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Ausgabe 02/2026: Süsses Gift?

Warum ich für mein Thema brenne: Lieferketten verstehen.

Text: Lucia Casalegno, Nachhaltigkeitsforscherin

Wie wirken sich europäische Nachhaltigkeitsvorschriften auf die Lieferketten von Kaffee, Kakao und Palmöl aus? Lucia Casalegno erklärt, was sie an diesem Forschungsthema reizt.

Lucia Casalegno mit Schutzhelm und einem Ölpalmen-Fruchtstand
Lucia Casalegno mit dem Fruchtstand einer Ölpalme. (Foto: Charline Depoorter)

Was bringt jemanden dazu, sich mit einem ganz bestimmten Thema zu beschäftigen, wenn die Welt voller Forschungsfragen ist? Neben Zufällen, Glück und Timing sind es wohl oft einige prägende Erfahrungen, die uns auf unsere wissenschaftliche «Reise» führen.

Für mich begann es damit, dass ich auf Kirschbäume kletterte und meiner Grossmutter dabei zusah, wie sie ihre Kräuter und Tomaten goss. Als ich später ehrenamtlich bei einer Organisation arbeitete, die überschüssige Lebensmittel aus Supermärkten umverteilt, begann ich unsere Ernährungssysteme zu hinterfragen. Zusammen mit einer Leidenschaft für Sprachen führte mich das schliesslich nach Südamerika, wo ich mich darüber ärgerte, keine lokale Schokolade in ecuadorianischen Supermärkten zu finden, sondern nur Produkte grosser internationaler Marken.

Heute untersuche ich an der Universität Basel im Rahmen meiner Doktorarbeit Nachhaltigkeitsvorschriften für Kaffee, Palmöl und Kakao in Kolumbien. In unserem SNF-Projekt «Expect-Agri» erforschen wir, wie diese drei Sektoren in Kolumbien und Côte d’Ivoire mit neuen europäischen Nachhaltigkeitsvorschriften gegen Entwaldung und für unternehmerische Sorgfaltspflichten umgehen.

Feldforschung entlang der Lieferketten

Während der Monate, die ich jedes Jahr in Kolumbien verbringe, führe ich meist Interviews mit Stakeholdern dieser Wertschöpfungsketten und organisiere Fokusgruppen mit Produzentinnen und Produzenten. Wir untersuchen, wie die neuen Vorgaben wahrgenommen und ausgelegt werden, wie sie mit nationalen Gesetzen und ländlichen Normen interagieren und ob sich vor Ort bereits Veränderungen beobachten lassen.

An manchen Tagen sitze ich dafür in einem Lager, während Säcke mit Rohkaffee angeliefert werden, und frage danach, wie sich der Kaffee bis zu seinem Ursprung zurückverfolgen lässt. Manchmal führe ich ein Interview in einem Hochhaus in Bogotá. An anderen Tagen sitze ich in Basel an meinem Schreibtisch und werte Gesprächsprotokolle aus.

Zwischen Kolumbien und Basel

Dabei begeistert es mich am meisten, mich zwischen diesen Welten zu bewegen und meine Erkenntnisse aus der Feldforschung in Debatten über internationale Nachhaltigkeitsvorschriften einzubringen. Es gibt noch viel zu erforschen, doch meine innere Neugier auf Ernährungssysteme (und auf Kirschbäume!) ist es, die mich weiterhin antreibt.

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