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Universität Basel

08. Juli 2016

Neuentdeckte europäische Schlange steht vor dem Aussterben

Vipera walser (Bild: Sylvain Ursenbacher, Universität Basel)
Gefährdete Art: Vipera walser (Bild: Sylvain Ursenbacher, Universität Basel)

Wissenschaftler haben in den westlichen italienischen Alpen eine bisher unbekannte Vipern-Art entdeckt. Die Schlange, an deren Entdeckung Biologen der Universität Basel beteiligt waren, ist jedoch vom Aussterben bedroht. Die Zeitschrift «Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research» hat die Studie veröffentlicht.

Die Spezies mit dem Namen Vipera walser lebt in einem Gebiet von weniger als 500 Quadratkilometern und kommt nur an zwei verschiedenen Gebieten in den Hochtälern nördlich des Ortes Biella im Piemont vor. Das Verbreitungsgebiet der Schlange ist sehr klein, und die Anforderungen an ihren Lebensraum sind sehr spezifisch. Die Art bewohnt bevorzugt offene, von Felsen durchzogene Flächen und scheint Waldgebiete zu meiden. Deshalb profitierte die Vipera walser wohl von der Ausdehnung von Weiden und Heidelandschaften, wie sie in den Alpen bis ins 19. Jahrhundert stattgefunden hat.

Der Rückgang der Viehhaltung auf Naturweiden in den letzten hundert Jahren und die damit verbundene Zunahme von Waldflächen im Alpenraum gefährdet heute jedoch den Lebensraum der Viper. Diese Entwicklung bedeute für die neuentdeckte Art eine unmittelbare Bedrohung, so die Forscher, wobei auch Trophäenjäger und Sammler ein Problem darstellten. Die Wissenschaftler empfehlen deshalb, die Vipera walser als gefährdete Art einzustufen.

Geografisch isolierte Population

Dass die neue Art in der piemontesischen Bergregion entdeckt wurde, ist kein Zufall. Zum einen leben dort Kreuzottern (Vipera berus), die geografisch von den Populationen im übrigen Europa isoliert sind. Zum anderen hatten Forscher vor rund zehn Jahren beobachtet, dass in den Westalpen der Lebensraum der Schlangen mit dem einer eierlegenden Eidechseart (Zootoca carniolica) übereinstimmt, und nicht mit dem der lebendgebärenden Waldeidechse (Zootoca vivipara), welche in weiten Teilen Europas die wichtigsten Beutetiere darstellen. Das liess die Forscher vermuten, dass in den westlichen Alpen kleine und räumlich isolierte Kreuzotter-Gemeinschaften vorkommen könnten, die sich von anderen Populationen unterscheiden.

Aufgrund morphologischer und genetischer Untersuchungen konnten die Forscher feststellen, dass es sich bei der Vipera walser um eine Art handelt, die sich sowohl von der Kreuzotter als auch von anderen Vipern in Westeuropa genetisch deutlich unterscheidet. Im Aussehen ist sie der Kreuzotter jedoch sehr ähnlich, lässt sich aber in vielen Fällen anhand der Anzahl Schuppen am Kopfschild und um die Augen erkennen.

Detaillierte Untersuchungen zu den genauen Anforderungen an den Lebensraum sollen nun zeigen, wie historische und gegenwärtige Veränderungen der Landnutzung die Art tangieren haben, und wie diese so gestaltet werden könnte, dass die neuentdeckte Spezies geschützt werden kann.

An der Studie waren Wissenschaftler des Museo delle Scienze MUSE (Trento, Italien), des Museo di Scienze Naturali del Collegio Mellerio Rosmini (Domodossola, Italien), der Manchester Metropolitan University (Manchester, UK) und der Universität Basel beteiligt.

Originalbeitrag

Samuele Ghielmi, Michele Menegon, Stuart J. Marsden, Lorenzo Laddaga and Sylvain Ursenbacher
A new vertebrate for Europe: the discovery of a range-restricted relict viper in the western Italian Alps
Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research (2016), doi: 10.1111/jzs.12138


Weitere Auskünfte

Dr. Sylvain Ursenbacher, Universität Basel, Departement Umweltwissenschaften, Tel. +41 61 267 08 58, mobil: +41 79 386 99 29, E-Mail: s.ursenbacher@unibas.ch

Bildmaterial

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