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Universität Basel

05. Mai 2021

SHURP-Studie: Es braucht eine Kehrtwende in den Schweizer Pflegeheimen

Pflegerin hilft Frau beim Gehen im Gang.
In den Schweizer Pflegeheimen mangelt es an Personal und Fachkompetenz. (Bild: Shutterstock)

Die Schweizer Pflegeheime leisten eine gute Arbeit: Dies ist das Resultat einer Umfrage des Fachbereichs Pflegewissenschaft der Universität Basel. Die Studie, die in den Jahren 2018 und 2019 durchgeführt wurde, verdeutlicht aber auch, dass die Arbeitsressourcen knapp sind und immer knapper werden.

4442 Pflege- und Betreuungspersonen in 118 Heimen in der Deutschschweiz und der Romandie wurden für das «Swiss Nursing Homes Human Resources Project» (SHURP) befragt. Nach der ersten Erhebung im Jahr 2013 führte der Fachbereich Pflegewissenschaft die Umfrage zwischen September 2018 und Oktober 2019 ein zweites Mal durch.

Dabei zeigte sich: Die Heime verfügen über eine gute Pflegequalität und setzen sich stark für die Weiterentwicklung dieser Qualität ein. Doch die Studie verdeutlich auch, dass die Arbeitsressourcen knapp sind, deren Rationierung im Vergleich zu der ersten Erhebung zugenommen hat und das Personal an seine Belastungsgrenzen kommt. Es besteht entsprechend Handlungsbedarf beim Personal, damit die Qualität erhalten bleibt.

Es wird deutlich, dass die Heime auf eine gute Pflegequalität Wert legen und kontinuierlich daran arbeiten. Dies äussert sich auch in der Tatsache, dass fast drei Viertel einen Pflegeexperten oder eine Pflegeexpertin angestellt haben, die einen wichtigen Beitrag zur Qualitätsentwicklung leisten.

Das Fachpersonal ist knapp

Eine der grössten Herausforderung für die Heime ist, genügend und gut ausgebildetes Personal zu finden. So geben 96% der Betriebe an, Probleme bei der Rekrutierung von Pflegefachpersonal zu haben. Jede zehnte Antwortende verfügte nur über eine Temporäranstellung. Nur knapp 50% der Befragten gaben an, dass es genügend Personal gibt, um die anfallende Arbeit zu erledigen – in der ersten SHURP-Erhebung im Jahr 2013 waren es noch 58%.

Ebenso schätzen nur 58% der Abteilungsleitenden die Personalbesetzung auf ihrer Abteilung als angemessen ein. Mehr als ein Drittel des Pflege- und Betreuungspersonals macht pro Woche mindestens 30 Minuten Überzeit und rund 60% des Pflegefachpersonals beschreibt eine Zunahme von administrativen Arbeiten im letzten Jahr.

Hinzu kommt eine deutlich zunehmende Rationierung der Pflege: Mehr Antwortende als im 2013 gaben an, individuelle und Gruppenaktivitäten mit Bewohnenden aus Zeitknappheit wegzulassen. Ebenso stieg der Anteil des Pflege- und Betreuungspersonals, der angab, manchmal oder häufig die Körperpflege (2013: 17%, 2018: 25%) oder die Mund- und Zahnpflege (2013: 13%, 2018: 20%) weglassen zu müssen wegen knappen Ressourcen.

All diese Angaben zeigen, dass die Heime mit den Personalressourcen an ihre Grenzen kommen und trotz aller Anstrengungen durch die Rahmenbedingungen stark eingeengt werden. Auch der Druck nimmt zu: Deutlich mehr Personal als in der Umfrage aus dem Jahr 2013 gab Energielosigkeit, Schlafstörungen und Gelenk- oder Gliederschmerzen an.

Studie betrachtet Situation vor Corona-Pandemie

Die SHURP-Studie betrachtet die Situation in Schweizer Pflegeheimen im Zeitrahmen von September 2018 bis Oktober 2019. Deshalb sind keine Angaben zur Situation seit und während der Corona-Pandemie möglich. Deutlich wird aber, dass die Arbeitssituation bereits vor Ausbruch der Pandemie in einigen Pflegeheimen kritisch war.

Mehr Personal, mehr Ausbildung, bessere Rahmenbedingungen

Die Resultate der Studie zeigen, dass die Heime einen grossen Einsatz leisten, um mit den knappen Ressourcen eine hohe Pflegequalität für die Bewohnerinnen und Bewohner zu erreichen. Es ist jedoch ein fragiles Gleichgewicht und es braucht Massnahmen zur Stärkung der Heime, damit sie weiterhin ihre Arbeit leisten können. Es braucht genügend und gut ausgebildetes Personal sowie Rahmenbedingungen, die den Heimen erlauben, das richtige Personal am richtigen Ort einzusetzen für das Wohl der Bewohnenden.


Weitere Auskünfte

Dr. Franziska Zúñiga, Universität Basel, Pflegewissenschaft, Tel. +41 61 207 09 13, E-Mail franziska.zuniga@unibas.ch

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