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Universität Basel

Schöne Erholung – Neues aus der Schlafforschung (01/2016)

Wenn nachts der Atem stockt

Text: Christoph Dieffenbacher

Nächtliche Atemaussetzer mit starkem Schnarchen können ernste Gesundheitsprobleme auslösen. Basler Pneumologen erforschen die Mechanismen, wie Schnarcher bei Schlafapnoe einem ständigen Stress ausgesetzt sind – und wo Therapien ansetzen könnten.

Umgekehrter Staubsauger Patient mit Überdruckmaske am Universitätsspital Basel.
Umgekehrter Staubsauger Patient mit Überdruckmaske am Universitätsspital Basel.

Schnarchen ist nicht gleich Schnarchen. Die harmlose Variante stört allenfalls die Partnerin und den Partner, doch das gefährliche Schnarchen, die Schlafapnoe, verläuft stossweise und heftig. Der Basler Pneumologe Prof. Michael Tamm erklärt den Vorgang: Weil beim Schlafen, besonders in der Rückenlage, die Muskelspannung im Rachenraum sinkt, verengen sich die Atemwege, die Atmung wird oberflächlicher oder setzt sogar ganz aus. Mit etwas Verzögerung nimmt die Sauerstoffsättigung im Blut ab, worauf das Gehirn befiehlt: «Sofort atmen». Ein ruckartiges Einatmen setzt ein, der Sauerstoffgehalt im Blut nimmt wieder zu, bis sich des Schläfers Rachen wieder entspannt – und das Ganze von Neuem losgeht.

Dieses «ständige Auf und Ab», sagt Tamm, setzt den Organismus einem dauernden nächtlichen Stress aus, ohne dass der Schnarcher es merkt. Bei einer Messung seiner Hirnströme im Elektroenzephalogramm (EEG) zeigt sich jedoch, dass er sich immer wieder kurz einer höheren Wachphase nähert – das bedeutet: Er schläft miserabel. Kein Wunder, dass sich die Betroffenen am nächsten Tag vom Morgen an müde und erschöpft fühlen, sich schlecht konzentrieren können und tagsüber gar in einen Sekundenschaf fallen. Unbehandelte Schlafapnoe-Patienten können gewisse Berufe wie Lastwagenfahrer oder Chauffeur nicht ausüben.

«Bis zu ein Drittel betroffen»

Die Mediziner haben einen Grenzwert definiert, ab wann eine schwere Form vorliegt: Fünf «Aufschnarcher» pro Stunde gelten noch als normal, ab 15 Mal ist's eindeutig zu viel. Ein solches «obstruktives Schlafapnoe-Syndrom», so Tamm, führt zu einem «klar erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Hirnschlag». Besonders gefährdet sind Männer über 40, weitere Risiken sind Übergewicht, Bluthochdruck sowie Alkohol und Rauchen. Doch es kann alle treffen. In der Schweiz seien «bis zu ein Drittel der Bevölkerung von einer Form der Erkrankung betroffen», sagt Tamm. «Und erst seit Kurzem weiss man, dass Schlafapnoe auch bei Kindern auftreten kann.»

Die Behandlung, die heute im Vordergrund steht, setzt bei den erschlafften Gaumenmuskeln an: Eine sogenannte Überdruckmaske leitet, so Tamm, «wie ein umgekehrter Staubsauger» Luft in die Nase, sodass sich der Rachen ausweitet und wieder Platz da ist zum Atmen. Die nachts zu tragende Maske, zuvor jeweils im Schlaflabor getestet und eingestellt, zeigt offenbar Wirkung: «Nach ein paar Tagen fühlen sich viele Patienten tagsüber subjektiv wohler und sind wieder wacher.» Allein im Universitätsspital Basel erhalten jährlich rund 200 Betroffene eine solche Maske. Von Mitteln wie Nasenpflaster, Kieferschienen und Gaumenspangen oder von der Methode, sich einen Tennisball in den Pyjamarücken nähen zu lassen, hält der Chefarzt wenig.

Biomarker untersucht

In einer Langzeitstudie mit knapp 300 Personen mit Verdacht auf Schlafapnoe haben Tamm und sein Team bestimmte Biomarker – eine Art Indikatoren für die Erkrankung – untersucht, die auf Sauerstoffmangel bei Schlafapnoe hinweisen. Einer dieser Biomarker scheint das Hormon Vasopressin zu sein, das als Kennzeichen für eine unbehandelte Schlafapnoe infrage kommt. Eine weitere Studie des Teams ergab, dass eine gefässerweiternde organische Verbindung namens Adrenomedullin möglicherweise als Marker des Therapieerfolgs eingesetzt werden könnte – dieses Peptid wurde nämlich auch in lebenden Zellkulturen der Lunge untersucht, die einem künstlichen Sauerstoffmangel ausgesetzt waren.

Keine grosse Wirkung gegen die Schlafapnoe zeitigt offenbar, wenn betroffene Patienten beschliessen, möglichst viel an Gewicht abzunehmen. Denn wer sich den ganzen Tag schlapp und müde fühlt, neigt dazu, zwischendurch immer wieder kleine Häppchen zu essen …

 


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