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Universität Basel

22. September 2016

Schmuck und Waffen in Kalabrien: Archäologen forschen in Francavilla Marittima

Friedhof aus der Eisenzeit: Die Funde zeugen von der kulturellen Begegnung zwischen der einheimischen Elite und Kolonisten. (Bild: Universität Basel, Departement Altertumswissenschaften)
Friedhof aus der Eisenzeit: Die Funde zeugen von der kulturellen Begegnung zwischen der einheimischen Elite und Kolonisten. (Bild: Universität Basel, Departement Altertumswissenschaften)

Archäologen der Universität Basel haben im süditalienischen Francavilla Marittima vier Gräber aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. freigelegt. Ein reiches Frauengrab und ein Schwertgrab stammen aus der Zeit, als die ersten Griechen und Orientalen in Süditalien ankamen. Die Funde werfen neues Licht auf die Frage nach dem kulturellen Selbstverständnis der einheimischen Oberschicht in der von Spannungen geprägten Epoche.

Seit 2009 erforschen Archäologen der Universität Basel in Kalabrien eine Begräbnisstätte aus der Eisenzeit. Diesen Sommer fand unter der Leitung von Prof. Martin A. Guggisberg bereits die achte Ausgrabungskampagne statt. Im Mittelpunkt stand das Grab einer rund 30jährigen Frau, die sich durch ihre aussergewöhnlich reichen Trachtbeigaben auszeichnete.

Der gesamte Oberkörper war mit Schmuck aus Bernstein und einstmals golden glänzender Bronze bedeckt. Ringe, Fibeln, Zierscheiben, Perlen und Ketten aller Art schmückten Hals und Brust der Verstorbenen. Den Oberarm zierten ein grosser Spiralarmring und weitere Armreifen. Die Frau trug eine Haube mit Bronzeverzierungen. Ein Spinnwirtel und zahlreiche Bronzeknöpfe, die ursprünglich auf ein Tuch aufgenäht waren, lagen oberhalb des Kopfes; sie zeugen von Beigaben aus Textil, die heute nicht mehr erhalten sind.

Wozu aber diente dieser reiche Schmuck im Grab? Die Frau lebte zu einer Zeit, als Migranten aus Griechenland und dem Orient in zunehmender Zahl nach Süditalien kamen und dort schliesslich ihre eigenen Städte gründeten. Wie dieser Prozess der Begegnung im Einzelnen verlief, ist Gegenstand intensiver Forschung. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass die Frauen der einheimischen Oberschicht mit ihrem prunkvollen Schmuck, den sie auch im Grab trugen, ein ganz bewusstes Zeichen ihrer kulturellen Identität ablegten, ein Zeichen, das in einer sich tiefgreifend wandelnden Epoche von besonderer, auch politischer Aussagekraft war.

Mit Schwertern im Spital

Was bei den Frauen der Schmuck, sind bei den Männern die Waffen: Im Sommer untersuchten die Basler Archäologen bereits das dritte Schwertgrab. Von den zwei eisernen Schwertern, die letztes Jahr in Blöcken geborgen worden sind, wurden während der diesjährigen Kampagne Röntgen- und Computertomografie-Aufnahmen in einem nahen Spital gemacht. Sie ermöglichen die detaillierte Analyse der Waffen, die wegen der starken Korrosion nicht freigelegt werden können ohne zu zerfallen. Die Schwerter werfen die Frage auf, ob Waffen in den Gräbern von Francavilla über ihre Bedeutung als Statusabzeichen hinaus auch als Ausdruck allgemeiner Spannungen und Unsicherheiten zu bewerten sind, wie sie möglicherweise mit der Ankunft von Griechen und Orientalen auftraten.

Grabungskampagne 2016

Die diesjährige Lehr- und Forschungsgrabung fand in Kooperation mit der archäologischen Behörde Kalabriens statt und wurde von der Basler Stiftung für Klassische Archäologie und der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft unterstützt. An der Kampagne nahmen acht Studierende, eine Anthropologin und eine wissenschaftliche Zeichnerin teil. Prof. Martin A. Guggisberg und Corinne Juon vom Departement Altertumswissenschaften sowie Norbert Spichtig von der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt (in ausserberuflicher Tätigkeit) leiteten die Feldarbeiten.

Für seine Lehrveranstaltungen auf der Basis des Ausgrabungsprojekts in Francavilla Marittima ist Prof. Martin Guggisberg im Mai 2016 mit dem Teaching Excellence Award ausgezeichnet worden.

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