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Universität Basel

15. Dezember 2017

Retired but not tired: Marcel Tanner beendet seine erfolgreiche Professorenkarriere

Prof. Dr. Marcel Tanner, Tansania, afrikanische Kinder
Unermüdlich: 8x rund um den Globus in einem Jahr. Marcel Tanner bereist als Gesundheitsexperte viele Länder der Welt. Stets unterhält er enge Kontakte zur lokalen Bevölkerung. Hier mit Kindern in der Nähe von Dar el Salaam, im Hintergrund die TAZARA-Bahnlinie, die Tansania und Sambia verbindet.

Heute hält Prof. Dr. Marcel Tanner, ehemaliger Direktor des Swiss TPH und wohl einer der einflussreichsten Basler Wissenschaftler, seine letzte Vorlesung an der Universität Basel. Die Abschiedsvorlesung «No Roots, No Fruits» markiert das Ende einer aussergewöhnlichen akademischen Karriere, die wir mit ein paar Bildern aus dem Archiv Revue passieren lassen.

Als Professor für Parasitologie und Epidemiologie hat Marcel Tanner Generationen von Studierenden ausgebildet und geprägt. 225 Doktoranden der Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät hat er betreut und über 650 Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht. Heute, nach 30 Jahren in Lehre und Forschung an der Universität Basel, hält er in der Aula des Kollegienhauses seine Abschiedsvorlesung.

Marcel Tanners akademische Karriere begann dort, wo sie heute auch endet: an der Universität Basel. Er studierte medizinische Zoologie am Schweizerischen Tropeninstitut (heute Swiss TPH) und erwarb 1980 seinen Doktortitel an der Universität Basel. Seine Dissertation schrieb er zu Trypanosomen, einzellige Parasiten, die die Afrikanische Schlafkrankheit übertragen.

Marcel Tanner, Dorf in Tansania, 1980er
Marcel Tanner im Gespräch mit Dorfältesten. Als Forscher suchte er stets die Nähe zu den Leuten vor Ort, Tansania, 1980er Jahre.

Das Labor alleine reicht nicht

Ein Schlüsselerlebnis hatte Tanner als Doktorand in Kamerun, wo er 1979 Feldforschung zur Wurmkrankheit Onchozerkose betrieb. Zusammen mit einem Operationsteam fuhr Tanner in die Dörfer und operierte die Würmer heraus, die sich in Knoten unter der Haut der Betroffenen einnisten, um später im Labor Antigene herzustellen. Tanner erkannte damals, dass die Menschen noch ganz andere Probleme hatten: Sie litten an Malaria, Husten und Durchfall, hatten weder Strom noch sauberes Trinkwasser.

Dem Epidemiologen wurde klar, dass es einen ganzheitlichen Ansatz braucht, um Krankheiten in Entwicklungsländern zu bekämpfen. «Man kann eine Krankheit nicht nur im Labor erforschen, es braucht einen Blick aufs Gesundheitssystem, Forschung vor Ort und den Kontakt zu den Menschen».  Die Kombination von Lehre, Forschung und Umsetzung zusammen mit den Menschen vor Ort bildete fortan seine Philosophie, die er mit dem Swiss TPH und der Universität äusserst erfolgreich umsetzte.

Marcel Tanner, Kikwawila, Tansania, 1981
Vom Labor ins Feld: Tanner fischt nach der Schnecke Bulinus globosus, die als Zwischenwirt die Bilharziose überträgt. Die Wurmkrankheit befällt oft Kinder, die auf ihrem Schulweg eine Abkühlung in stehenden Gewässern suchen, Kikwawila, Tansania 1981.

Eine steile Karriere

1981 wurde Tanner zum Leiter des Feldlabors des Tropeninstituts in Ifakara (Tansania) ernannt. Seine Überzeugung fest im Blick, setzte er sich dafür ein, dass Ifakara keine Aussenstation des Tropeninstituts blieb, sondern eine lokale Institution, die stark in das tansanische Gesundheitssystem integriert ist. Heute ist das einstige Feldlabor zum Ifakara Health Institute herangewachsen – eine feste Grösse in Afrikas Gesundheitsforschung.

Salim Abdulla, Marcel Tanner, Ifakara Health Institut, Bagamoyo, 2015
Marcel Tanner zusammen mit Salim Abdulla. Der ehemalige Doktorand Marcel Tanners wurde später zum langjährigen Leiter des Ifakara Health Institut, Bagamoyo, 2015

Nach vier Jahren in Tansania übergab Tanner die Leitung des Feldlabors und machte sich auf nach England, um an der University of London einen Master in Public Health zu absolvieren. Hier vertiefte er seine systemische Sichtweise von öffentlicher Gesundheit und die Überzeugung, dass es zur Bekämpfung von Krankheiten eine interdisziplinäre Arbeitsweise braucht.

Mit diesem Wissen baute er anschliessend das Departement Gesundheitswesen und Epidemiologie des Schweizerischen Tropeninstituts in Basel auf. 1997 übernahm er schliesslich die Gesamtleitung des Swiss TPH.

Übergabe Leitung des Swiss TPH, 1997, Basel<br/>
Der Beginn der Ära Tanner: Antoine Degrémont übergibt die Leitung des Swiss TPH an Marcel Tanner. In den kommenden 18 Jahren unter Tanner sollte sich das Swiss TPH zu einer der weltweit wichtigsten Institutionen in Sachen Public Health entwickeln, Basel, 1997.

Bereits 1993 war der Epidemiologe zum Extraordinarius an der Universität Basel geworden. 1997  berief ihn die Philosophisch-Naturwissenschaftliche Fakultät dann auf den Lehrstuhl für Parasitologie und Epidemiologie, gleichzeitig erhielt er auch eine Professur an der Medizinischen Fakultät. Von 2002 bis 2004 stand er zudem der Philosophisch-Naturwissenschaftliche Fakultät als Dekan vor.

Vielfach ausgezeichnet

Marcel Tanner, Kofi Annan, Ehrendoktor<br/>
Grosse Ehre: Marcel Tanner trifft 2008 am Dies academicus der Universität Neuchâtel auf den ehemaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Tanner erhielt einen Ehrendoktortitel für seine herausragenden Beiträge zur Förderung der öffentlichen Gesundheit und Eindämmung von Krankheiten in Entwicklungsländern.

In Laufe seiner Karriere hat Tanner zahlreiche Preise und Auszeichnungen für seine Arbeit erhalten. 2008 wurde ihm zusammen mit dem ehemaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan die Ehrendoktorwürde der Universität Neuchâtel verliehen. Im Rahmen sogenannter Public-private-Partnerships, um die Entwicklung von neuen Impfstoffen gegen Malaria zu beschleunigen, arbeitete er auch mit Bill Gates zusammen.

Marcel Tanner, Bill Gates, Bagamoyo
Gemeinsam gegen Malaria: Tanner im Gespräch mit Bill Gates in Bagamoyo, nördlich von Dar es Salaam. Hier baut das Ifakara Health Institute neue klinische Versuchszentren zusammen mit der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung auf.

Die Arbeit geht weiter

Nach 18 äusserst erfolgreichen Jahren als Direktor des Swiss TPH übergab er die Leitung 2015 an seinen Nachfolger Prof. Jürg Utzinger. Rund zwei Jahre später beendet er nun auch seine Lehrtätigkeit an der Universität Basel. Ruhiger wird es wohl dennoch nicht für ihn werden. Tanner bleibt engagiert. In Zukunft wird er zahlreiche nationale und internationale Mandate weiterführen. Darunter das Präsidium der Akademien der Naturwissenschaften, das Präsidium der R. Geigy-Stiftung oder sein Mandat für die Weltgesundheitsorganisation. Wer Tanner sagen hört: «Ich bin zwar retired, aber noch lange nicht tired», der glaubt ihm aufs Wort.

Marcel Tanner
Kein Ruhestand in Sicht: Tanner wird die Arbeit auch nach Beendigung seiner Professorenkarriere nicht ausgehen.

   

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