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Universität Basel

25. Januar 2021

Eine Therapie gegen jeden Krebs

Lucia Mori
Auch in ihrer neuen Doppelrolle als Forscherin und Unternehmerin ist Lucia Moris Wissensdurst, wie das Immunsystem funktioniert, ungebrochen. (Foto: Universität Basel, Oliver Hochstrasser)

Forschende der Universität Basel haben Zellen des Immunsystems identifiziert, die eine breite Palette an Krebszellen angreifen können. Mit einem Start-up wollen sie ihre Entdeckung nun zu klinisch anwendbaren Therapien weiterentwickeln und damit einen nächsten Meilenstein in der zellbasierten Krebstherapie setzen.

Wenn die gebürtige Italienerin über das Immunsystem spricht, schwingt die Neugier und Faszination mit, die sie seit Jahrzehnten in diesem Forschungsfeld begleiten. Als sie ihre Karriere in den 1980er-Jahren begann, wusste man noch relativ wenig darüber, wie der Verband unterschiedlicher Immunzellen den Körper gesund hält.

Ende der Achtzigerjahre zog sie ihr Interesse nach Basel, «dem besten Ort der Welt für immunologische Forschung», sagt sie. Nach einiger Zeit am Institut für Immunologie Basel schloss sie sich der Forschungsgruppe um Prof. Dr. Gennaro De Libero an der Universität Basel an, um zu erforschen, wie T-Lymphozyten (T-Zellen) Erkrankungsanzeichen erkennen, seien es Eiweisse, Lipide oder Stoffwechselprodukte.

«Wir dachten zuerst, das könne nicht stimmen»

Vor rund fünf Jahren machten De Libero und Mori eine Entdeckung, die vielleicht zur bedeutsamsten ihrer Laufbahn werden könnte. Eigentlich ging es in dem Projekt um eine bestimmte Population von Immunzellen, die bakteriell infizierte Zellen eliminiert. Doch einige der Immunzellen erkannten auch Tumore. «Wir dachten zuerst, das könne nicht stimmen», erinnert sich Mori, «aber wir haben die Experimente mehrfach wiederholt und kontrolliert. Die Beobachtung bestätigte sich immer wieder.»

Die Forschenden tauften die krebsbekämpfenden Immunzellen «MR1T-Zellen». Dabei handelt es sich um eine bestimmte Gruppe von T-Zellen mit einem spezifischen «Fühler» (Rezeptor), der das Molekül MR1 erkennt und die MR1-tragende Zelle angreift.

Entarteter Stoffwechsel als Warnsignal

MR1 ist ein Eiweiss, das natürlicherweise in allen Körperzellen vorkommt und in allen Menschen identisch ist. Normale Zellen tragen nur sehr wenig davon auf ihrer Oberfläche. Ist eine Zelle jedoch entartet, erscheint MR1 in grossen Mengen auf der Zelloberfläche, und zwar gekoppelt mit Stoffwechselprodukten, die auf den abnormalen Stoffwechsel der Krebszelle hindeuten.

MR1 ist damit ein universeller Angriffspunkt, den praktisch alle Krebszellen tragen. Mit den MR1T-Zellen hat das Team um De Libero und Mori einen Teil des Immunsystems entdeckt, der sich gegen genau diesen Angriffspunkt richtet und sich im Labor auf eine Vielzahl verschiedener Krebstypen massschneidern liesse.

«Unser Ziel ist, T-Zellen von gesunden Spendern so zu manipulieren, dass sie sich gegen die Kombinationen aus MR1 und anderen charakteristischen Molekülen auf der Oberfläche der Krebszellen richten», erklärt Mori. Diese MR1T-Zellen liessen sich dann in Flüssigstickstoff über längere Zeit lagern bis zu ihrem Einsatz.

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