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campus stories
08. Juli 2026 / Sprachen, Medien & Kunst , Shania Imboden

“Murder! Murder!” – Der Fachbereich Englisch wird zur Renaissance-Bühne

Eine Theaterszene im Kellertheater: Eine Person steht in schwarzer Kleidung auf der Bühne, während andere Figuren am Boden und unter einer Treppe positioniert sind; rechts liegt eine eingewickelte Leiche als Requisite.
Englisch-Studierende der Universität Basel führen ein düsteres Meisterwerk der englischen Renaissance auf: «The Duchess of Malfi» von John Webster. (Foto: Universität Basel, Serah Saner)

Englisch-Studierende haben sich ein Semester lang intensiv mit vier Renaissance-Dramen auseinandergesetzt. Als Höhepunkt brachten sie die Werke auf die Bühne – mit selbst organisierten Kostümen, Requisiten, live gespielter Musik und viel Eigeninitiative. Die 400 Jahre alten Texte haben nichts an ihrer Wirkung verloren.

„Does thou feel watching eyes?“, rezitiert eine Studentin und das Publikum im Innenhof lacht. Denn tatsächlich werden die Studierenden der Übung „Staging the Renaissance: From the Tavern to the Castle“ gerade angeschaut, während sie ihre Szenen aufführen. Während des Semesters beschäftigten sich die Studierenden intensiv mit vier Renaissance-Dramen, um schlussendlich in einer kleinen, aber beeindruckenden Aufführung jeweils zwei Szenen daraus zu präsentieren. 

Zu den Werken gehören “The Roaring Girl” von Thomas Dekker und Thomas Middleton, “The Spanish Tragedy” von Thomas Kyd, “As You Like It” von William Shakespeare und “The Duchess of Malfi” von John Webster. „Es ist wichtig zu zeigen, dass die Renaissance nicht nur aus Shakespeares grossen Werken bestand“, so Lehrbeauftragter Thomas Manson. 

Die Charaktere richtig kennenlernen

«Man kann diese Stücke nicht wirklich verstehen, ohne sie auf die Bühne zu bringen», sagt Manson. Erst so versteht man die Choreografie einer Szene, die Bedeutung von Auf- und Abtritten, denn diese Stücke sind geprägt von Bewegung. Charaktere kommen und gehen und durchqueren die Bühne – mal auffällig, mal beiläufig. «Vieles davon passiert im Hintergrund und man versucht herauszufinden, was dessen Sinn ist. Setzt man sich aber aktiv mit den Bewegungen der Charaktere auseinander, bekommt man ein Gespür für die Dynamiken im Drama und beginnt, die Rollen zu hinterfragen», so Manson.

Für einige der Studierenden ist das Performen nichts Neues. Einige von ihnen sind Teil der Gay Beggars – einer englischsprachigen Theatergruppe, die mit dem Fachbereich zusammenarbeitet – und kennen bereits das Gefühl, vor Publikum zu stehen. Aline gehört dazu und erklärt, wie die Gruppe mit den Texten in Frühneuenglisch umgeht: «Die Texte sind für viele nicht leicht verständlich, daher passen wir sie ein wenig an, ohne dass sie an Sinn und Kontext verlieren.» Schon kleine Veränderungen an einzelnen Sätzen können die Bedeutung des gesamten Stücks verändern. «Die Studierenden sollen ein Gespür für die Feinheiten der Sprache entwickeln und weiter ausbauen», so Manson.

Aline schätzt es, dass sie sich intensiv mit den Texten auseinandersetzen und so ihr theoretisches Wissen über Literatur mit der Praxis verbinden kann. «Nicht viele Veranstaltungen haben einen praxisorientierten Bezug zur Literatur», ergänzt Englisch-Student Sandro. Umso mehr habe ihn die Übung motiviert, selbst eine Rolle zu übernehmen.

Die Räume der Texte auf die Bühne bringen

Wer lieber hinter den Kulissen arbeitet, ist dabei genauso willkommen. «Es ist wichtig, dass sich alle mit ihren Aufgaben wohlfühlen», betont Manson. So übernahmen Studierende auch Verantwortung für Kostüme, Licht und Musik, die live vorgetragen wurde. Die Kreativität im Umgang mit den vorhandenen Ressourcen ist beeindruckend. So wurden Kostüme passend zu den Rollen und zeitlichen Kontexten gewählt.

Studierende führen im Innenhof eine Szene aus einem Renaissance-Drama auf; einige stehen an Fenstern, andere befinden sich vor dem Gebäude und an einem Brunnen.
Der Innenhof des Fachbereichs Englisch wird zur Bühne: Mit Kostümen, Requisiten und den Fenstern des Gebäudes als Kulisse lassen die Studierenden eine Szene aus «The Roaring Girl» lebendig werden. (Foto: Universität Basel, Serah Saner)

Die Aufführung beginnt im schönen Innenhof. Mit gebastelten Ladenschildern, Kleiderständern und stimmigen Kostümen erweckt die Gruppe ihre Szene aus «The Roaring Girl» zum Leben. Die Atmosphäre der damaligen Londoner Strassen soll spürbar werden, wobei die Fenster des alten Gebäudes ihnen als Kulisse dienen. Der Raum spielt dabei eine zentrale Rolle. «Die Studierenden erforschten die Räume der Stücke und überlegten, wie sie diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten sinnvoll umsetzen können», so Manson. Sie übersetzen so die Räume aus den originalen Texten in die Räume des Fachbereichs Englisch.

Zwischen Zwangsjacken, Leichen und Psychoterror

Die Studierenden führen das Publikum in einem nächsten Teil in den Keller des Fachbereichs Englisch. Steinwände und Holztreppen schaffen die perfekte Atmosphäre für das schaurige Drama, das sich bald auf der Bühne entfaltet. Die Schauspieler*innen sind schon einsatzbereit, als Zuschauer*innen den Raum betreten. 

Edle Gewänder und böses Lachen legen die Abgründe einzelner Charaktere offen, während andere in weissen Gewändern und Zwangsjacken auf dem Boden sitzen und den psychischen Terror der Szene verkörpern. Und als ob die überzeugende Darbietung nicht genug wäre, öffnet sich ein Fenster hoch oben in der Kulisse. Mit einem Knall fällt eine aus alten Säcken und Seilen gebastelte Leiche in die Tiefe. Eine Anspielung auf den gewaltsamen Tod, der «The Duchess of Malfi» durchzieht.

Eine Gruppe von Studierenden steht händehaltend in einem Innenhof unter einem grossen Baum und verbeugt sich nach einer Theateraufführung.
Die Studierenden geniessen den Applaus für ihre gelungene Aufführung. (Foto: Universität Basel, Serah Saner)

Auch Licht und Soundeffekte sind präzise eingesetzt und verleihen der Szene eine professionelle Wirkung. So haben alle Studierenden ihre passenden Aufgaben innerhalb der Dramavorstellung gekonnt ausgeführt.

Die Texte sitzen perfekt und die Studierenden zeigen starke Bühnenpräsenz. Von Laienschauspielerei ist während der gesamten Auftritte nichts zu spüren. Thomas Manson beeindruckte besonders die Eigeninitiative und der Teamgeist, den die Studierenden während des gesamten Prozesses zeigten: «Die Gruppen haben sich selbstständig aufeinander abgestimmt und unterstützt. Es war weniger eine Semesterübung und mehr ein gemeinsames Projekt mit Begeisterung.»

Englisch studieren – wie weiter?

  • Studierende führen ein Theaterstück auf.

    Englisch (Bachelor)

    Wer Englisch studiert, ist der heutigen Lingua franca und ihrer Kultur auf der Spur. In der Anglistik wird die enorme Vielfalt der sprachlichen, literarischen und soziokulturellen Phänomene der englischsprachigen Welt in den Blick genommen. Das Studium gliedert sich dabei in die drei Bereiche Literaturwissenschaft, Linguistik und Sprachausbildung.
  • STUDIUM Studienberatung kl

    Studienberatung

    Die Studienberatung berät Studieninteressierte zum regionalen und nationalen Studienangebot. Die Beratungen sind vertraulich, unabhängig und kostenlos. Termine sind ganztags möglich und können direkt über die Webseite oder telefonisch angefragt werden.
  • Studentin macht sich per Hand Notizen.

    Studienfachberatung Englisch

    Die Studienfachberatung unterstützt Studierende bei praktischen Fragen rund ums Englisch-Studium: Wie stelle ich meinen Stundenplan zusammen? Welche Formalitäten muss ich bei den Prüfungen beachten? Die Studienfachberatung hat die Antworten.

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