Erfahrung teilen, Zukunft gestalten.
Text: Evelyn Weissheim
Nach 17 Jahren übergab Roland P. Bühlmann sein Amt als Präsident von AlumniBasel im Januar an seinen Nachfolger Conrad Eric Müller. Das Ziel von beiden: ein lebendiges Netzwerk, in dem alle Beteiligten Erfahrung weitergeben, Verantwortung übernehmen und Zukunft gemeinsam denken.
Wer mit Roland Bühlmann spricht, merkt schnell, dass dieser sein Gegenüber gerne zum Lachen bringt und genau so gern über sich selbst lacht. Wenn er über seinen Werdegang spricht, wirkt vieles beinahe selbstverständlich.
Bühlmann gehört zu einer Generation, für die die Universität noch stärker ein Möglichkeitsraum war als ein Karriereschritt. Er studierte Chemie und Biochemie an der Universität Basel und schrieb 1973 seine Dissertation am damaligen Physiologisch-Chemischen Institut der Medizinischen Fakultät. «Als letzter Chemiker», erzählt er schmunzelnd, denn in dieser Zeit wurde das Biozentrum gegründet und die Philosophisch-Naturwissenschaftliche Fakultät neu geordnet.
In den Laboren arbeiteten junge Forschende an Themen, die später ganze Forschungsfelder prägen sollten. Gleichzeitig suchten grosse Basler Unternehmen nach Talenten. «Nicht wir suchten eine Stelle, die Mitarbeitenden von Sandoz, Ciba-Geigy und Roche kamen zu uns», erinnert sich Bühlmann. Er aber entschied sich bewusst gegen die grossen Konzerne und ging seinen eigenen Weg.
Er entwickelte einen neuartigen Bluttest für Vitamin-D3-Werte, feierte damit grosse Erfolge und hatte so viel Spass an der Entwicklung, dass er gleich weitere diagnostische Verfahren erarbeitete und mit Bühlmann Laboratories seine eigene Firma aufbaute.
Erfolg erscheint bei ihm nicht als Ziel, sondern als Folge von Neugier und Ausdauer. Diese Haltung zieht sich auch durch sein Engagement für AlumniBasel. Der Verein war für ihn nie ein Ort der Nostalgie, sondern ein Raum der Verbundenheit zwischen Fakultäten, Generationen, Universität und Gesellschaft. Ein Beispiel dafür ist der AlumniPreis, den Bühlmann stiftet und dessen Finanzierung er nun für die nächsten 50 Jahre absichern wird.
Als Vermächtnis will er das nicht sehen, eher als Instrument, um Leistungen von Alumni sichtbar zu machen und deren Arbeit zu würdigen. «Was man fördern will, muss man eben auch finanzieren.» Der Satz ist nüchtern formuliert und beschreibt doch präzise, wie Bühlmann Verantwortung versteht.
Weichen fürs Leben stellen
Nach 17 Jahren im Präsidium gibt er sein Amt nun weiter. Dass er länger geblieben ist als geplant, sei «einfach passiert. Es hat mir halt so viel Freude gemacht.» Umso wichtiger sei ihm, dass jemand übernimmt, der neben dieser Freude frische Perspektiven mitbringt und den Mut hat, Dinge anders zu denken.
Conrad Eric Müller ist so jemand. Seit Januar 2026 ist er Präsident von AlumniBasel, und vieles fühlt sich für ihn vertraut an. Sein Studium an der Universität Basel war für ihn in vielerlei Hinsicht prägend: «Die Uni hat mir nicht nur meinen Start ins berufliche Leben ermöglicht», sagt er. Hier studierte er Medizin, hier lernte er seine Frau kennen und fand heraus, wie eng Freiheit und Verantwortung verknüpft sind.
Müllers beruflicher Weg führt immer wieder dorthin, wo es um die nächste Generation geht. Als Kindermediziner und -chirurg befasst er sich immer mit Leben, Verletzlichkeit und Zukunft, sowohl in leitenden Positionen als auch ehrenamtlich. Über Ländergrenzen hinweg engagiert er sich für Kinder, oft dort, wo Gesundheit, Bildung und Sicherheit nicht selbstverständlich sind.
Mit Blick auf AlumniBasel spricht Müller mehr über Möglichkeiten als über Strukturen, über Nähe, Zugänglichkeit und darüber, Barrieren abzubauen. Digitale Formate versteht er nicht als Ersatz für reale Begegnungen, sondern als Einladung, sich niederschwellig auszutauschen. Besonders junge Absolventinnen und Absolventen sowie Studierende liegen ihm am Herzen.
Mehr als akademisches Wissen. «Uns Alumni und Alumnae zeichnet aus, dass wir neben dem universitären Wissen Erfahrungen gemacht haben, die wir weitergeben wollen. Diese Erfahrung ist das eigentliche Kapital von AlumniBasel», sagt Müller. Mentoringprogramme, Begegnungen zwischen Alumni-Generationen und konkrete Unterstützung wie zum Beispiel die Stipendienfonds sieht er deshalb als zentrale Aufgaben des Vereins. Wissen gebe Freiheit im Denken und im Handeln, sagt er. «Und diese Freiheit muss für alle zugänglich bleiben.»
Bühlmann und Müller verbindet kein ähnlicher Lebenslauf, sondern ein ähnlicher Blick auf die Universität. Für beide ist sie ein Ort, an dem Menschen lernen, Verantwortung zu übernehmen, für sich und für die Gesellschaft. Der Wechsel an der Spitze von AlumniBasel wirkt daher nicht wie ein Bruch, sondern wie eine Fortsetzung. Bühlmann übergibt das Amt mit Gelassenheit, Müller übernimmt es mit Energie.
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