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Universität Basel

19. Februar 2018

Verbreitung von Fischeiern durch Wasservögel – nur ein Mythos?

Kleiner Tümpel im Wald: Hierher gelangt man nur über Land, und doch gibt es hier Fische. (Bild: Universität Basel, Departement Umweltwissenschaften)
Kleiner Tümpel im Wald: Hierher gelangt man nur über Land, und doch gibt es hier Fische. (Bild: Universität Basel, Departement Umweltwissenschaften)

Wie gelangen Fische in abgelegene Gewässer, wenn sie nicht selbst dorthin schwimmen können? Obwohl Forscher seit Jahrhunderten vermuten, dass Wasservögel Fischeier in solche Gewässer einschleppen, fehlen dafür bis heute die Beweise. Das zeigt eine systematische Literaturrecherche von Forschern der Universität Basel.

Kleine Seen mit weniger als 100 Quadratmeter Fläche bilden einen Grossteil der globalen Süsswasserökosysteme. Viele dieser Seen liegen in abgelegenem, oft gebirgigem Gelände und haben keinen Zu- und Abfluss. In den meisten dieser Seen gibt es aber Fische. Doch wie kommen Fische in Seen, Teiche und Tümpel, die nicht mit anderen Gewässern verbunden sind?

Diese Frage stellten sich bereits die grossen Naturforscher des 19. Jahrhunderts wie Charles Darwin, Alfred Russel Wallace und Charles Lyell. Sie alle kamen zum gleichen Schluss: Wasservögel müssen für die Verbreitung der Fische verantwortlich sein.

Für die Ausbreitung hatten sie eine plausible Erklärung. Fischeier sind klebrig und überleben eine gewisse Zeit an der Luft. So geht die Theorie davon aus, dass die Fischeier im Gefieder oder an den Füssen von Wasservögeln anhaften. Diese fliegen von einem Gewässer zum nächsten, wo die Fische aus den Eiern schlüpfen.

Stichhaltige Untersuchungen fehlen

Eine Studie von Umweltwissenschaftlern der Universität Basel zeigt nun, dass diese Theorie zwar innerhalb der Forschergemeinschaft als gesichert gilt, dass aber publizierte Studien dazu fehlen.

Um das Fehlen von Evidenz objektiv zu messen, führte das Basler Forscherteam eine systematische Literaturrecherche durch. Das Ergebnis zeigt: es gibt keine wissenschaftlich profunden Studien, die belegen, dass Wasservögel Fischeier verschleppen.

Um auszuschliessen, dass die erfolglose Suche an der Methode liegt, wurde auf gleiche Weise nach Belegen für die Verbreitung von wirbellosen Wassertieren gesucht. Hier fanden die Forscher zahlreiche wissenschaftliche Publikationen, die sich auf Experimente und Feldversuche stützen.

Auch heute noch verbreitet

Für ihre Studie konsultierten die Basler Forscher zudem Onlineforen und befragten rund 40 Experten aus Forschung und Praxis. Damit wollten sie klären, wie verbreitet die Theorie der Fischverbreitung durch Wasservögel inner- und ausserhalb der Forschergemeinde ist. Die Mehrzahl der befragten Fachleute findet die Theorie so plausibel, dass sie das Rätsel als gelöst betrachten. Auf empirische Ergebnisse kann sich aber niemand beziehen.

«Das Fehlen von Evidenz bedeutet nicht, dass die Ausbreitung über Wasservögel nicht vorkommt», kommentiert Dr. Philipp E. Hirsch von der Universität Basel die Ergebnisse. «Aber wir wissen heute schlicht nicht, welche Rolle dabei die Vögel, welche der Mensch und welche andere Prozesse spielen.»

Die Verbreitungswege von Fischen in entlegene Gewässer zu verstehen, ist wichtig für die Erhaltung der Biodiversität. Das Wissen, wie Arten neue Lebensräume kolonisieren, bildet die Grundlage für den Erhalt von Refugien und gezielte Wiederansiedelung, aber auch um ein Eindringen invasiver Arten zu verhindern.

Originalbeitrag

Philipp Emanuel Hirsch, Anouk N’Guyen, Roxane Muller, Irene Adrian-Kalchhauser, Patricia Burkhardt-Holm
Colonizing Islands of water on dry land—on the passive dispersal of fish eggs by birds
Fish and Fisheries. (2018), doi: 10.1111/faf.12270


Weitere Auskünfte

Dr. Philipp E. Hirsch, Universität Basel, Departement Umweltwissenschaften, Tel. +41 61 207 04 07, E-Mail: philipp.hirsch@unibas.ch

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