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Ausgabe 02/2026: Süsses Gift?

Salome Thommen: Die Alchemistin der Reste.

Text: Evelyn Weissheim

Nachhaltigkeit soll nicht belehren, sondern im Alltag funktionieren. Salome Thommen, Absolventin des Masters Sustainable Development der Universität Basel, setzt diesen Ansatz als Co-Leiterin des Offcut Materialmarkts in Basel praktisch um.

Salome Thommen auf einer Leiter inmitten von Stoffen und anderen Materialien
Salome Thommen im Raum voller Möglichkeiten, dem Offcut Materialmarkt Basel. (Foto: Christian Flierl)

Das Wichtigste in Kürze

  • Salome Thommen absolvierte den transfakultären Master Sustainable Development an der Universität Basel.
  • Seit 2017 arbeitet sie beim Offcut Materialmarkt in Basel, heute als Co-Leiterin.
  • Nachhaltigkeit bedeutet für sie vor allem, Menschen zu inspirieren und nachhaltiges Handeln alltagstauglich zu machen.
     

Garn- und Stoffrollen, eine Vielzahl an Flechtkörben, buntem Papier und unendlich viele Möglichkeiten. Im «Offcut» auf dem Dreispitz-Areal stapelt sich Material, das anderswo wahrscheinlich entsorgt worden wäre. Hier hat es die Chance auf ein zweites Leben. Seit 2017 arbeitet Salome Thommen für den Basler Materialmarkt, seit 2023 als Co-Leiterin. Die Umweltwissenschaftlerin hat sich zwischen Nachhaltigkeit, Handwerk und Gemeinschaft eine Rolle geschaffen, die so vielfältig ist wie sie selbst.

Salome Thommen lebte die Vielfalt schon im Bachelorstudium: Mit den Fächern Biologie und Gesellschaftswissenschaften vereinte sie den naturwissenschaftlichen mit dem sozialen Bereich. Für das darauf folgende Masterstudium hätte sie sich für eine der Disziplinen entscheiden müssen. Doch «ich konnte und wollte keinen einseitigen Fokus legen, weil ich beide Bereiche so spannend fand», erzählt sie. Deshalb schrieb sie sich für den transfakultären Master Sustainable Development ein, und «das passte wie die Faust aufs Auge». Der Studiengang entsprach der Perspektivenvielfalt, die sie suchte: Er vermittelte keine einzelne Disziplin, sondern verband Impulse von verschiedenen Fakultäten und Dozierenden. Selbst die Wirtschaftswissenschaften, die für sie als Studienfach nie in der engeren Auswahl standen, faszinierten sie. Am meisten im Gedächtnis blieb ihr aber der Austausch mit ihren Mitstudierenden, die aus völlig unterschiedlichen Fachrichtungen kamen.

Vom Studium zum Offcut Materialmarkt

Für ihre Masterarbeit richtete Thommen den Blick auf ein Beispiel für nachhaltiges Wirtschaften, nämlich das Gemüsekorb-Abonnement, das viele Baslerinnen und Basler beim Birsmattehof abgeschlossen haben.

Heute, in ihrem Job beim kreativen Materialmarkt Offcut, kann sie ihre Liebe zum Praktischen voll ausleben: «Meine Wunschliste für eigene Herzensprojekte wächst viel schneller, als ich hinterherkomme!», erklärt Salome Thommen grinsend. Seit sie 2017 beim Materialmarkt anfing, habe sie sich, wie sie sagt, «fast jedes Jahr neu erfunden»: erst als Projektassistentin, die Offcut auch in weiteren Schweizer Städten aufbaute, dann im Verkauf, der Vermittlung und der Administration. Heute teilt sie sich die Leitung mit Simone Steinegger und Evelyne Monney, jede dort, wo die eigenen Stärken liegen.

So ist Thommen beispielsweise zuständig für die Administration und die Finanzen. Zusätzlich hilft sie regelmässig im Verkauf und im Lager. Dort trifft sie die Menschen, die diesen Ort so besonders machen: Stammkundschaft, die an diversen Projekten feilt, ältere Ehepaare, die aussortiertes Nähzeug abgeben, Kinder mit leuchtenden Augen vor diesem Schatz an Bastelmaterialien, Modedesign-Studierende auf der Suche nach dem einen besonderen Stück, und dazu ein grosses Team an Freiwilligen, die im Laden mit anpacken.

Inspirieren statt vorschreiben.

Salome Thommens Verständnis von Nachhaltigkeit ist in dieser Umgebung weiter gewachsen. Aufbauend auf den theoretischen Grundlagen aus dem Studium, hin zu etwas, das auch im Alltag besteht. Menschen von nachhaltigem Verhalten zu überzeugen, hat für sie nichts mit einem erhobenen Zeigefinger zu tun. «Es geht vielmehr um Inspiration und Vorbilder, um Respekt vor den Mitmenschen, der Umwelt und den Systemen, in denen wir alle leben.»

Konkrete Zukunftspläne schmiedet Salome Thommen bewusst nicht. Sie nimmt lieber die Gelegenheiten wahr, die sich ihr bieten. So wie sich ihr Weg auch bisher organisch entwickelt hat. Am Ende des Gesprächs die Frage, wie sie sich selbst in einem Wort beschreiben würde. «Vielfältig», sagt Thommen. Und nach einer Weile: «Und offen für alles, was noch kommt.»

Salome Thommen hat den transfakultären Masterstudiengang Sustainable Development an der Universität Basel absolviert. Seit 2017 wirkt sie im Offcut Materialmarkt auf dem Dreispitz-Areal.

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