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Universität Basel

04. Juli 2017

Gottesanbeterinnen machen weltweit Jagd auf Vögel

Erfolgreiche Jagd: Gottesanbeterin (Tenodera sinensis) mit einem Rubinkehlkolibri (Archilochus colubris) als Beute. Illinois, USA (Bild: mit freundlicher Genehmigung von “What’s That Bug?”, Randy Anderson).
Erfolgreiche Jagd: Gottesanbeterin (Tenodera sinensis) mit einem Rubinkehlkolibri (Archilochus colubris) als Beute. Illinois, USA (Bild: mit freundlicher Genehmigung von “What’s That Bug?”, Randy Anderson).

Eine Studie von Zoologen aus der Schweiz und den USA zeigt: Bei Gottesanbeterinnen rund um den Globus stehen auch Vögel auf dem Speiseplan. Die Fachzeitschrift «Wilson Journal of Ornithology» hat die Resultate soeben veröffentlicht.

Gottesanbeterinnen sind mit kräftigen Fangbeinen ausgestattete Raubinsekten, welche sich grösstenteils von Gliederfüssern wie Insekten und Spinnen ernähren. Eher selten wurden diese Tiere beim Fressen von kleinen Wirbeltieren wie etwa Fröschen, Eidechsen, Salamander oder Schlangen beobachtet. Eine neue Studie der Zoologen Martin Nyffeler (Universität Basel), Mike Maxwell (National University, La Jolla, California) und James Van Remsen (Louisiana State University) zeigt nun, dass Gottesanbeterinnen auch kleine Vögel töten und fressen.

Fressen von Vögeln hat weltweite Verbreitung

Die Forscher trugen eine Vielzahl von Vorfällen von vogelfressenden Gottesanbeterinnen zusammen. In einer Übersichtsstudie zeigen sie auf, dass Gottesanbeterinnen aus zwölf Arten und neun Gattungen im Freiland beim Fressen von Vögeln beobachtet wurden. Dokumentiert ist dieses aussergewöhnliche Fressverhalten in 13 verschiedenen Ländern auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis. Auch bei den Opfern herrscht Vielfalt, so weist die Studie nach, dass 24 unterschiedliche Vogelarten aus 14 Familien zur Beute des Raubinsekts zählen. «Dass das Fressen von Vögeln bei Gottesanbeterinnen dermassen weitverbreitet ist – geographisch und im Hinblick auf die Vielzahl der beteiligten Arten – ist eine spektakuläre Entdeckung», kommentiert Martin Nyffeler von der Universität Basel und Leiter der Studie.

Gottesanbeterinnen als Bedrohung für kleine Vögel

Die Forscher trugen 147 dokumentierte Fälle dieses Fressverhaltens aus der ganzen Welt zusammen – mehr als 70 Prozent ereigneten sich in den USA. Gottesanbeterinnen erbeuten dort oft Vögel an Kolibri-Zuckerwasserschalen, die in Hausgärten hängen, oder lauern ihrer Beute an Pflanzen auf, die von Kolibris bestäubt werden. So sind es denn auch hauptsächlich Kolibris – und ganz besonders häufig der Rubinkehlkolibri (Archilochus colubris) – welche den Gottesanbeterinnen zum Opfer fallen.

Vor Jahrzehnten wurden in Nordamerika mehrere grosse, nichtheimische Arten von Gottesanbeterinnen (z.B. Mantis religiosa und Tenodera sinensis) zur biologischen Schädlingsbekämpfung freigelassen. Diese eingeschleppten Arten stellen nun für Kolibris und kleine Sperlingsvögel eine Gefahr dar. Allerdings sind unter den vogelfressenden Gottesanbeterinnen auch grosse einheimische Arten. «Die Studie macht deutlich, welch grosse Gefahr Gottesanbeterinnen für den Bestand der Vögel darstellen. Bei der Freilassung von Gottesanbeterinnen zur Schädlingsbekämpfung ist deshalb Vorsicht geboten», sagt Nyffeler.

Originalartikel

Martin Nyffeler, Michael R. Maxwell, J. V. Remsen, Jr.
Bird predation by praying mantises: a global perspective
The Wilson Journal of Ornithology (2017) 129(2): 331-344 | DOI: 10.1676/16-100.1


Weitere Auskünfte

PD Dr. Martin Nyffeler, Universität Basel, Departement Umweltwissenschaften, Tel. +41 61 702 07 03, E-Mail: martin.nyffeler@unibas.ch

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