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Universität Basel

26. Mai 2016

Städte im Aufbruch: Historische Pressefotos zeigen jugoslawischen und türkischen Alltag

Panorama von Sarajevo
Rom vor dem Panorama von Sarajevo, 1939 (Fotograf: Alija M. Akšamija, © Mehmed A. Akšamija)

Nach dem Ersten Weltkrieg erlebten Städte in Südosteuropa einen starken Modernisierungsschub. Eine neue wissenschaftliche Edition des Fachbereichs Nahoststudien der Universität Basel zeigt Pressefotos aus Jugoslawien und der Türkei aus den 1920er und 1930er Jahren. Eine Vernissage am 3. Juni 2016 stellt im Kollegienhaus die digitale Sammlung vor, die sich mit dem urbanen Alltagsleben der Zwischenkriegszeit befasst.

Seit fast drei Jahren sammelt, analysiert und ediert das Team um Prof. Nataša Mišković vom Fachbereich Nahoststudien der Universität Basel Fotomaterial aus den grossen Tageszeitungen Jugoslawiens und der Türkei aus den 1920er und 1930er Jahren. Die gesammelten Pressefotografien dokumentieren eindrücklich das gemeinsame osmanische Erbe dieser Länder — und den damaligen Zeitgeist.

Junge Nationen im Fokus der Kamera

Das Forschungsprojekt konzentriert sich auf die Städte Belgrad und Sarajevo, Istanbul und Ankara. Vier Städte im Königreich Jugoslawien und in der Republik Türkei, die einst zum Osmanischen Reich gehört hatten und die in den Jahrzehnten vor und nach dem Ersten Weltkrieg einen von den Regierungen gezielt geförderten Modernisierungs- und Urbanisierungsschub erlebten.

Die grossen Tageszeitungen leisteten sich damals erstmals fest angestellte Fotoreporter. Diese loteten mit grossem Enthusiasmus die Möglichkeiten der Pressefotografie aus, die nach der Erfindung der Leica-Kamera aufblühte. Ihre Bilder zeigen eine dynamische Zeit zwischen Tradition und Umbruch. Gotteshäuser und Basare, in denen die Zeit stehen geblieben scheint, kontrastieren mit modernen Stadtzentren. Sportanlässe feierten Hochkonjunktur, ebenso Militärparaden. Immer zur Stelle waren die Fotoreporter mit ihren Kameras, wie Selahattin Giz in Istanbul, oder Aca Simić auf seinem Motorrad samt Seitenwagen in Belgrad.

Im Unterschied zu schriftlichen Quellen eröffnen Bilder dem Betrachter einen viel unmittelbareren Zugang zur Vergangenheit. Die wissenschaftliche Arbeit mit Bildmaterial stellt gleichzeitig eine grosse Herausforderung dar. Um die Entstehungsgeschichte historischer Fotos zu klären, ist viel Geduld und Detektivarbeit gefragt. Dazu arbeitete Miškovićs Team eng mit Archiven, Museen, privaten Sammlern und Spezialisten in der Türkei, Serbien und Bosnien zusammen.

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