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Universität Basel

Nachhaltigkeit aus der Perspektive der Wirtschaftswissenschaften

Frank Krysiak geht der Frage nach, was Nachhaltigkeit aus ökonomischer Perspektive genau ist. Dabei versucht er Unsicherheiten und Risiken zu berücksichtigen. Weltweit arbeiten nur rund 30 Forscherinnen und Forscher auf ähnliche Weise wie Krysiak, obwohl über die Folgen vieler Umweltprobleme erhebliche Unsicherheiten bestehen, zum Beispiel im Bereich des Klimawandels.

Frank Krysiak
Für Frank Krysiak ist die Energiepolitik ein wichtiger Forschungsbereich.

Die Politik beeinflusst die Richtung des Fortschritts

Krysiak forscht in Bereichen, die eher untypisch für einen Wirtschaftswissenschaftler sind. Er interessiert sich dafür, welche langfristigen Auswirkungen die Umwelt-, die Energie- und die Klimapolitik auf Technologie und Fortschritt haben. Für ihn steht fest: «Die Politik beeinflusst den technologischen Fortschritt – nicht nur dessen Geschwindigkeit, sondern auch seine Richtung.» Schon kleine Unterschiede in der Gestaltung politischer Massnahmen reichen aus, um die Entwicklung neuer Technologien massgeblich zu verändern.

Ein wichtiger Forschungsbereich ist für Krysiak die Energiepolitik. Der Bund hat letztes Jahr 72 Millionen Franken für den Aufbau von sieben Energie-Kompetenzzentren bereitgestellt (Swiss Competence Center for Energy Research, SCCER), um wissenschaftliche Voraussetzungen für die Energiewende zu schaffen. Eines dieser Forschungszentren wird von der Universität Basel zusammen mit der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften geführt. Krysiak ist Leiter dieses Zentrums.

Nach dem Studium der Ingenieurwissenschaften in Berlin hat Krysiak beschlossen, sich nicht auf eine bestimmte Energietechnologie zu spezialisieren, sondern auf die Ökonomie umzusatteln und die Rahmenbedingungen des technischen Fortschritts zu erforschen. Zusammen mit Kollegen hat er unter anderem untersucht, wie die Schweizer Wirtschaft auf die CO2-Abgabe reagiert hat. CO2-intensive Unternehmen hatten hierzulande (und nur hier) bis 2012 die Wahl, entweder eine CO2-Abgabe zu zahlen oder Emissionsrechte für ihre Kohlendioxid-Produktion zu kaufen und damit zu handeln. Krysiak und sein Team haben herausgefunden, dass Unternehmen, die den Emissionshandel gewählt haben, eher Geld für neue, klimaschützende Technologien ausgeben. Es handelt sich tendenziell um Unternehmen mit hohem Kohlendioxid-Ausstoss. Die politischen Vorgaben zur CO2-Reduktion haben also dazu beigetragen, dass Unternehmen in den technologischen Fortschritt investieren.

Den Umgang mit Veränderungen lernen

Heisst das nun, dass diese politische Strategie nachhaltiger als andere ist? Bis heute gibt es laut Krysiak keine einheitlichen Standards, mit denen die Nachhaltigkeit von Unternehmensstrategien oder politischen Programmen beurteilt werden kann. Der Wirtschaftswissenschaftler ist zum Schluss gekommen, dass man nicht zu lange über die Nachhaltigkeit von politischen Strategien debattieren sollte. «Stattdessen sollten wir uns fragen, wie unsere Gesellschaft am besten mit Veränderungen umgehen soll, zum Beispiel mit dem Klimawandel oder mit der Anwendung der Gentechnik im Agrarbereich.»

Nachhaltigkeit bedeutet für ihn vor allem, Chancen und Risiken von Veränderungen gut abzuwägen. Dazu braucht es oft die Unterstützung durch die Politik. Denn laut Krysiak setzt sich die Erkenntnis durch, dass technologischer Fortschritt alleine nicht reicht. «Es braucht auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die einen richtigen Einsatz der Technologien ermöglichen.» So ist zwar schon lange bekannt, wie man Häuser energieeffizienter bauen kann. Wie aber bewegt man die Hausbesitzer dazu, die vorhandenen Techniken einzusetzen? Politik und Gesellschaft haben noch kein Patentrezept dafür gefunden.

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