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Universität Basel

15. August 2019

Hitzewellen erhöhen Notfall-Eintritte in Schweizer Spitälern

Hitzewellen sind eine Gesundheitsgefahr: im Sommer 2015 kam es in der Schweiz hitzebedingt zu über 2700 zusätzlichen Notfalleintritten. (Bild: Gerd Altmann/Pixabay | CC0)
Hitzewellen sind eine Gesundheitsgefahr: im Sommer 2015 kam es in der Schweiz hitzebedingt zu über 2700 zusätzlichen Notfalleintritten. (Bild: Gerd Altmann/Pixabay | CC0)

Der Hitzesommer 2015 hat in der Schweiz über 2700 zusätzliche Notfall-Eintritte verursacht. Die häufigsten Ursachen waren Infektionskrankheiten, Erkrankungen der Harnwege und Geschlechtsorgane sowie Grippe und Lungenentzündungen. Das berichten Forschende des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts und der Universität Basel in der Fachzeitschrift «Environmental Health».

Mehrere Studien konnten bereits aufzeigen, dass Hitze die Sterblichkeitsraten erhöhen. So forderte der Hitzesommer 2015 beispielsweise hierzulande rund 800 zusätzliche Todesfälle. Nur wenig untersucht ist jedoch, wie sich Hitzewellen auf Erkrankungen und Spitaleintritte auswirken. Forschende des Swiss TPH und der Universität Basel haben nun im Auftrag des Bundesamts für Umwelt die Notfall-Spitaleintritte in der Schweiz während der drei Hitzewellen zwischen Juni und August 2015 im Detail analysiert.

Erste Hitzewelle wirkt sich am stärksten aus

Die Studie in der Fachzeitschrift «Environmental Health» zeigt, dass der Hitzesommer 2015 zu über 2700 zusätzlichen Notfall-Spitaleintritten geführt hat. Betroffen waren vor allem ältere Personen und die Bevölkerung in den heissesten Regionen Tessin und dem Genfersee-Gebiet. «Die Daten aus dieser und anderen Studien zeigen, dass vor allem die erste Hitzewelle eines Sommers einen grossen Einfluss auf Todes- und Krankheitsfälle hat», sagt Studienleiterin Dr. Martina Ragettli. «Der Effekt wird noch zusätzlich verstärkt, wenn die Hitzewelle bereits im Frühsommer auftritt».

Die häufigsten Ursachen für die zusätzlichen Notfall-Spitaleintritte waren Infektionskrankheiten, Erkrankungen des Urogenitalsystems, Krankheiten des Verdauungssystems sowie Grippe und Lungenentzündungen. «Diese Ursachen überraschen, denn bei den hitzebedingten Todesfällen spielen Herzkreislauf- und Atemwegs-Erkrankungen die Hauptrolle», so Ragettli. Die schnellere Verbreitung von Viren und Bakterien bei hohen Temperaturen scheint somit für Spitaleintritte einen wichtigen Einfluss zu haben.

Für die Studie wurden Daten zu Notfall-Spitaleintritte in den Schweizerischen Krankenhäuser zwischen 2005 und 2015 aus der Medizinischen Statistik der Krankenhäuser des Bundesamts für Statistik analysiert. Mit statistischen Methoden wurde gesamthaft und für verschiedene Diagnosegruppen separat abgeschätzt, wie viele Spitaleintritte im Sommer 2015 zu erwarten gewesen wären und wie viele tatsächlich beobachtet wurden.

Hitze-Massnahmenpläne helfen bei der Prävention

Die Studienautoren empfehlen, die kantonalen Hitze-Massnahmenpläne entsprechend den Studienresultaten zu erweitern und beispielsweise Empfehlungen betreffend infektiösen und parasitären Erkrankungen abzugeben. Untersuchungen in der Schweiz zeigen, dass die kantonalen Massnahmenpläne wichtig für den Schutz der Gesundheit während Hitzewelle sind. Bereits relativ einfach umsetzbare Massnahmen haben einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung.

Die Kernpunkte der Studie in der Zusammenfassung von Dr. Martina Ragettli:


Originalbeitrag

Martina S. Ragettli, Ana M. Vicedo-Cabrera, Benjamin Flückiger, and Martin Röösli
Impact of the warm summer 2015 on emergency hospital admissions in Switzerland
Environmental Health (2019), doi: 10.1186/s12940-019-0507-1

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