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Geld. (01/2026)

Wie verändert künstliche Intelligenz die Bildung, Herr Bogunovic?

Text: Ilija Bogunovic, Informatiker

KI-Systeme halten Einzug in die Bildungs- und Berufswelt. Was bedeutet das für Schulen und Universitäten? Einschätzungen aus der Informatik.

Illustration: Astrid Nippoldt

Beinahe über Nacht ist künstliche Intelligenz aus den Forschungslabors ins Klassenzimmer gelangt. Systeme, die Aufsätze schreiben, Mathematik erklären, Code generieren oder Texte zusammenfassen, stehen heute allen mit Internetzugang zur Verfügung. Das zeigt: Bildung kann nicht so bleiben, wie sie ist.

In meiner eigenen Forschungsgruppe sind KI-Werkzeuge inzwischen Teil der täglichen Arbeit beim Programmieren und bei Experimenten und sie helfen, die wissenschaftliche Literatur zu verfolgen. Die Studierenden lernen nicht, ihr Denken an KI auszulagern, sondern gemeinsam mit ihr zu denken, schneller zu arbeiten und gleichzeitig kritisch zu bleiben gegenüber den Ergebnissen. Das verändert bereits jetzt, was es bedeutet, die nächste Generation von Forschenden auszubilden.

Unersetzliche Fähigkeiten.

Jahrhundertelang bedeutete Bildung, Zugang zu Informationen zu haben. Lehrpersonen vermittelten Wissen, Studierende zeigten, dass sie verstanden hatten. Heute sind Informationen im Überfluss vorhanden. Wenn Software dialogfähig und generativ wird, verwischt die Grenze zwischen Werkzeug und Mitarbeiter.

Im Schach übertrifft KI seit Jahren selbst die besten menschlichen Spieler. Dennoch war der Sport noch nie so populär wie heute. KI hat das Spiel nicht zerstört, sondern verändert – und menschliche Spitzenleistungen haben sich mit ihr entwickelt. Das könnte auch bei der Bildung passieren: Wenn KI plausible Antworten erzeugen kann, müssen Studierende lernen, diese zu hinterfragen. Sie müssen Aussagen überprüfen, Fehler erkennen und Verzerrungen identifizieren. Die knappe Ressource ist nicht mehr Information, sondern Urteilskraft. In einer Welt, in der Antworten billig sind, wird die Fähigkeit, sie zu beurteilen, unbezahlbar.

Die Forschung arbeitet daran, KI-Systeme vertrauenswürdig zu machen und mit menschlichen Werten in Einklang zu bringen. Gerade die Schwierigkeit dieser Aufgabe erinnert uns daran, dass Intelligenz allein nicht ausreicht. Verantwortung bleibt menschlich. Bildung muss sich deshalb anpassen: interpretieren und kritisch sein anstatt auswendig lernen. KI-Kompetenz sollte zu einer grundlegenden Fähigkeit in allen Disziplinen werden. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, automatisierte Systeme zu hinterfragen und Verantwortung für deren Einsatz zu übernehmen.

Gleichzeitig wird nicht jede Arbeit verschwinden. Berufe, die auf eindeutig menschlichen Fähigkeiten beruhen, könnten an Bedeutung gewinnen, von der Gesundheitsversorgung bis zu qualifizierten Handwerksberufen.

Ilija Bogunovic ist Professor für Informatik an der Universität Basel. Er ist Experte für maschinelles Lernen, generative KI und Verstärkungslernen (Reinforcement Learning) in modernen KI-Systemen.


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