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Ehrendoktor der Universität Zürich für Ingeborg Schwenzer

Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich hat an ihrem Dies academicus 2026 die Würde einer Doktorin ehrenhalber an Prof. em. Dr. Ingeborg Schwenzer, LL.M, verliehen.

08. Mai 2026

Die Rechtswissenschaftliche Fakultät würdigt damit eine herausragende Wissenschaftlerin, die sich nicht nur mit zentralen gesellschaftlichen Fragen im Familien-, Schuld- und internationalen Kaufrecht vertieft über Länder- und Kulturgrenzen hinweg beschäftigt hat, sondern die auch den wissenschaftlichen Nachwuchs aus aller Welt für Forschung und Lehre zu begeistern vermochte.

Ingeborg Schwenzer ist emeritierte Professorin für Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Universität Basel und war lange Jahre Dekanin der Swiss International Law School. Sie ist zudem Adjunct Professor an der Bond University (Gold Coast, Australien) und frühere Adjunct Professor an der City University (Hong Kong) und an der Griffith University (Brisbane, Australien). Ingeborg Schwenzer studierte von 1970 bis 1975 Rechtswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Deutschland. In der Zeit zwischen den Staatsexamina absolvierte Ingeborg Schwenzer ein LL.M.-Studium an der UC Berkeley School of Law, USA und wurde 1978 an der Universität Freiburg zum Dr. iur. promoviert.

Nach Beendigung der Habilitation im Jahre 1987 wurde ihr die Venia legendi für Privatrecht, Handelsrecht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung erteilt. Ihren ersten Ruf erhielt sie von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, wo sie 1987 bis 1989 tätig war. 1989 folgte Ingeborg Schwenzer einem Ruf an die Universität Basel, an der sie als Professorin für Privatrecht und Rechtsvergleichung bis zu ihrer Emeritierung im Jahre 2017 durchgehend tätig war. 

Ingeborg Schwenzer gehört zu den international einflussreichsten Stimmen im Privatrecht und in der Rechtsvergleichung. Sie verknüpft in ihrer Tätigkeit Wissenschaft und Praxis: Sie war 1993–2006 Mitglied des Vorstands des Schweizer Instituts für Rechtsvergleichung, beriet von 2011–2014 das Schweizer Justizdepartement in Belangen des Familienrechts und vertrat 2012 bis 2016 die Schweiz bei den Vereinten Nationen in der Kommission zu Internationalem Handelsrecht (UNICTRAL). Gleichzeitig war sie Mitglied des Senats der Deutschen Forschungsgemeinschaft, beriet den Deutschen Bundesgerichtshof zur gleichgeschlechtlichen Ehe und war als Expertin für den Deutschen Wissenschaftsrat tätig. Sie war als Gastprofessorin weltweit unterwegs, u.a. in Brasilien, China, Frankreich, Kamerun, Mexiko, Neuseeland, Norwegen, Südafrika und USA. 2001–2018 war sie als Mitglied der Expertengruppe der Commission on European Family Law tätig. 2000 wurde sie als Mitglied der International Academy of Comparative Law, 2003 des CISG Advisory Council, 2008 der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, 2010 des European Law Institute und 2015 des American Law Institute gewählt.

Ingeborg Schwenzer hat sich im Laufe ihrer wissenschaftlichen Karriere mit grosser Leidenschaft zwei Rechtsgebieten gewidmet: dem Familienrecht sowie dem Obligationenrecht, insbesondere dem Kaufrecht. Sie bearbeitete diese Rechtsgebiete mit grosser analytischer Schärfe, systematischer Tiefe und im ständigen rechtsvergleichenden Dialog. Ihr Engagement für den wissenschaftlichen Austausch über Länder- und Kulturgrenzen hinweg hat wesentlich zur Internationalisierung der Privatrechtswissenschaft beigetragen. Im Bereich des Familienrechts initiierte Ingeborg Schwenzer 2003 die Gründung des «Centrum für Familienwissenschaften» in Basel, rief gemeinsam mit Andrea Büchler die «Schweizer Familienrechtstage» ins Leben und begründete die «Schriftenreihe zum Familienrecht» (Stämpfli) sowie die Fachzeitschrift «Die Praxis des Familienrechts» (Stämpfli). Zudem gab sie den renommierten «Kommentar zum Familienrecht – Scheidung» heraus (Stämpfli). Ihr Lehrbuch zum Allgemeinen Teil des Schweizerischen Obligationenrechts (Stämpfli) gilt bis heute als Standardwerk und wird sowohl in der Lehre als auch in der Praxis breit rezipiert. Auf internationaler Ebene veröffentlichte sie bei Oxford University Press das umfassende Werk «Global Sales and Contract Law», das weltweit Beachtung findet und Massstäbe setzt. Darüber hinaus ist sie Herausgeberin und Mitautorin des international führenden Kommentars zum UN-Kaufrecht. Sie hat über 200 wissenschaftliche Aufsätze veröffentlicht.

Das wissenschaftliche Lebenswerk von Ingeborg Schwenzer reicht aber weit über ihre Publikations-, Expertinnen- und Beratungstätigkeit hinaus: Ihre akademische Laufbahn ist ebenso geprägt von ihrem unermüdlichen Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs, den sie nie als Pflicht, sondern immer als Teil ihres wissenschaftlichen, dem Menschen verpflichteten Ethos verstand. Sie hat über Jahrzehnte hinweg zahlreiche Jurist:innen geprägt – nicht nur fachlich, sondern auch menschlich. Ihre Rolle als engagierte Mentorin nimmt sie bis heute wahr.

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