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Im Fokus: Stavros Stagakis misst Basels CO2-Atem

Stavros Stagakis auf dem Dach des Departement Umweltwissenschaften neben der CO2-Messstation
Stavros Stagakis betreut die CO2-Messstation auf dem Dach des Departements Umweltwissenschaften. (Foto: Universität Basel, Eleni Kougionis)

Dass CO2-Emissionen angesichts des Klimawandels sinken müssen, ist unumstritten. Doch wie viel CO2 stossen Städte heute tatsächlich aus? Der Postdoc Stavros Stagakis beschäftigt sich am Departement Umweltwissenschaften mit Möglichkeiten des Messens.

28. Juli 2026 | Michelle Isler

Stavros Stagakis auf dem Dach des Departement Umweltwissenschaften neben der CO2-Messstation
Stavros Stagakis betreut die CO2-Messstation auf dem Dach des Departements Umweltwissenschaften. (Foto: Universität Basel, Eleni Kougionis)

Bis 2037 will Basel seine Treibhausgasemissionen auf Netto-Null senken. Viele Städte weltweit haben ähnliche Ziele. Nicht ohne Grund: Gemäss Schätzungen des Weltklimarats sind Städte für über 70 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Bisher beruhten die Berechnungen zum Ausstoss von Treibhausgasen einzelner Städte auf vielen Annahmen. Der Umweltwissenschaftler Stavros Stagakis verfolgt einen anderen Weg: Monitoring mit Echtzeitdaten. 

Das ist herausfordernd: «Beim CO2-Austausch zwischen einem Wald und der Atmosphäre bestimmt man ein möglichst homogenes Stück Wald mit einheitlicher Vegetation für die Messungen», erklärt der Forscher. «Bei Städten gibt es keine homogenen Bedingungen.» Diese Komplexität reizte ihn in seiner wissenschaftlichen Laufbahn schon immer. 

Die längste städtische Messreihe weltweit

Stagakis absolvierte einen Bachelor in angewandter Biologie an der Universität Ioannina im gebirgigen Nordwesten Griechenlands. Gleichenorts spezialisierte er sich in seinem PhD auf Fernerkundung (Remote Sensing) und Klima-Ökosystem-Interaktionen. 

Stavros Stagakis im Porträt
Stagakis kam 2019 nach Basel, um die hiesige CO2-Messmethode zu studieren. (Foto: Universität Basel, Eleni Kougionis)

Nach weiteren Forschungsstationen in Griechenland und Spanien folgte der Umzug nach Basel. Der Grund dafür befindet sich auf dem Dach des Departements für Umweltwissenschaften: eine CO2-Messstation, deren graues Metallgerüst schon von der Klingelbergstrasse aus sichtbar ist. Seit 2004 werden hier ununterbrochen CO2-Emissionen aufgezeichnet. Es ist die längste städtische Messreihe weltweit.

Jetzt sitzt Stagakis – olivgrünes T-Shirt, sich abwechselnde Grautöne in Bart und Haar, breites Lachen – in einem Sitzungszimmer ein paar Stockwerke unter der Station und erinnert sich an seine Anfangszeit hier: 2019 ermöglichte ihm ein Marie-Curie-Grant ein zweijähriges Projekt in Basel, um die hiesige CO2-Messmethode zu studieren. Sein Ziel war, ähnliche Methoden für die europäische Forschungsinfrastruktur Integrated Carbon Observation System (ICOS) zugänglich machen.

Zwei Jahre später beschloss die Europäische Union mit dem Green Deal die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen und ICOS lancierte ein Grossprojekt, das sich erstmals mit den CO2-Emissionen von Städten befasste – auch in der Schweiz. «Das war genau mein Thema, eine tolle Chance», erinnert sich Stagakis.

Am liebsten draussen

Vier Jahre dauerte das ICOS Cities-Projekt, eine Zeit mit intensiver Feldarbeit: Stagakis war verantwortlich für eine eigens nach der Basler Methode eingerichtete Station in Zürich. Beim Erzählen leuchten seine Augen auf: «Diese Arbeit draussen ist der Lieblingsteil meines Jobs.» Das merkte er schon im Biologiestudium, als er sich auf Biochemie oder Pharmazeutik spezialisieren wollte, sich dann aber in den Laboren langweilte.

Aktuell hat er beruflich diverse Hüte auf. Nach Abschluss des ICOS-Projekts Ende 2025 wurde er leitender Forscher der Basler Messstation. Zudem ist er in leitenden Positionen in zwei weitere wissenschaftliche Projekte involviert. «Das ist viel Management-Arbeit», sagt er. Etwa 40 Prozent seiner Arbeitszeit bleibt für eigene Forschung, Papers, Konferenzen. 

Stavros Stagakis in einem Labor mit einer Vielzahl an Messgeräten; in seiner Hand eines zum Messen von Wind
Stavros Stagakis testet ein Anemometer (einen Windmesser) im Labor, bevor er es in die Messstation integriert. Wind mit hoher Präzision zu messen ist wichtig für die verwendete CO2-Messmethode. (Foto: Universität Basel, Eleni Kougionis)

Abschalten kann er in den Künsten: Er lernt Schlagzeugspielen, interessiert sich für Filme und hat in Basel Zugang zu einer weiteren Sparte gefunden: «Es gibt hier so viele interessante Kunstausstellungen. In Griechenland hat man solche Möglichkeiten nur in Athen.»

Von Messungen zu Massnahmen

Stagakis’ Forschung mit Echtzeit-CO2-Daten ist interessant für alle Städte, die mit Massnahmenkatalogen ihre Emissionen senken wollen. Noch fehlen aber Tools, um die wissenschaftlichen Daten für die öffentliche Hand wirklich nutzbar zu machen. «Allmählich sind Startups bereit, in diese Übersetzungsarbeit zu investieren», so Stagakis. «Ich bin optimistisch, dass die Wirtschaft in den nächsten Jahren hier Lücken schliesst.»

Wo Stagakis dann sein wird, weiss er noch nicht. Irgendwann werde es ihn zurück nach Griechenland zu seiner Familie ziehen. Doch inhaltlich hat er eine nächste Challenge vor Augen: Den CO2-Ausstoss aus natürlichen Quellen – etwa dem menschlichen Atem – von demjenigen zu unterscheiden, der beim Verbrennen von fossilen Energieträgern entsteht: «Etwa zehn Prozent des gemessenen CO2 hier auf dem Dach könnte durch die Atmung von Personen aus der Nachbarschaft entstanden sein», sagt er amüsiert. «Das ist natürlich kein vermeidbares CO2. Für die Netto-Null-Ziele wäre es deshalb hilfreich, wir könnten CO2-Emissionen fossiler Energieträger von anderen Quellen natürlichen Ursprungs unterscheiden.»

Weitere Informationen zur Forschung.

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