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Universität Basel

12. Dezember 2017

Bitcoin, Blockchain und die Zukunft des Geldes

Bitcoin – kupferfarbene Münze mit einem B in der Mitte
Kryptowährungen wie Bitcoin liegen momentan im Trend. Wie sieht die Zukunft dieser Währungen aus?

Seit Jahresbeginn ist der Wert der Kryptowährung Bitcoin rasant angestiegen, hat aber auch immer wieder kurze Rückschläge erlitten. Der Bitcoin-Experte Aleksander Berentsen, Professor für Wirtschaftstheorie an der Universität Basel, gibt im Interview Auskunft zu den Wertschwankungen und wagt einen Blick in die Zukunft des Bargelds.


Herr Berentsen, handelt es sich bei Kryptowährungen wie Bitcoin um einen Trend oder sollten wir uns langfristig alle damit auseinandersetzen?

Aleksander Berentsen: Als sich das Internet zu Beginn der 1990er-Jahre verbreitet hat, waren viele Leute überzeugt, dass sich damit kein Geld verdienen liesse und haben es als Modewelle abgetan. Andere haben das Internet auf die gleiche Stufe wie die Erfindung des Rads gehoben. Heute zweifelt niemand mehr an der Bedeutung des Internets und der Digitalisierung. Für mich sind Bitcoin und die Blockchain weitere Schritt in Richtung Digitalisierung und Dezentralisierung. Das ist nicht aufzuhalten und wir sollten uns besser damit beschäftigen.

Prof. Dr. Aleksander Berentsen
Prof. Dr. Aleksander Berentsen ist Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und Professor für Wirtschaftstheorie an der Universität Basel. Seine Forschungsinteressen umfassen Geldtheorie, Geldpolitik, Makroökonomie und Finanzwirtschaft. (Bild: Universität Basel)

Warum sind noch kaum Bitcoins im Umlauf?

Bitcoin wird zurzeit selten als Zahlungsmittel eingesetzt. Ein Grund dafür ist, dass aufgrund der bisherigen spektakulären Wertsteigerungen die Leute nicht bereit sind, Bitcoin als Zahlungsmittel einzusetzen. Sie horten Bitcoin in der Hoffnung, dass der Preis noch weiter steigt.

Tatsächlich hat Bitcoin erst die 10‘000-Dollar-Marke geknackt und ist nach einem kurzen Rückfall sogar noch höher gestiegen. Was passiert gerade mit Bitcoin?

Bei fundamentalen Innovationen schiessen die Erwartungen der Leute in alle Richtungen. Zudem schwanken die Erwartungen bezüglich des Potenzials der Bitcoin-Technologie enorm. An einem Tag ist der Markt überzeugt, dass Bitcoin staatliches Geld als Zahlungsmittel und Gold als Wertaufbewahrungsmittel ablösen wird, und am nächsten Tag ist er vom Gegenteil überzeugt. Damit habe ich auch ihre Frage beantwortet. Es ist nichts passiert.

Wird der Kurs weiter ansteigen oder wird die Preisblase bald platzen?

Das Gute an Preisblasen ist, dass man nicht weiss, ob und wann sie platzen. Bitcoin hat keinen inneren Wert, es ist eine sogenannte Fiat-Währung. Der Preis von Bitcoin reagiert deshalb äusserst elastisch auf Änderungen der Erwartungen der Marktteilnehmer, was sich in enormen Preisschwankungen wiederspiegelt.

Nobelpreisträger Joseph Stiglitz schlägt vor, die Währung zu verbieten, da Sie keine sinnvolle soziale Funktion habe. Ist das eine Lösung?

Zurzeit sind zehntausende wenn nicht hunderttausende von jungen Leuten damit beschäftigt, die Blockchain-Technologie zu erforschen und neue Anwendungsgebiete zu erschliessen. Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Dynamik erlebt. Nicht einmal in den 1990er-Jahren, als ich während des Dotcom-Booms in Kalifornien war. Ich traue diesen jungen Leuten mehr zu als einem alternden Herrn, auch wenn er einen Nobelpreis hat. Man muss den Menschen erlauben zu experimentieren. Das bedeutet auch, dass es zulässig ist zu scheitern. Es kann durchaus möglich sein, dass sich diese Technologie als weit weniger fundamental erweist als ich es heute annehme. Auch in diesem Fall hätten wir etwas gelernt. Wenn die Menschheit nicht immer wieder experimentiert und Risiken auf sich genommen hätte, würden wir noch heute in Höhlen leben.

Wie sieht die Zukunft aus? Werden wir in zehn Jahren noch mit Bargeld bezahlen?

Bargeld wird mit Sicherheit früher oder später verschwinden. Dies kann aber viel länger dauern als man denkt. Meist braucht es ein zwei Generationen, welche mit einer neuen Technologie aufgewachsen sind um eine alte Technologie abzulösen.


Das Buch von Aleksander Berentsen und Fabian Schär Bitcoin, Blockchain und Kryptoassets: eine umfassende Einführung (2017) vermittelt alle Informationen, die für das Verständnis dieser neuen Technologie benötigt werden.

Blockchain-Technologie – Was ist das?

Mithilfe der Blockchain-Technologie können virtuelle Bitcoin-Werteinheiten gehalten und übertragen werden, ohne dass dafür eine zentrale Instanz benötigt wird. Dies wird über ein dezentral geführtes Register und ein selbstvollziehendes Konsensprotokoll ermöglicht. Die Bitcoin-Werteinheiten können ohne Depotbank gehalten werden, analog zu einer Brieftasche. Um es drastisch auszudrücken: dank der Blockchain-Technologie können wir eine virtuelle Währung haben und benötigen dafür keine Zentralbank und wir können ein Bankensystem haben ohne Banken.

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