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Universität Basel

Was ist Geschlecht, Herr Salzburger?

Text: Walter Salzburger

Heute ist gesellschaftlich akzeptiert, dass es mehr Facetten gibt als männlich oder weiblich. Wie definiert sich, welchem Geschlecht ein Individuum angehört? Antworten aus der Evolutionsbiologie.

Walter Salzburger
Prof. Dr. Walter Salzburger

In der Biologie wird das Geschlecht eines Individuums über dessen Funktion bei der sexuellen Fortpflanzung definiert – insbesondere über die in der Keimbahn gebildeten Keimzellen (Gameten): Weibchen produzieren vergleichsweise wenige, dafür grosse, nährstoffreiche Keimzellen (Eizellen), während Männchen viele kleine, meist sehr mobile Keimzellen (Spermien) hervorbringen. Die geschlechtliche Fortpflanzung funktioniert dann über das Verschmelzen der Ei- und Spermienzelle.

In den allermeisten Tieren, so auch beim Menschen, werden die Gameten in speziellen Keimdrüsen, den Gonaden, gebildet – den Ovarien bei den Weibchen und den Hoden bei den Männchen. Zudem zeigen viele Arten Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern, die weit über das Vorhandensein von entweder Ovarien oder Hoden hinausgehen, etwa im Körperbau, in Farbmustern oder im Verhalten.

In anderen Arten lassen sich die Geschlechter weniger klar voneinander unterscheiden und oftmals ist eine Abgrenzung gar nicht möglich. So sind ein Grossteil aller Schneckenarten, viele Würmer und die meisten Pflanzen «zwittrig», das heisst, ein einzelnes Individuum produziert beide Typen von Gameten. Passiert deren Bildung «simultan», ist ein Individuum gleichzeitig Weibchen und Männchen und es kann sogar zur Selbstbefruchtung kommen. Bei anderen Arten kommt es zum Geschlechterwechsel. Clownfische zum Beispiel fangen ihr Leben allesamt als Männchen an, zum Weibchen wird später nur, wer lange genug lebt und eine dominante Position in einer Seeanemone besetzt.

Walter Salzburger ist Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Basel. Er erforscht die Evolution von Tieren, ihre Anpassung an die Umgebung und die Entstehung ihrer Vielfalt. Sein besonderes Interesse gilt dabei den Buntbarschen, die er im Tanganjika-See in Afrika erforscht.

Weitere Artikel in der aktuellen Ausgabe von UNI NOVA.

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