AWARE Fair: Studierende bringen Nachhaltigkeit auf die Bühne
Wie nachhaltig ist die Musikindustrie? Dieser Frage gehen Studierende der Universität Basel im Kolloquium «The Sound of Sustainability» nach. Doch statt die Antworten nur im Seminarraum zu diskutieren, setzen sie ihre Ideen direkt in die Praxis um und organisieren die «AWARE Fair» – eine Musikveranstaltung, die Nachhaltigkeit erlebbar macht.
Im Garten des Kollegienhauses herrscht Festivalstimmung: Studierende lauschen auf Liegestühlen den Konzerten lokaler Bands, wenige Meter weiter tauschen sie Kleidung oder treten auf einem Smoothie-Bike kräftig in die Pedale.
Dass hinter der «AWARE Fair» jedoch keine professionelle Festivalorganisation, sondern ein Universitätskolloquium unter der Leitung von Dr. Adam Hearn steckt, dürfte den wenigsten bewusst sein. Fiona Elsener, Studentin im vierten Semester des interdisziplinären Masters Sustainable Development, gehörte zum Organisationsteam und blickt auf ein Semester zurück, in dem aus einer Lehrveranstaltung Schritt für Schritt eine Musikveranstaltung entstand.
Hinter den Kulissen
Der Weg dorthin begann lange vor dem grossen Tag. Im Kolloquium trafen Studierende des Masters Sustainable Development auf Studierende der Musik-Akademie Basel. Gemeinsam beschäftigten sie sich mit den ökologischen und sozialen Auswirkungen der Musikindustrie – vom Energieverbrauch des Musikstreamings über nachhaltige Tourneen bis hin zur Frage, wie Musik selbst gesellschaftliches Bewusstsein für Nachhaltigkeit schaffen kann.
Das Kolloquium war zweigeteilt: Während Gastreferierende von Organisationen wie Music Cares oder Julie’s Bicycle in der ersten Hälfte Einblicke in nachhaltige Ansätze der Musikbranche gaben, stand in der zweiten Hälfte die Planung der AWARE Fair im Mittelpunkt. In Arbeitsgruppen entwickelten die Studierenden Informationsmaterialien, knüpften Kontakte zu Künstler*innen und Partnerorganisationen und planten gemeinsam das Event.
Fiona war gemeinsam mit zwei Kommiliton*innen für die Bereiche Kommunikation und Marketing verantwortlich und koordinierte darüber hinaus die freiwilligen Helfer*innen. Erst während der Planung sei ihr bewusst geworden, wie viel Arbeit tatsächlich hinter einer Musikveranstaltung steckt. «Es sind vor allem die vielen kleinen Aufgaben und spontanen Herausforderungen, die ständig dazukommen», so Fiona. «Ich hatte das Projekt während des gesamten Semesters eigentlich immer wieder im Hinterkopf.»
Bühne frei!
Nach Monaten der Vorbereitung ist es am 13. Juni 2026 schliesslich so weit: Die Gänge und der Garten des Kollegienhauses sowie das Verso verwandeln sich in einen Begegnungsort rund um nachhaltige Musik. Der Eintritt ist kostenlos und soll möglichst vielen Interessierten den Zugang ermöglichen. Und das Konzept geht auf: Mit rund 250 Besucher*innen übertrifft die AWARE Fair die Erwartungen der Organisierenden.
Auf vier Bühnen treten lokale Künstler*innen aus verschiedenen Musikgenres auf, darunter Fräulein Luise, Nomuel und die Indie-Band Partiprivati. Ergänzt wird das Programm durch einen Kleidertausch, einen Instrumentenmarkt, Informationsstände und die ReparierBar.
Auch das Verpflegungsangebot steht ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Organisationen wie Plant Based Universities und WERTStätte! sorgen für kostenloses vegetarisches und veganes Essen, während das Coolinarik-Smoothie-Bike zum Mitmachen einlädt.
Dass dieser Nachhaltigkeitsgedanke nicht nur auf dem Papier funktioniert, zeigt sich ausgerechnet bei einer kleinen Panne: Als das Smoothie-Bike plötzlich kaputtgeht, bringen es die Organisator*innen kurzerhand zur ReparierBar. Und schon ist es wieder in Schwung.
Nach dem Applaus
Mit dem Festival endete zwar das Kolloquium, nicht aber die Reflexion über das Projekt. Rückblickend sieht Fiona durchaus Verbesserungspotenzial. Das Festivalgelände sei für die Besucherzahl etwas zu gross gewesen, sodass sich das Publikum stark verteilte und es stellenweise leerer wirkte, als es tatsächlich war.
Dennoch überwiegen für sie die positiven Erinnerungen. Besonders beeindruckt habe sie, was eine Gruppe Studierender ohne Eventerfahrung gemeinsam auf die Beine stellen konnte. «Am Festivaltag dort zu stehen und zu wissen, dass wir das als Studierende geschafft haben, war ein unglaublich schönes Gefühl», so Fiona. Dass viele Beteiligte weit über das Erwartete hinaus engagiert waren und auch Dozent Adam Hearn und Mentorin Julia Karch das Projekt mit grossem Einsatz begleitete, sei entscheidend für den Erfolg gewesen.
Gerade die Möglichkeit, das Gelernte unmittelbar umzusetzen, habe das Kolloquium für sie besonders gemacht. Statt Nachhaltigkeit nur im Seminarraum zu diskutieren, konnten die Studierenden Verantwortung übernehmen und erleben, wie aus einer Idee ein reales Projekt entsteht. «So etwas habe ich in einem Universitätskurs noch nie erlebt», meint Fiona abschliessend.

