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Medikamenteneinnahme: Apps ersetzen Gesundheitsfachpersonen nicht

Apothekerin zeigt einer Person den Bildschirm eines Smartphones.
Apps und Gesundheitsfachpersonen könnten in der Zukunft verstärkt zusammenarbeiten. (Foto: ZVG, KI-generiert)

Viele Menschen haben Mühe, ihre Medikamente gemäss Verordnung richtig einzunehmen. Das hat gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen. Apps sollen bei der korrekten Einnahme unterstützen. Eine Studie der Universität Basel zeigt jedoch: Digitale Helfer ersetzen die persönliche professionelle Betreuung nicht. Ausserdem schöpfen sie ihr volles Potential noch nicht aus.

09. März 2026 | Lara Uebelhart

Apothekerin zeigt einer Person den Bildschirm eines Smartphones.
Apps und Gesundheitsfachpersonen könnten in der Zukunft verstärkt zusammenarbeiten. (Foto: ZVG, KI-generiert)

Nach aktuellen Zahlen nehmen 30 bis 50 Prozent der Menschen, die regelmässig Medikamente benötigen, diese nicht korrekt ein. Diese sogenannte Non-Adhärenz hat nicht nur für die Gesundheit der Patienten und Patientinnen ernsthafte Folgen, wie reduzierter Therapieerfolg und höhere Todesraten.

Auch das Gesundheitssystem trägt die Konsequenzen: «Eine länderübergreifende Review zeigt, dass jährlich zusätzliche Kosten von 950 bis 44'000 US-Dollar pro Person durch Non-Adhärenz entstehen», so die Pharmazeutin Dr. Kirstin Messner. In der Schweiz leben über zwei Millionen Menschen mit einer chronischen, nicht übertragbaren Erkrankung. Es würde sich also lohnen, die Medikamenten-Adhärenz, also das Übereinstimmen der tatsächlichen Einnahme mit der verordneten Einnahme, zu verbessern.

Sind Apps die Lösung?

Eine Lösungsstrategie ist der Einsatz von Gesundheits-Apps, die auf eine Verbesserung der Adhärenz abzielen. Die Gründe für Non-Adhärenz sind jedoch komplex und nicht für alle Betroffenen sind Apps eine geeignete Lösung. Sie können aber dabei helfen, die Einnahme nicht zu vergessen und den Überblick zu behalten.

Ob die Apps diesen Erwartungen gerecht werden, hat Kirstin Messner im Rahmen ihrer Dissertation am Departement Pharmazeutische Wissenschaften untersucht. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal «JMIR Mhealth and Uhealth» publiziert und zeigen, dass Adhärenz-Apps grundsätzlich ein nützliches ergänzendes Tool sind. Allerdings wünschen sich Nutzende Funktionen, wie das Exportieren und Teilen der Daten, die kostenlose Apps ungenügend erfüllen.

«Die Studie macht auf ein wichtiges Thema und Problem aufmerksam: Medikamenten-Adhärenz. Gleichzeitig adressiert sie eine zeitgemässe Lösung mit den Apps.» Es müsste weitere Forschung über Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Apps angeschlossen werden, betont Messner.  Die Forscherin hofft, einen Anreiz in der Entwicklung und weiteren Forschung in dem Bereich gesetzt zu haben.

Wünschenswert wäre laut Messner auch eine Weiterentwicklung des Gesundheitssystems, um die Apps sinnvoll einzubetten. «Es heisst oft, die Apps ermöglichen bereits Selfmanagement zu Hause, aber die Ergebnisse zeigen, dass Patientinnen und Patienten explizit den Kontakt zu Gesundheitsfachpersonen wünschen.» Entsprechende Funktionen sollten daher Bestandteil der Apps sein. «Die Angst, dass die digitalen Tools Apotheker oder Ärztinnen ablösen, ist unbegründet. In der Zukunft sollte beides gemeinsam funktionieren.»

Originalpublikation

Messner Kirstin et al.
Exploring the Fit Between the Outputs of Freely Available Medication Adherence Apps and Users’ Needs: Mixed Methods Study
JMIR Mhealth Uhealth (2025), doi: 10.2196/68919

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