x
Loading
+ -

Neue Gentherapie vor dem Schritt in die Klinik

Fluoreszenzmikroskopische Aufnahme von runden Zellstrukturen.
Bei der LAMA2-Muskeldystrophie ist das Muskelfasergerüst (gelb) geschwächt, sodass Muskelfasern degenerieren und Immunzellen (rot) in das Gewebe einwandern. (Bild: Universität Basel, Biozentrum)

Forschende der Universität Basel haben einen vielversprechenden therapeutischen Ansatz entwickelt, der eine bisher unheilbare, tödlich verlaufende Muskelkrankheit bei Kindern aufhalten könnte. Im Tiermodell korrigierte eine einmalige Behandlung die biologischen Defekte nachhaltig. Nun bereitet das Team den Übergang in die klinische Phase am Menschen vor.

Genetische Ursache im Fokus

Die sogenannte LAMA2-Muskeldystrophie ist eine seltene, angeborene Erbkrankheit. In der Schweiz wird etwa ein Kind pro Jahr mit dieser Diagnose geboren; aktuell sind 19 Familien betroffen. Aufgrund eines Gendefekts fehlt den Betroffenen ein strukturelles Protein, was bereits kurz nach der Geburt zu schwerer Muskelschwäche und verminderter Körperspannung führt. Im Krankheitsverlauf baut die Muskulatur kontinuierlich ab, was im Kindes- oder Jugendalter durch das Versagen der Atemmuskulatur oft letal endet.

Wirksamkeitsnachweis im Tiermodell

Die Forschungsgruppe von Prof. Dr. Markus Rüegg am Biozentrum der Universität Basel entwickelt zusammen mit dem universitären Spin-off SEAL Therapeutics AG seit einigen Jahren eine spezifische Gentherapie. Im Fachjournal «Molecular Therapy» veröffentlichte das Team jüngst wegweisende präklinische Daten: Bei einer Verabreichung direkt nach der Geburt zeigten die behandelten Mäuse eine deutlich verbesserte Lebenswartung sowie eine weitgehend normale Funktion von Muskeln und Nerven.

Ein wesentlicher Fortschritt des optimierten Ansatzes liegt darin, dass nicht nur die Muskelschwäche therapiert, sondern auch die begleitende Neuropathie (Schädigung der peripheren Nerven) signifikant reduziert wird. Selbst bei einer späteren Verabreichung im fortgeschrittenen Krankheitsstadium profitierten die Tiere noch durch eine messbare Steigerung der Muskelkraft.

Darüber hinaus besitzt dieser innovative, mutationsunabhängige Behandlungsansatz das Potenzial, als technologischer Vorreiter für die Therapie weiterer erblicher Muskel- und Nervenerkrankungen zu dienen.

Die Hürde der klinischen Translation

Die präklinischen Daten sind vollständig validiert und öffentlich zugänglich. Um die Therapie jedoch zu den Patientinnen und Patienten zu bringen, müssen nun klinische Studien am Menschen eingeleitet werden. Die grösste Herausforderung liegt hierbei in der technologisch hochkomplexen und kostenintensiven Produktion der benötigten Genfähren (AAV-Vektoren) nach GMP-Standards (Good Manufacturing Practice) sowie in den vorgeschriebenen toxikologischen Sicherheitsprüfungen.

An dieser Schnittstelle versagen die klassischen Mechanismen des kommerziellen Risikokapitals. Aufgrund der geringen Patientenzahlen und der verbleibenden regulatorischen Risiken ist die Entwicklung für die pharmazeutische Industrie und rein gewinnorientierte Investoren wirtschaftlich kaum attraktiv.

Erfolgsmodell Philanthropie

Dass das Projekt den aktuellen Reifegrad erlangen konnte, ist der kontinuierlichen Unterstützung durch Stiftungen und Patientenorganisationen zu verdanken. Sowohl die akademische Forschung als auch die SEAL Therapeutics AG wurden bisher überwiegend philanthropisch getragen:

  • Forschungsgruppe Biozentrum: Langjährige Kernfinanzierung (1997–2005) durch die Schweizerische Stiftung zur Erforschung der Muskelkrankheiten (FSRMM) und die US-amerikanische Muscular Dystrophy Association (MDA). Weitere Beiträge leisteten CURE CMD (USA) und die AFM-Téléthon (Frankreich). Von 2019 bis 2022 erfolgte zudem eine Unterstützung durch die Innovationsförderung des Bundes (Innosuisse).
  • SEAL Therapeutics AG: Nach dem Ausstieg eines anfänglichen Industriepartners wurde das Spin-off Ende 2021 gegründet. Hauptinvestorin ist die FSRMM, ergänzt durch Spenden der Patientenorganisationen Voor Sara (Niederlande) und Emily’s Future is Now (Tessin).

Finanzierungsbedarf für die nächsten Meilensteine

Die Universität Basel beweist mit diesem Projekt ihre wissenschaftliche Exzellenz in der translationalen Medizin. Damit dieser Durchbruch den Weg aus dem Labor in die Klinik findet, ist die Initiative weiterhin auf starke private und institutionelle Förderer angewiesen. Gerne stellen wir Ihnen das Forschungsprojekt im persönlichen Austausch vor.

Weiterführende Informationen

nach oben