x
Loading
+ -
Ausgabe 02/2026: Süsses Gift?

Was Zucker mit unseren Zähnen macht.

Text: Angelika Jacobs

Wie schädlich ist Zucker für die Zähne? Sind Honig und Dattelsirup bessere Alternativen? Und sollte man nach dem Essen mit dem Zähneputzen warten? Fünf Antworten aus der Basler Zahnmedizin.

Zahnpasta durch eine kaleidoskopartige Linse
Durch die Zucker-Linse: Was Zähne wirklich schützt. (Foto: Adobe Stock, bearbeitet mit ChatGPT-5.6 Sol)

Welche Arten von Zucker sind besonders schädlich für die Zähne?

Mundbakterien können unter anderem Saccharose (Haushaltszucker), Glukose (Traubenzucker) und Fruktose (Fruchtzucker) fermentieren und dabei Säuren bilden. Diese lösen Mineralstoffe aus dem Zahnschmelz und so kann Karies entstehen. Saccharose gilt dabei als besonders kariogen, da sie von bestimmten Bakterien zu Strukturen verarbeitet wird, die den Aufbau und die Haftung des Biofilms auf der Zahnoberfläche fördern. Zuckeralkohole wie Xylit oder Erythrit und Süssstoffe wie Aspartam sind hingegen viel schlechtere Nahrung für die Bakterien und gelten deshalb als zahnfreundlicher.

Sind Honig und Dattelsirup besser für die Zähne?

Auch sie enthalten fermentierbaren Zucker und sind für die Zähne deshalb nicht automatisch weniger schädlich, nur weil sie «natürlich» sind. Honig enthält zwar weitere Inhaltsstoffe, denen unter anderem antimikrobielle Eigenschaften zugeschrieben werden. Nach heutigem Wissensstand lässt sich daraus jedoch nicht ableiten, dass Honig eine zahnfreundliche Alternative zu Haushaltszucker ist. Gleiches gilt für Fruchtsäfte oder Smoothies. Bei ganzen Früchten ist die Situation günstiger, weil die Zucker noch in die natürliche Zellstruktur der Frucht eingebettet sind und das Kauen zusätzlich den Speichelfluss anregt.

Was ist wichtiger für gesunde Zähne: Zucker, Zahnpflege oder Gene?

Klar ist: Je mehr freien Zucker man zu sich nimmt, desto höher das Kariesrisiko. Neben der Gesamtmenge spielt auch die Häufigkeit eine Rolle. Wer immer wieder nascht oder an einem zuckerhaltigen Getränk nippt, hält das Milieu im Mund über längere Zeit sauer. Regelmässig mit Fluorid-Zahnpasta zu putzen, senkt zwar das Kariesrisiko. Die Folgen eines hohen Zuckerkonsums kann das aber nicht vollständig ausgleichen. Auch genetische Faktoren können die individuelle Anfälligkeit für Karies mitbeeinflussen, etwa über Eigenschaften des Zahnschmelzes oder des Speichels. Trotzdem sollte man sich nicht darauf verlassen, nur weil die Grossmutter selten Karies hatte. Zucker zu reduzieren und die Zähne zu pflegen, sind der bessere Schutz.

Sollte man nach dem Essen 30 Minuten mit dem Zähneputzen warten?

Diese Empfehlung bezieht sich weniger auf Zucker als auf saure Speisen und Getränke: Man ging davon aus, dass das Bürsten der Zähne nach einer Säureeinwirkung den Zahnschmelz noch mehr angreift. Neuere Auswertungen zeigen aber keinen klaren Vorteil darin, grundsätzlich 30 Minuten zu warten. Nach stark sauren Lebensmitteln oder Getränken kann man den Mund zuerst mit Wasser ausspülen, um den pH-Wert schneller zu normalisieren. Grundsätzlich gilt: Lieber gleich mit Fluorid-Zahnpasta putzen als eine halbe Stunde zu warten und es am Ende zu vergessen.

Darf man abends nach dem Zähneputzen noch zuckerfreie Lebensmittel essen?

Das Label «zuckerfrei» bedeutet nicht automatisch, dass ein Lebensmittel zahnfreundlich ist. Manche zuckerfreien Produkte enthalten Säuren, die den Zahnschmelz angreifen können. Lebensmittel wie Käse sind weniger problematisch. Sie können helfen, Säuren zu neutralisieren, und durch Kalzium und Phosphat sogar zum Schutz der Zähne beitragen. Trotzdem sollte man nach dem Zähneputzen möglichst nichts mehr essen und höchstens Wasser trinken. Entscheidend ist, dass das Fluorid aus der Zahnpasta möglichst lange ungestört auf den Zähnen verbleibt und den Zahnschmelz remineralisieren hilft.

Auskunft gegeben haben Monika Astasov-Frauenhoffer und Viktoriya Shyp, Co-Leiterinnen der Forschungsgruppe «Orale Mikrobiologie» am Universitären Zentrum für Zahnmedizin Basel.


Weitere Artikel in dieser Ausgabe von UNI NOVA (November 2026).

nach oben