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Universität Basel

05. September 2018

Energiezukunft Schweiz – wohin führt der Weg?

Prof. Dr. Frank Christian Krysiak, Leiter des Competence Center for Research in Energy, Society and Transition (SCCER CREST). (Bild: Universität Basel, Basile Bornand)
Prof. Dr. Frank Christian Krysiak, Leiter des Competence Center for Research in Energy, Society and Transition (SCCER CREST). (Bild: Universität Basel, Basile Bornand)

2017 hat die Schweizer Bevölkerung über die zukünftige Energiestrategie des Landes entschieden. Ein Jahr danach lädt das Forschungszentrum SCCER CREST am 11. September zur Diskussion über den weiteren Weg ein. Professor Frank Krysiak, Umweltökonom an der Universität Basel, hat im Vorfeld der Veranstaltung einige Fragen zur Energiezukunft beantwortet.


Herr Krysiak, welches sind die grössten Herausforderungen bei der Umsetzung der Schweizer Energiezukunft?

Es gibt aktuell zwei grosse Herausforderungen. Wir können die Ziele, die sich die Schweiz gesetzt hat, mit den bereits heute existierenden Technologien erreichen. Dazu braucht es aber die richtigen politischen Instrumente, damit die notwendigen Investitionen vorgenommen und die Energienutzung verringert wird. Eine zweite Herausforderung sind die Strommärkte: wir wechseln nun von einem Energiesystem, das stark politisch gesteuert wurde und wenig Markt hatte, zu einem System, das viele kleine Stromproduzenten hat. Die Entscheidungen all dieser Produzenten können wahrscheinlich nur durch einen Markt koordiniert werden, dafür braucht es aber ein gutes Marktdesign. Es stellt sich daher die Frage, wie ein solcher Strommarkt aussehen sollte.

Wo steht die Schweizer Energiestrategie im Vergleich mit anderen Ländern?

Das kommt auf die verschiedenen Teile der Strategie an. Im Bereich Einführung der erneuerbaren Energie liegt die Schweiz 10 bis 15 Jahre hinter anderen Ländern. Im Bereich der Energieeffizienz dagegen, also des Rückgangs des Energieverbrauchs pro Kopf, strebt die Schweiz etwas an, was noch kein anderes Land geschafft hat. Das ist ein ambitioniertes, wenn auch erfüllbares Ziel. Hinzu kommt, dass die Schweiz anders als andere Industrieländer sehr stark darüber diskutiert, wo der Strom herkommt. Und dies obwohl die Schweiz schon lange in manchen Jahreszeiten Strom importiert und in anderen exportiert. Das macht die Umstellung des Energiesystems viel schwieriger. Hier scheint die Diskussion über das Verhältnis zur EU auch in den Energiebereich übergeschwappt zu sein.

Haushalte sind nach dem Verkehr eine der grössten Stromverbraucher in der Schweiz. Was muss geschehen, damit die Haushalte ihren Umgang mit Energie überdenken?

In der Forschung zeigt sich, dass in einzelnen Gruppen tatsächlich ein Wertewandel stattfinden und helfen kann. Energie kann ein Gut werden, das nicht einfach unbewusst konsumiert wird, sondern der Verbrauch wird zu einer bewussten Entscheidung. Man kann und soll dies nicht erzwingen, es ist aber möglich gesellschaftliche Prozesse zu unterstützen, die einen Wertewandel begünstigen. Eine zweite Möglichkeit besteht darin, Energie durch die Berücksichtung aller anfallenden Kosten teurer zu machen, sodass die Menschen ihren Konsum überdenken. Bei einer dritten Lösung geht es darum, dass es eigentlich gar keine bewusste Entscheidung braucht, da sich heute vieles über Automatisierung erreichen lässt. Durch intelligente Haussysteme etwa können viele Einsparungen bewirkt werden, und das ohne Komfortverlust. Letztlich wird es eine Kombination aus allen drei Ansätzen sein.

Was kann jede und jeder von uns heute schon machen, um Energie zu sparen?

Zunächst sollte man sich darüber bewusst werden, wofür man wie viel Energie braucht. Der wirklich grosse Energieverbrauch kommt meist von Reisen mit Langstreckenflügen, vom Freizeitverkehr und von beruflichen Reisen. Hier kann man sich die Frage stellen, ob es den Kurztrip nach New York für das eigene Wohlbefinden wirklich braucht. Oder ob ein Pendelweg von über einer Stunde jeden Tag wirklich wünschenswert ist. Vorschreiben oder erzwingen sollte man nichts, aber man kann den Menschen helfen, über die richtigen Dinge nachzudenken. Um das zu erreichen ist es wichtig, den Menschen aufzuzeigen, dass Energiesparen häufig gar kein Verzicht an Lebensqualität bedeutet.

Dieses Jahr gab es wieder einen sehr heissen Sommer. Wie wirkt sich ein solcher Hitzesommer auf den Energieverbrauch aus?

In der Schweiz wirkt er sich kaum aus. Privatgebäude sind hierzulande selten klimatisiert, öffentliche Gebäude sind es teilweise und Büroräume häufig. Letztere sind oftmals aber auch die Gebäude, die über die effizienteste Technologie verfügen. In den Statistiken machen sich Hitzesommer somit nur wenig bemerkbar. Sehr kalte Winter sind hier eher auffällig.

Am 11. September wird über die Energiezukunft der Schweiz diskutiert. Was erhoffen Sie sich von der Veranstaltung?

Nachdem nun gut ein Jahr seit der Abstimmung über das erste Massnahmenpaket vergangen ist, geht es darum zu sehen, wo wir stehen und was noch alles getan werden muss. Dazu gibt es zwei Vorträge aus der Wissenschaft und zwei aus der Praxis. Die Referenten sollen dabei auch visionär aufzeigen, wie sie sich den Weg in die Energiezukunft vorstellen. Ziel ist es, die Diskussion, die bisher vor allem in der Forschung und in Teilen der Politik geführt wurde, nach aussen zu tragen. So kann auch überprüft werden, welche Bedeutung die in der Forschung aktuellen Themen für die Menschen haben und ob es Aspekte gibt, die wir noch besser kommunizieren können.

«Energiezukunft Schweiz – wohin führt der Weg?»

Die Veranstaltung «Energiezukunft Schweiz – wohin führt der Weg?» findet am 11. September 2018 in der Aula des Kollegienhauses statt. Sie beginnt um 16.30 Uhr und dauert bis 19.00 Uhr. Neben Vorträgen aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaf und Politik gibt es abschliessend eine gemeinsame Diskussion mit dem Publikum über die Energiezukunft. Die Teilnahme ist kostenlos, die Teilnehmerzahl ist jedoch begrenzt. Die Anmeldung erfolgt unter www.energiezukunft-schweiz.ch.

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