Wenn Motivation zum Schlüssel wird
Warum fällt Veränderung selbst dann schwer, wenn sie sinnvoll, notwendig oder längst erkannt ist? Diese Frage beschäftigt Fachpersonen in Therapie, Beratung, Coaching und psychosozialer Arbeit täglich. Antworten darauf liefert Motivational Interviewing (MI) – auf Deutsch Motivierende Gesprächsführung.
Der Ansatz, entwickelt von den Psychologen William R. Miller und Stephen Rollnick, versteht Veränderung als einen Prozess, der von Ambivalenz geprägt ist. Anstatt Widerstand zu konfrontieren oder Veränderung «durchzusetzen», setzt Motivational Interviewing auf eine wertschätzende, empathische und zugleich strukturierte Gesprächsführung. Ziel ist es, die intrinsische Motivation von Menschen zu stärken und sie dabei zu unterstützen, eigene Gründe für Veränderung zu entdecken.
«Im Zentrum von Veränderung steht die Sprache», sagt Otto Schmid, Studiengangleiter des «CAS Motivational Interviewing». «Sie ist nicht nur Technik, sondern Ausdruck zentraler Wirkfaktoren. Wer aufmerksam zuhört, hört aus den Worten des Gegenübers Argumente für und gegen Veränderung heraus. Dieses hörbare Abwägen nennen wir Change Talk – im Gegensatz zum Sustain Talk, dem Nachdenken über das Beibehalten des Status quo. Entscheidend ist, den Change Talk aufzugreifen und zu vertiefen, um Motivation zu fördern. Denn nichts wirkt stärker als das, was Menschen selbst über ihre Veränderung sagen.»
Ursprünglich in der Suchtbehandlung konzipiert, wird Motivational Interviewing heute erfolgreich in zahlreichen Anwendungsfeldern eingesetzt – unter anderem bei psychischen Störungen, chronischen Erkrankungen, gesundheitsbezogenem Verhalten oder in mehrdimensionalen Beratungskontexten. Besonders wirksam ist es dort, wo Veränderungsbereitschaft gering, schwankend oder widersprüchlich ist. Wissenschaftliche Studien belegen die Effektivität der Motivierenden Gesprächsführung über unterschiedliche Populationen, Settings und Berufsgruppen hinweg.
Lernen mit Wirkung – fachlich und persönlich
Der «Certificate of Advanced Studies (CAS) Motivational Interviewing» an der Universität Basel greift diesen Ansatz auf und überträgt ihn konsequent in die berufliche Praxis. Über die Dauer eines Jahres erwerben die Teilnehmenden fundierte theoretische Kenntnisse und entwickeln zentrale kommunikative Kompetenzen zur professionellen Gestaltung von Veränderungsprozessen.
Ein zentrales Merkmal der Weiterbildung ist die enge Verbindung von Theorie, Anwendung und Selbsterfahrung. Neben der Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Grundlagen stehen praktische Übungen, Supervision sowie Kommunikationstrainings mit professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern im Fokus. Auf diese Weise können herausfordernde Gesprächssituationen realitätsnah erprobt und anschliessend reflektiert werden.
Im Kommunikationstraining führen die Teilnehmenden beispielsweise ein Beratungsgespräch mit Schauspielerinnen und Schauspielern – etwa in der Figur Thomas Frey, einem 46-jährigen Patienten nach einem Herzinfarkt, dem dringend empfohlen wird, mit dem Rauchen aufzuhören. Studiengangleiter Otto Schmid beschreibt dieses Setting so: «Das Gespräch wird aufgezeichnet und anschliessend anhand der angewendeten Methoden differenziert ausgewertet. Ein halbes Jahr später begegnen die Teilnehmenden demselben Patienten erneut. Sie setzen das Gespräch fort und erleben unmittelbar, wie sich Beziehung, Motivation und Veränderungsprozesse über die Zeit entwickeln.»
Ihn beeindrucke immer wieder, wie stark diese Erfahrungen wirken, so Schmid weiter. «Wenn Teilnehmende sehen, was durch konsequentes Zuhören möglich wird, verändert das ihr Verständnis von professioneller Gesprächsführung nachhaltig.»
Stimmen aus der Praxis
Auch Absolventinnen und Absolventen bestätigen diesen Effekt:
«Ich dachte, ich könne schon gut zuhören, aber dieser CAS hat mir gezeigt, wie viel Wirkung in sprachlichen Nuancen steckt», berichtet ein Absolvent aus dem Bereich Psychologie. «Das hat meine therapeutische Arbeit nachhaltig verändert.»
Eine Absolventin aus der Ernährungsberatung ergänzt:
«Diese Weiterbildung hat sich vielfach ausbezahlt. Besonders die Übungssettings mit anschliessender Reflexion in Kleingruppen haben jedes Mal einen deutlichen Lernsprung ermöglicht. Fast schade, dass ich den CAS nicht noch vor mir habe.»
An wen richtet sich der CAS?
Der CAS richtet sich an Fachpersonen aus Psychologie, Medizin, Pflege, Sozialer Arbeit, Sozialpädagogik, Physiotherapie, Ernährungsberatung, Rehabilitation und Seelsorge, die Veränderungsprozesse professionell begleiten und aktiv gestalten möchten.
Weitere Informationen zum Studienangebot: psychologie.unibas.ch
Auf einen Blick
Abschluss
Certificate of Advanced Studies (CAS)
Motivational Interviewing
ECTS-Kreditpunkte
15
Nächster Start
Januar 2027
Dauer
1 Jahr
Kosten
CHF 6'500
Unterrichtssprache
Deutsch