann vor allem im freien Kreditpunktebereich belegt werden. Ein Einführungs- und ein Aufbaumodul mit jeweils 5 Kreditpunkten vermitteln interdisziplinäre Grundlagen der angewandten Ethik.
  • Aktuelle Lehrveranstaltungen

    Die Lehrveranstaltungen beschäftigen sich mit konkreten Fragestellungen und Projekten aus unterschiedlichen Fach- und Berufsfeldern, etwa dem Gesundheitswesen, der nachhaltigen Entwicklung oder der Zeitgeschichte. Das Angebot umfasst wechselnde Vorlesungen, Übungen und Seminare sowie weitere Veranstaltungen.

Weiterführende Informationen

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