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Universität Basel

18. Juni 2018

«The Road to Brexit»: Ein studentisches Podcast-Projekt

Die weissen Klippen von Dover – gesehen vom Deck der Fähre nach Frankreich. (Bild: Makiko Itoh/Flickr | CC BY-NC-SA 2.0)
Die weissen Klippen von Dover – gesehen vom Deck der Fähre nach Frankreich. (Bild: Makiko Itoh/Flickr | CC BY-NC-SA 2.0)

Studierende am Fachbereich Englisch haben ihre Forschungsergebnisse in Form eines Podcasts aufbereitet. In elf Beiträgen untersuchten sie kulturelle Ursachen für den Brexit und Reaktionen auf den Entschluss der Briten, die Europäische Union zu verlassen. Der englischsprachige Podcast ist ab sofort online zugänglich.

«Unser ganzes Team und viele Studierende waren erst einmal geschockt», erinnert sich die Anglistik-Professorin Ina Habermann, wenn sie an den 23. Juni 2016 zurückdenkt. Damals stimmte die Mehrheit der Briten für den sogenannten «Brexit», also dafür, die Europäische Union zu verlassen.

Während die Leave-Fraktion triumphierte, waren unzählige Leute in Grossbritannien und dem Rest der Welt von dieser Entscheidung äusserst überrascht. Wie sollte es jetzt weitergehen? Was würde die Zukunft bringen? Und vor allem: Wie konnte es überhaupt zu dem Abstimmungsergebnis kommen?

«Die Frage nach den Gründen und Ursachen für diese Entscheidung», erklärt Ina Habermann, «war für mich die interessanteste Frage, die ich vergangenen Herbst ins Zentrum meines Forschungsseminars rückte.» Gemeinsam mit Studierenden spürte sie den kulturellen Voraussetzungen und Motiven nach, die zum Brexit geführt hatten: Von Winston Churchills «Us vs. Them»-Rhetorik über nostalgische Fernsehserien bis zur Rolle der Boulevard-Medien.

Kulturwissenschaftlicher Blick auf den Brexit

Dabei stellte sich schnell heraus, dass dieses Anti-EU-Votum keineswegs aus dem Nichts kam. Der «Euroscepticism» war über lange Zeit hinweg im fruchtbaren Boden der historischen Verflechtungen zwischen Grossbritannien und dem europäischen Kontinent herangewachsen.

Um die Ergebnisse des Seminars der Öffentlichkeit vorzustellen und zugleich den Studierenden zu ermöglichen, sich in einem anderen Medium zu versuchen, entschloss sich Ina Habermann, mithilfe der Doktorandin und Radiomacherin Ania Mauruschat einen Podcast zu produzieren.

Zwölf Studierende verfassten zu ihren jeweiligen Forschungsthemen kurze Texte. «Für mich war die stärkste Erfahrung dieses spannenden Projekts, wie wenig Raum man in so einem Beitrag im Vergleich zu einer Seminararbeit hat, um einen Gedanken zu entwickeln, und wie präzise man deswegen sein muss», sagt die Studentin Nataša Pavković. In ihrem Beitrag beschäftigte sie sich anhand des 2016 erschienen Romans «To Be Continued» des schottischen Schriftstellers James Robertson mit dem schwierigen Verhältnis von Schottland und England und den unterschiedlichen Ansichten zur EU.

Von Winston Churchill zu Nigel Farage

Insgesamt elf Beiträge umfasst der Brexit-Podcast. Dabei geht es um den «Mythos von Dunkirk», also die Rettung britischer Soldaten im Zweiten Weltkrieg durch ihre Landsleute, genauso wie um den ersten Post-Brexit-Roman der Schriftstellerin Ali Smith. Weitere Beiträge widmen sich unter anderem John Bull, dem englischen Jedermann, der sich von einer satirischen Figur aus dem frühen 18. Jahrhundert zu einem Symbol für den nationalen Eigensinn entwickelt hat und von Nigel Farage, dem Anführer der Brexit-Befürworter, aus populistischen Gründen entsprechend imitiert wurde.

Der Podcast «The Road to Brexit», diese erkenntnisreiche Mischung aus kulturwissenschaftlicher Forschung und Radiojournalismus, kann ab sofort von allen Interessierten angehört werden. Er entstand im Rahmen des Forschungsseminars «The Road to Brexit» von Ina Habermann, Professorin für englische Literatur seit der Renaissance und Leiterin des Fachbereichs Englisch der Universität Basel. Die Lehrveranstaltung baute auf ihrem Forschungsprojekt «British Discourses of Europe» auf, das vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert wurde. Der Podcast wurde mit der Unterstützung von Ania Mauruschat realisiert und am New Media Center der Universität Basel produziert.


Weitere Auskünfte

Prof. Dr. Ina Habermann, Universität Basel, Fachbereich Englische Sprach- und Literaturwissenschaft, Tel. +41 61 207 27 87, E-Mail: ina.habermann@unibas.ch

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