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Unheilbare Muskelkrankheit: Erste Erfolge bei der Entwicklung einer Gentherapie

Fluoreszenzmikroskopische Aufnahme von runden Zellstrukturen.
Bei der LAMA2-Muskeldystrophie ist das Muskelfasergerüst (gelb) geschwächt, sodass Muskelfasern degenerieren und Immunzellen (rot) in das Gewebe einwandern. (Bild: Universität Basel, Biozentrum)

Forschende der Universität Basel haben eine mögliche Gentherapie entwickelt, die eine seltene, bislang tödlich verlaufende Muskelkrankheit bei Kindern heilen könnte. Sie zeigen im Tiermodell, dass eine einmalige Behandlung genügt, um Muskeln und Nerven zu stabilisieren und das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten. Nun geht es darum, diese vielversprechende Therapie in die Klinik zu bringen.

26. Februar 2026 | Katrin Bühler

Fluoreszenzmikroskopische Aufnahme von runden Zellstrukturen.
Bei der LAMA2-Muskeldystrophie ist das Muskelfasergerüst (gelb) geschwächt, sodass Muskelfasern degenerieren und Immunzellen (rot) in das Gewebe einwandern. (Bild: Universität Basel, Biozentrum)

Ungefähr jedes Jahr bekommt in der Schweiz eine Familie die niederschmetternde Diagnose, dass ihr Kind an einer schweren Form von Muskelschwäche leidet. Diese sogenannte LAMA2-Muskeldystrophie kommt zwar nur sehr selten vor, jedoch ist die Erbkrankheit immer noch unheilbar. Die Kinder fallen wegen ihrer fehlenden Körperspannung meist gleich nach der Geburt auf. Im Laufe des Lebens werden ihre Muskeln zunehmend schwächer und kraftloser. Viele von ihnen sterben bereits im Kindes- oder Jugendalter, weil schliesslich auch die Atemmuskulatur versagt.

Gentherapie gegen angeborene Muskelschwäche

Die Hoffnung der betroffenen Familien liegt auf einer Gentherapie, die das Team von Prof. Markus Rüegg am Biozentrum der Universität Basel mit seinem Spin-off SEAL Therapeutics seit einigen Jahren entwickelt. «Mit unserem ersten Ansatz konnten wir im Mausmodell für LAMA2-Muskeldystrophie die Muskelfunktion wiederherstellen und den Krankheitsverlauf bremsen», sagt Rüegg. «Diesen Ansatz haben wir weiter optimiert. Damit können wir nun nicht nur den kranken Muskel, also die Muskelschwäche, erfolgreich therapieren, sondern auch die Nervenschädigungen, die mit der Krankheit einhergehen.»

Wirksamkeit im Tiermodell nachgewiesen

In der aktuellen Studie, die nun in der Fachzeitschrift «Molecular Therapy» erschien, berichten die Forschenden, dass ihr gentherapeutischer Ansatz bei Mäusen mit LAMA2-Muskeldystrophie wirksam ist.

«Behandeln wir die Tiere gleich nach der Geburt, so entwickeln sie sich beinahe wie ihre gesunden Artgenossen. Sie leben lange und auch ihre Muskeln und Nerven funktionieren praktisch normal», sagt Studienleiterin Dr. Judith Reinhard.

«Selbst wenn wir die Gentherapie erst später verabreichen, profitieren die Mäuse davon. Die Muskelkraft verbessert sich und auch die Neuropathie, also die Schädigung der peripheren Nerven, ist weniger stark ausgeprägt als bei unbehandelten Tieren.»

Diese Arbeiten bedeuten einen Meilenstein in der Entwicklung dieser Gentherapie. «Nun können wir die nächsten Schritte einleiten, um die Wirksamkeit in klinischen Studien am Menschen zu testen», erklärt Reinhard. «Doch der Weg in die Klinik und zu den Patientinnen und Patienten, insbesondere die sehr aufwendige und teure Produktion dieser Therapie, bleibt eine grosse Herausforderung.»

Weg in die Praxis benötigt Finanzierung

Trotz des grossen potenziellen medizinischen Nutzens ist es für Unternehmen und Investoren wirtschaftlich wenig attraktiv, die Gentherapie zur Marktreife zu bringen. Dies liegt vor allem an der vergleichsweise geringen Zahl Betroffener, den hohen Produktionskosten und der Tatsache, dass Gentherapien nach wie vor mit Risiken verbunden sind.

«In der Schweiz gibt es 19 betroffene Familien», sagt Reinhard. «Wenn die Eltern die Diagnose erhalten, suchen sie im Internet und finden uns. Viele fragen, ob sie an einer klinischen Studie teilnehmen könnten – für die meisten sind wir eine grosse Hoffnung.» In den vergangenen Jahren haben die Forschenden ein grosses Netzwerk aufgebaut. Sie sind in Kontakt mit betroffenen Familien, Patientenorganisationen sowie Kinderärzten und Kliniken. Im Prinzip ist vieles schon aufgegleist, um die Studie weiterzuziehen, auch sämtliche präklinischen Daten sind öffentlich zugänglich.

Wie funktioniert die Gentherapie?

Die Ursache für die LAMA2-Muskeldystrophie (LAMA2 MD) sind Mutationen im Protein Laminin-α2. Dieses Protein verbindet die Zelle mit der umliegenden Bindegewebsstruktur. Es stabilisiert die Muskelfasern und sorgt für die Isolierung der motorischen Nerven, welche die Muskeln ansteuern und die Bewegungen kontrollieren. Ist Laminin-α2 defekt oder fehlt es, wie bei der LAMA2 MD, werden die Muskeln mit der Zeit immer schwächer und bauen sich ab; zudem ist die Signalweiterleitung durch die Nervenzellen beeinträchtigt.

Die Forschenden entwickelten eine Gentherapie, die die Bauanleitung für spezielle «Verbindungsproteine» gezielt in Muskel- und periphere Nervenzellen liefert. Diese Linker übernehmen im Körper die Funktion von Laminin-α2. In Tiermodellen reichte eine einmalige Behandlung aus, um sowohl Muskel- und Nervenfunktion als auch die Lebenserwartung erheblich zu verbessern.

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