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Universität Basel

25. Januar 2021

Antiker Klimawandel: Massenauswanderung wegen Wassermangel

Für immer von der Wüste begraben: Ruinen von Soknopaiou Nesos, einem in der Spätantike untergegangenen Dorf im ägyptischen Fayum-Gebiet. (Foto: Bruno Bazzani/Wikimedia Commons | CC BY-SA 4.0)
Für immer von der Wüste begraben: Ruinen von Soknopaiou Nesos, einem in der Spätantike untergegangenen Dorf im ägyptischen Fayum-Gebiet. (Foto: Bruno Bazzani/Wikimedia Commons | CC BY-SA 4.0)

Ausbleibender Monsunregen in den Quellregionen des Nils ist die Ursache der Auswanderungen und des Niedergangs ganzer Siedlungen in der spätantiken römischen Provinz Ägypten. Diese Bevölkerungsentwicklung hat die Althistorikerin Sabine Huebner von der Universität Basel erstmals mit Umweltdaten verglichen – und ist auf eine frühe Klimaveränderung samt ihren Folgen gestossen.

Vermutlich ebenfalls eine Rolle gespielt hat dabei ein starker tropischer Vulkanausbruch um 266 n. Chr., der im Folgejahr eine unterdurchschnittlich schwache Nilflut mit sich brachte. Grössere Eruptionen sind aus Schwefelsäureablagerungen in Eisbohrkernen aus Grönland und der Antarktis bekannt und bis auf drei Jahre genau datierbar. Dabei führen jeweils bis in die Stratosphäre geschleuderte Teilchen zu einer Klimaabkühlung und bringen dadurch das lokale Monsunsystem durcheinander.

Neues Wissen über Klima, Umwelt und Gesellschaft

Im 3. Jahrhundert n. Chr. war das ganze römische Reich von Krisen betroffen, die in der Provinz Ägypten durch über 26'000 erhaltene beschriebene Papyri relativ gut dokumentiert sind. Für das Fayum-Gebiet finden sich darauf Aufzeichnungen von Bewohnern, die wegen der Wasserknappheit Wein statt Getreide anbauten oder auf Schafhaltung umstellten. Andere beschuldigten ihre Nachbarn des Wasserdiebstahls oder wandten sich für Steuererleichterungen an die römischen Behörden. Diese und weitere Anpassungsstrategien der Bevölkerung zögerten das Sterben der Dörfer über mehrere Jahrzehnte hinaus.

«Wie auch heute waren die Folgen des Klimawandels nicht überall die gleichen», kommentiert Huebner die Resultate. Während Regionen an den Rändern der Wüste stark mit der Trockenheit konfrontiert waren, hätten andere von den Zuzügen aus den aufgegebenen Dörfern eher profitiert. «Neues Wissen über das Zusammenwirken von Klima, Umweltveränderungen und gesellschaftlichen Entwicklungen ist daher hoch aktuell.» Der Klimawandel der Spätantike wurde indes nicht – wie der heutige – überwiegend vom Menschen verursacht, sondern beruhte auf natürlichen Schwankungen.

Originalpublikation

Sabine R. Huebner
Climate Change in the Breadbasket of the Roman Empire – Explaining the Decline of the Fayum Villages in the Third Century CE
Studies in Late Antiquity (2020), doi: 10.1525/sla.2020.4.4.486


Weitere Auskünfte

Prof. Dr. Sabine R. Huebner, Universität Basel, Departement Altertumswissenschaften, Tel. auf Anfrage (+41 61 207 24 95), E-Mail: sabine.huebner@unibas.ch

Nilfluten mit Holztäfelchen rekonstruieren

Mit Klimawandel und Pandemien in der Krise des römischen Reichs befasst sich ein neues, vom SNF gefördertes Projekt des Teams um Prof. Dr. Sabine R. Huebner. In- und ausländische Fachleute aus Klimawissenschaft, Archäologie und Geschichtsforschung sammeln dabei neue, hochaufgelöste Klimadaten aus Ägypten. Ziel ist es, eine aufs Jahr genaue Rekonstruktion der Nilfluten für die römische Zeit zu erhalten. Dabei wollen sich die Forschenden neben papyrologischen und archäologischen Quellen vor allem auf Jahrringdaten von hölzernen römischen Mumientäfelchen konzentrieren.

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