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Universität Basel

20. Dezember 2017

Die Abschaffung von Tollwut in Afrika ist möglich

Prof. Dr. Jakob Zinsstag bei einer Impfkampagne in Tschad, 2013. (Bild: Swiss TPH, Christian Heuss)
Prof. Dr. Jakob Zinsstag bei einer Impfkampagne in Tschad, 2013. (Bild: Swiss TPH, Christian Heuss)

Das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut hat zusammen mit europäischen und afrikanischen Partnern eine Massenimpfung von Hunden im Tschad durchgeführt und ihre Wirkung auf die Gefährdung von Menschen ermittelt. Die Forscher kommen zum Schluss, dass eine wirksame Tollwutbekämpfung mit dem politischen Willen und den notwendigen finanziellen Mitteln in Afrika machbar ist. Dies berichten sie in der Fachzeitschrift «Science Translational Medicine».

Tollwut ist eine Viruserkrankung, die jedes Jahr Zehntausenden von Menschen das Leben kostet, vor allem in Afrika und Asien. Die Krankheit wird durch Bisse von infizierten Hunden und Füchsen übertragen. In West- und Mitteleuropa wurde die Tollwut vor etwa 20 Jahren ausgerottet. Die Schweiz gilt seit 1999 als tollwutfrei, die Hauptstrategie richtete sich gegen Füchse.

«Wenn man verhindern will, dass Menschen in Afrika und Asien an Tollwut sterben, muss man die Tollwut bei Hunden beseitigen», sagt Prof. Dr. Jakob Zinsstag, Professor für Epidemiologie an der Universität Basel und Forschungsgruppenleiter am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut Swiss TPH. Das Swiss TPH hat in einer Machbarkeitsstudie zusammen mit Partnern in Europa und Afrika nachgewiesen, dass die Tollwut in Afrika eliminiert werden kann.

«Wir konnten zeigen, dass afrikanische Teams in einem der ärmsten Länder der Welt menschliche Tollwut durch Massenimpfung von Hunden eliminieren können. Was als Nächstes dazu benötigt wird, sind zusätzliche finanzielle Mittel und ein konzertierter politischer Wille», so der Experte für Veterinärgesundheit.

Die Untersuchung wurde in der tschadischen Hauptstadt N'Djamena durchgeführt, in der 1,1 Millionen Menschen und rund 30'000 Hunde leben. 2012 und 2013 wurden jährlich 20'000 Hunde gegen Tollwut geimpft, über 65 Prozent der geschätzten Hundepopulation vor Ort. «Ein hervorragender Deckungsgrad», so Zinsstag: «Wir mobilisierten die Chiefs in der Nachbarschaft und diese wiederum mobilisierten die Leute und ihre Hunde.»

Afrikanisch-europäische Zusammenarbeit

Für die Studie arbeitete das Swiss TPH mit einer öffentlich-privaten Partnerschaft im Tschad zusammen, dem Centre de Support en Santé Internationale (CSSI) und dem nationalen Institut de recherche en élevage pour le développement (IRED). Beteiligt war ausserdem das Laboratoire Central Vétérinaire (LCV) in Bamako, Mali.

Für die genetischen Analysen der gesammelten Tollwutviren wurde das Swiss TPH von der ETH Zürich in Basel und dem Institut Pasteur in Paris unterstützt. Vom Swiss TPH war ein interdisziplinäres Team mit Kompetenzen in molekularer Diagnostik, mathematischer Modellierung und veterinärmedizinischer Epidemiologie im Einsatz.

«Die mathematische Modellierung zeigt, dass die Fortpflanzungszahl, also die Anzahl der Sekundärinfektionen bei einem mit Tollwut infizierten Hund, unter eins fällt und folglich die Übertragung unterbrochen wird. Die molekulare Analyse zeigt, dass die zirkulierenden Stämme verschwinden», erklären Zinsstag und Nakul Chitnis, Mitautor der Studie.

Weitere Erkenntnisse dank der Phylodynamik

Die Studie ist eines der ersten Forschungsprojekte, das eine rigorose phylodynamische Methode bei der Tollwut anwendet und somit die normative Phylogenetik (die sich mit der genetischen Verwandtschaft von Virusstämmen beschäftigt) erweitert, indem sie sich zusätzlich mit der Dynamik der Übertragung über Zeit befasst. Dies ermöglichte es, die Reproduktionszahl der Tollwut bei Hunden nach der ersten Massenimpfung im Jahr 2012 zu berechnen.

«Die Tollwut bei Hunden wurde wahrscheinlich durch den Import von Hunden durch Menschen von ausserhalb N'Djamenas wieder eingeführt, nachdem sie beseitigt worden war», erklärt Zinsstag. Die phylogenetische Analyse unterstützt diesen Befund, da die Nukleoproteinsequenz der neuen Viren eine andere genetische Struktur aufwies.

«Die molekulare Methode hat die Ergebnisse des mathematischen Modells durch einen unabhängigen Ansatz ermittelt», so Zinsstag. «Die Bekämpfung der Tollwut ist deshalb kein technisches Problem, sondern eine Frage des politischen Willens und ausreichender finanzieller Ressourcen.»

Abschaffung der Tollwut in Zentral- und Westafrika

Als nächsten Schritt planen das mit der Universität Basel assoziierte Swiss TPH und seine Partner, die Massenimpfung von Hunden gegen Tollwut im Tschad auszuweiten. «Wir haben errechnet, dass die Tollwut im ganzen Land mit 28 Millionen Euro beseitigt werden könnte. Eine wichtige Herausforderung ist jedoch die Migration: Sobald der Tschad frei von Tollwut ist, könnte die Krankheit aus Nachbarländern wie Kamerun und Sudan wieder eingeschleppt werden.»

«Wir brauchen daher einen konzertierten Ansatz in Zentral- und Westafrika, der von der Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten ECOWAS und der Afrikanischen Union angeführt wird. Dies würde einen zusätzlichen Vorteil bringen – die Förderung des Friedens durch Kooperation.» Zinsstag schätzt, dass sich die Kosten für eine erfolgreiche Bekämpfung der Tollwut in Zentral- und Westafrika über einen Zeitraum von 20 Jahren auf etwa 1 Milliarde Euro belaufen würden.

Originalbeitrag

Jakob Zinsstag, Monique Lechenne, Mirjam Laager, Rolande Mindekem, Service Naïssengar, Assandi Oussigéré, Kebkiba Bidjeh, Germain Rives, Julie Teissier, Seraphin Madjaninan, Mahamat Ouagal, Daugla D. Moto, Idriss O. Alfaroukh, Yvonne Muthiani, Abdallah Traoré, Jan Hattendorf, Anthony Lepelletier, Lauriane Kergoat, Hervé Bourhy, Laurent Dacheux, Tanja Stadler, Nakul Chitnis
Vaccination of dogs in an African city interrupts rabies transmission and reduces human exposure
Science Translational Medicine (2017), doi: 10.1126/scitranslmed.aaf6984


Weitere Auskünfte

Anna Wegelin, Swiss TPH, Leiterin Kommunikation, Tel. +41 284 86 83, mobil: +41 76 588 30 06, E-Mail: anna.wegelin@swisstph.ch

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