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Universität Basel

05. Oktober 2016

Neuer Malaria-Wirkstoff zeigt vielversprechende Wirkung gegen resistente Malariaparasiten

Der neue Malaria-Wirkstoff ACT-451840 wirkt nicht nur rasch und effizient gegen die gefährlichsten Malariaerreger, er ist auch gegen Erreger wirksam, die bereits gegen die heutige Standardtherapie resistent sind. Das zeigen neue Studien des mit der Universität Basel assoziierten Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH). Die Zeitschrift PLOS Medicine hat diese soeben veröffentlicht.

Die Behandlung der Malaria ist eine globale Herausforderung. Seit Kurzem treten vor allem in Südostasien Resistenzen gegen die Artemisinin-basierte Kombinationstherapie auf: Die Standardtherapie gegen Malaria droht damit ihre Wirkung zu verlieren. Der Bedarf an neuen Malariawirkstoffen ist deshalb gross.

Der neue Wirkstoff ACT-451840 verspricht Abhilfe. Er zeigte im Labor eine hocheffiziente Wirkung gegen die beiden Malaria-Parasitenarten Plasmodium falciparum und Plasmodium vivax. Sie sind die Verursacher der beiden für den Menschen gefährlichsten Malariaerkrankungen.

«Der grosse Vorteil des neuen Wirkstoffs liegt in seiner neuartigen Wirkungsweise», sagt Sergio Wittlin, Projektleiter am Swiss TPH. ACT-451840 gehört einer anderen chemischen Substanzklasse an als der Standardwirkstoff Artemisinin. Die chemische Wirkung der beiden Substanzen ist vollkommen unterschiedlich. Auch Artemisinin-resistente Parasiten sind daher wehrlos gegen den neuen Wirkstoff. «Mit diesen Eigenschaften könnte ACT-451840 Artemisinin in den Kombinationstherapien künftig ersetzen», sagt Sergio Wittlin. Erste klinische Tests am Menschen bewiesen auch eine gute Verträglichkeit und schnelle Wirksamkeit von ACT-451840.

Übertragungsstopp von der Mücke zum Menschen

Der neue Wirkstoff zeigt noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Im Gegensatz zu herkömmlichen Malariamedikamenten wirkt ACT-451840 auch gegen die sexuellen Entwicklungsstadien des Parasiten (Gametozyten). Nur diese werden bei einem Mückenstich vom Menschen wieder zurück auf eine Mücke übertragen. ACT-451840 könnte daher auch die Rückübertragung des Malariaerregers auf die Mücke stoppen und damit die Verbreitung der Krankheit eindämmen.

Resistenzen breiten sich rasant aus

Die Resistenz-Entwicklung breitete sich in den letzten Jahren rasant aus, weshalb zahlreiche herkömmliche Medikamente ihre Wirkung zu verlieren drohen. «Eine Weiterentwicklung von ACT-451840 ist dringend nötig, denn die Ausbreitung von Resistenzen gegen herkömmliche Medikamente ist ein rasant wachsendes Problem», sagt Sergio Wittlin. Seit 20 Jahren wurde keine neue chemische Klasse von Antimalariamedikamenten mehr registriert. ACT-451840 könnte eine zentrale Rolle in der Entwicklung neuer Wirkstoffe spielen.

Die Entwicklung und Charakterisierung von ACT-451840 ist das Resultat einer erfolgreichen Forschungspartnerschaft zwischen öffentlich-akademischen und privaten Partnern. Die chemische Entwicklung des Wirkstoffs und erste klinische Tests verantworteten Actelion Pharmaceuticals Ltd. Swiss TPH und weitere akademische Partner haben den Wirkstoff im Labor auf seine Wirkung auf die Malariaparasiten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien getestet.

Originalartikel

Le Bihan A, de Kanter R, Angulo-Barturen I, Binkert C, Boss C, Brun R, et al.
Characterization of Novel Antimalarial Compound ACT-451840: Preclinical Assessment of Activity and Dose–Efficacy Modeling.
PLoS Med 13(10) | doi:10.1371/journal.pmed.1002138


Weitere Auskünfte

  • Sergio Wittlin, Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH), Malaria Drug Discovery Group, E-Mail: sergio.wittlin@unibas.ch
  • Lukas Meier, Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH), Kommunikation, Tel. +41 61 284 86 88, E-Mail: lukas.meier@unibas.ch
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