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Sechs Forscherinnen der Universität Basel erhalten ERC Starting Grants

Panoramaansicht der historischen Gebäude von Basel am Rhein, mit dem Logo des European Research Council (ERC) über dem Himmel eingeblendet.
Basel, Alte Universität. (Foto: Universität Basel, Mark Niedermann)

Im Wettbewerb um die prestigeträchtigen ERC Starting Grants haben sich sechs Wissenschaftlerinnen an der Universität Basel durchgesetzt. Sie erhalten zwischen 1,5 und 2,3 Millionen Euro während fünf Jahren, um die eigene Forschungsgruppe auf- oder auszubauen und ambitionierte Projekte zu verwirklichen. Ihre Projekte werden sie an den Departementen Biomedizin, Biozentrum, Gesellschaftswissenschaften, Geschichte und Biomedical Engineering umsetzen.

03. September 2026

Panoramaansicht der historischen Gebäude von Basel am Rhein, mit dem Logo des European Research Council (ERC) über dem Himmel eingeblendet.
Basel, Alte Universität. (Foto: Universität Basel, Mark Niedermann)

Mit 4807 Anträgen auf die ERC Starting Grants verzeichnet der Europäische Forschungsrat einen neuen Rekord. Nur 421 Bewerbungen, also 8,8 Prozent der Anträge, erhielten den Zuschlag, darunter 36 aus der Schweiz. Unter den erfolgreichen Antragsstellenden sind auch sechs Wissenschaftlerinnen, die ihre Projekte an der Universität Basel verwirklichen wollen. 

Zwei der ERC Starting Grants bedeuten zugleich eine Premiere: Erstmals werden sie an Forschende der Philosophisch-Historischen Fakultät vergeben.

Immunabwehr gegen Leukämie stärken

Petya Apostolova
Prof. Dr. Petya Apostolova (Foto: Chesa Cuan, Departement Biomedizin, Universität Basel)

Prof. Dr. Petya Apostolova und ihr Team am Departement Biomedizin untersuchen, warum akute myeloische Leukämie (AML) selbst nach einer Stammzelltransplantation zurückkehren kann. Im Fokus stehen bestimmte Fettmoleküle, die nach einer Chemotherapie verstärkt eine Rolle spielen und Leukämiezellen möglicherweise vor Angriffen des Immunsystems schützen.

Im ERC-geförderten Projekt wollen die Forschenden herausfinden, wie diese Schutzmechanismen funktionieren und ob sie sich gezielt ausschalten lassen. Dadurch könnte die Immunabwehr gegen die Leukämie gestärkt und die Behandlung nach einer Stammzelltransplantation verbessert werden.

Wie Lungentumore Nervenzellen verändern

Karen Dixon
Prof. Dr. Karen Dixon (Foto: zvg)

Ebenfalls im Bereich Krebsforschung bewegt sich das Projekt von Prof. Dr. Karen Dixon. Mit ihrem Team am Departement Biomedizin erforscht sie, wie das Nervensystem die Immunabwehr gegen Lungenkrebs beeinflusst. Im Mittelpunkt stehen bestimmte Nervenzellen, die Entzündungssignale im Gewebe wahrnehmen. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Nervenzellen mit Immunzellen kommunizieren und deren Verhalten verändern können. 

Bei Krebs könnte dieses Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht geraten und dem Tumor helfen, der Immunabwehr zu entkommen. Das ERC-geförderte Projekt fokussiert darauf, wie Lungentumore diese Nervenzellen verändern und wie sich das wiederum auf Immunzellen im Tumor auswirkt. Langfristig könnten sich auf Basis solcher Erkenntnisse neue Ansatzpunkte für Krebstherapien eröffnen.

Riesenvirus versus Bakterium

Yuping Li
Prof. Dr. Yuping Li (Foto: Biozentrum, Universität Basel)

Prof. Dr. Yuping Li erforscht mit ihrem Team am Biozentrum sogenannte Jumbophagen, besonders grosse Viren, die Bakterien infizieren, und wie sich Bakterien gegen sie schützen. Im ERC-geförderten Projekt wollen die Forschenden die grundlegenden Mechanismen im Wettrüsten dieser beiden Gegner ergründen: auf der einen Seite die bakterielle Abwehr, auf der anderen die Strategien der Jumbophagen.

Die Phagen schützen ihr Erbgut in speziellen Strukturen und können sich so der bakteriellen Abwehr teilweise entziehen. Li hat jedoch ein bakterielles Abwehrsystem entdeckt, das solche Infektionen dennoch erkennen und stoppen kann. Nun will das Team herausfinden, wie genau Bakterien eine Infektion mit Jumbophagen erkennen und welche Rolle bestimmte Phagenproteine dabei spielen.

Das materielle Nachleben von Architektur

Cathelijne Nuijsink
Dr. Cathelijne Nuijsink (Foto: Natalia Olhova)

Dr. Cathelijne Nuijsink untersucht am Departement Gesellschaftswissenschaften, wie sich die Architekturgeschichte verändert, wenn sie nicht mit dem Entstehen von Gebäuden beginnt, sondern mit deren Verschwinden. Sie verfolgt, was mit Gebäuden und ihren Materialien geschieht, wenn sie verfallen, abgerissen, weiterverwendet oder entsorgt werden. Zugleich fragt sie, warum dieses materielle Nachleben in Archiven und in der Architekturgeschichtsschreibung häufig unsichtbar bleibt.

Zusammen mit ihrem Team untersucht Nuijsink, wie Bauabfälle entfernt, weitergegeben, repariert, wiederverwendet oder dauerhaft abgelagert werden und welche wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Folgen damit verbunden sind. Dabei nimmt das Projekt auch Fragen zu Arbeit, Umweltschäden und ungleicher Belastung in den Blick. Es verbindet Ansätze aus Umweltgeschichte, Abfallforschung, Umweltgerechtigkeit und Critical Race Studies, um Architektur von ihrem materiellen Ende her neu zu betrachten.

Minderheiten in der Sowjetunion

Olena Palko
Prof. Dr. Olena Palko (Foto: Anna Schmidt, Universität Basel)

Prof. Dr. Olena Palko untersucht in ihrem Forschungsprojekt am Departement Geschichte die sowjetische Nationalitätenpolitik und ihre Wirkung über die Grenzen der Sowjetunion hinaus. Wie ging die Sowjetunion im Innern mit ethnischer und sprachlicher Vielfalt um? Und wie präsentierte sie ihre Politik über die eigenen Grenzen hinaus als Modell? Palko verknüpft diese Fragen mit einer breiteren Untersuchung des Minderheitenschutzes in der Zwischenkriegszeit und analysiert, wie das sowjetische Modell während des Kalten Krieges international wahrgenommen und aufgegriffen wurde.

Die Historikerin schlägt zudem den Bogen zur Aktualität, indem sie langfristige Folgen sowjetischer Nationalitätenpolitik beleuchtet. Diese wirken bis heute nach, etwa in regionalen Konflikten im postsowjetischen Raum wie Russlands Krieg gegen die Ukraine oder dem Konflikt um Bergkarabach, in denen das Verhältnis zwischen Mehrheiten und Minderheiten häufig politisch instrumentalisiert wird. Darüber hinaus berührt das Projekt grundlegende Fragen:  Wie lassen sich Minderheitenrechte schützen? Und was bedeutet es für eine Gesellschaft und eine Demokratie, wenn ihre Vielfalt zunehmend unter Druck gerät?

Darmflora in der Kindesentwicklung

Burcu Tepekule
Prof. Dr. Burcu Tepekule (Foto: zvg)

Prof. Dr. Burcu Tepekule und ihr Team am Departement Biomedical Engineering und dem Basel Research Center for Child Health BRCCH wollen herausfinden, warum manche Säuglinge Störungen der Darmflora gut verkraften, während sie bei anderen langfristige Folgen haben können. Solche Störungen entstehen zum Beispiel durch Antibiotika, Infektionen oder Veränderungen der Ernährung. Die Forschenden untersuchen, welche Phasen der frühen Entwicklung besonders empfindlich sind und warum Kinder unterschiedlich darauf reagieren. 

Im ERC-geförderten Projekt will Tepekule mit ihren Mitarbeitenden Modelle entwickeln, die Daten zur Darmflora, Darmbarriere und zum Immunsystem über längere Zeit zusammenführen. So wollen sie erkennen, bei welchen Kindern frühe Störungen anhaltende Auswirkungen haben und welche Faktoren rund um die Geburt dabei eine Rolle spielen. Langfristig könnte das helfen, Risiken früher zu erkennen und vorbeugende Massnahmen gezielter einzusetzen.

Unterstützung für Forschende: Grants Office der Universität Basel

Die ERC Starting Grants unterstützen talentierte Forschende bei der Umsetzung ambitionierter Forschungsprojekte über einen Zeitraum von fünf Jahren. Forschende, die sich bei der nächsten ERC-Starting-Grant-Ausschreibung mit Deadline 14. Oktober 2026 bewerben möchten oder Fragen zu dieser Ausschreibung haben, sind gebeten, sich mit dem Grants Office in Verbindung zu setzen: grants@unibas.ch.

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