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Universität Basel

20. September 2016

Fische wehren sich gegen Monsterwurm

Bobbit Kiefer
Jagender Bobbit in der Nacht: Mit seinen mächtigen Kiefern versucht der Bobbit vorbeiziehende Beute zu schnappen © Departement Biomedizin, Universität Basel

Der Riesenborstenwurm namens Bobbit vergräbt seinen langen Körper tief im Sand – nur die mächtigen Kiefer bleiben an der Oberfläche. In Sekundenbruchteilen packt er damit sein ahnungsloses Opfer und zieht es zu sich herunter. Basler Biologen haben den gruseligen Jäger und seine Beute genauer studiert und beobachteten ein faszinierendes Verhalten: die Beutefische wehren sich gegen den Monsterwurm, indem sie ihn mit Wasser attackieren und zum Rückzug zwingen. «Scientific Reports» hat die Studie veröffentlicht.

Der Bobbitwurm (Eunice aphroditois) schlägt aus dem Hinterhalt zu, seine Jagdtechnik beruht auf exzellenter Tarnung und dem Überraschungsmoment. Der Ringelwurm vergräbt sich bis auf den Kopf im Sand und lauert auf seine Beute. Mit wurmförmigen Tentakeln lockt er seine Beute an. Kommt ein Fisch zu nahe, krallt sich der Bobbit mit seinen starken Kieferzangen blitzschnell sein Opfer und zieht es in seine Wohnröhre. Der Ringelwurm lebt im Sandboden des Indopazifiks und kann bis zu drei Meter lang werden.

Fische mobben übermächtigen Feind

Die Biologen Jose Lachat und Daniel Haag-Wackernagel vom Departement Biomedizin der Universität Basel haben in der Lembeh Strait, einer Meeresstrasse im Indopazifik, erstmals beobachtet, wie Fische der Art Scolopsis affinis den Kampf mit dem Monsterwurm aufnehmen. Entdeckt ein Scolopsis einen Bobbitwurm oder wird er gar Zeuge, wie ein Artgenosse erbeutet wird, zeigt er ein Verhalten, das die Biologie als Mobbing bezeichnet:  an sich wehrlose Beutetiere greifen ihre Räuber an.

Im Fall von Scolopsis schwimmt der Fisch zum Eingang der Wohnröhre des Wurms, stellt sich fast senkrecht nach unten auf und bläst scharfe Wasserstösse in Richtung des Bobbits. Andere Artgenossen, die dieses Verhalten beobachten, kommen dazu und decken den Lauerjäger mit einer ganzen Batterie an Wasserstössen ein, bis dieser zum Rückzug in seine Wohnhöhle gezwungen ist. Nachdem der Jäger einmal erkannt und lokalisiert ist, hat er keine Chance mehr Beute zu machen.

Schlauer als man denkt

Die Forscher erklären sich dieses Verhalten mit den Überlebensvorteilen, die mit dem Aufdecken des standorttreuen Bobbits für die Fische verbunden sind. Nicht nur die mobbenden kennen nun den Aufenthaltsort des Feindes und können diesen in Zukunft meiden, sie machen den Standort des Wurms auch für alle anderen sichtbar. Die Forscher entdecken ausserdem noch eine weitere, verwandte Fischart (Scolopsis bilineatus), die das Mobbing-Verhalten in gleicher Weise zeigt.

«Fische werden bezüglich ihrer mentalen Fähigkeiten meist völlig unterschätzt, die Erforschung ihres Verhaltens in ihrem natürlichen Lebensraum führt immer wieder zu grossen Überraschungen», so Daniel Haag-Wackernagel von der Universität Basel.

Originalbeitrag

Jose Lachat and Daniel Haag-Wackernagel
Novel mobbing strategies of a fish population against a sessile annelid predator
Scientific Reports (2016), doi:10.1038/srep33187


Weitere Auskünfte

Daniel Haag-Wackernagel, Universität Basel, Departement Biomedizin, Tel. +41 207 39 46, E-Mail: daniel.haag@unibas.ch

Bildmaterial

Druckfähige Bilder zu dieser Medienmitteilung finden sich in der Mediendatenbank.

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