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Alles Lüge! (01/2024)

Im Theaterfieber.

Text: Marion Maurer

Philomena Grütter studierte Deutsche Philologie und Französistik an der Universität Basel. Ihre Leidenschaft für die Literatur führte sie nach dem Studium ans Theater Basel, wo sie als Inspizientin für die kleine Bühne verantwortlich ist.

Philomena Grütter.
Philomena Grütter. (Foto: Christian Flierl)

Zuschauerinnen und Zuschauer am Theater Basel bekommen sie nie zu Gesicht. Dennoch spielt Philomena Grütter eine Hauptrolle: Sie sorgt dafür, dass alles gut über die Bühne geht. Genauer gesagt die «Kleine Bühne», den kleineren Vorstellungssaal des Theaters. Seit Herbst 2022 ist Grütter hier Inspizientin und künstlerische Produktionsleiterin: Sie organisiert und koordiniert Veranstaltungen, betreut Proben und trägt die Hauptverantwortung während der Vorstellungen. Dabei gibt sie die Einsätze für Schauspielerinnen und Tänzer, aber auch für Technik, Requisite und Beleuchtung, koordiniert Kostüm- und Kulissenwechsel und behält selbst in hektischen Momenten die Ruhe und den Überblick. Jedes Stück, das sie betreut, kennt sie in- und auswendig.

Die Liebe für das Theater.

Dass sie eines Tages am Theater arbeiten wollte, wusste sie schon mit 13 Jahren, als sie während der Schulzeit in Berlin ein Praktikum an der «Komischen Oper» machen durfte. «Da hat es mich gepackt!» Nach dem Abitur zog es sie in die Heimatstadt ihres Vaters: «Irgendwie ist Basel Teil meiner Kultur», so Grütter. Hier schrieb sie sich für Germanistik und Französistik an der Universität Basel ein. Die Fächerwahl war naheliegend, sie habe schon immer sehr gerne gelesen und sich mit Sprache befasst, erzählt sie.

Sowohl auf den Umzug nach Basel als auch die Wahl des Studiums blickt sie positiv zurück: «Ich hatte eine super Zeit an der Uni Basel, vor allem durch das gute Kontaktverhältnis und die individuelle Betreuung durch die Dozierenden.» Nach ihrem Bachelor-Abschluss absolvierte sie eine Regieassistenz am Theater Basel für die Oper «Der Barbier von Sevilla». Ein Herzensprojekt, wie sie sagt, denn die Inszenierung von Nikolaus Habjan mit lebensgrossen Klappmaulpuppen sei sehr speziell gewesen und die Zusammenarbeit mit den Beteiligten habe ihr sehr viel Freude bereitet.

Als sie sich im Anschluss auf ihre heutige Stelle bewarb, habe sie eigentlich nicht wirklich damit gerechnet, diese zu bekommen. Umso grösser war die Freude, dass sich ihr Traum von der Karriere am Theater so unverhofft erfüllte.

Ein Studium für die Praxis.

Wissen und Fähigkeiten aus dem Studium kommen der gebürtigen Berlinerin bei ihrer Arbeit am Theater Basel jeden Tag zugute. Einerseits sind da natürlich die inhaltlichen Parallelen: Mit vielen Stücken, die auf die Bühne kommen, hat sie sich im Studium intensiv beschäftigt, so auch mit «Le barbier de Séville», der literarischen Grundlage für Gioachino Rossinis Opera buffa. Andererseits verlange ihre Arbeit eine hohe Koordinationsfähigkeit, betont Grütter. Darin sei sie zwar schon immer gut gewesen, im Studium werde Selbstorganisation aber besonders stark gefordert und gefördert. Vor allem, wenn man nebenbei noch berufstätig ist.

Als Inspizientin ist Philomena Grütter oft am Abend und am Wochenende im Einsatz. Und die Zeit vor Premieren könne sehr intensiv und anstrengend werden. Doch das sei leicht zum Aushalten, wenn kein Tag wie der andere und die Arbeit abwechslungsreich und kurzweilig sei, erzählt die Alumna.

Eine ihrer liebsten Produktionen bisher war «Streit» des vielfach ausgezeichneten niederländischen Regisseurs Jetse Batelaan: ein Theaterstück, das hinter der Bühne mindestens genauso spannend war wie vorne für das Publikum. Das Bühnenbild bestand aus drei Räumen auf einer Drehscheibe, in denen sich drei Personen – der Titel verrät es – stritten. Während sich die Räume stetig im Kreis drehten, wurde der jeweils nicht sichtbare Raum hinter der Bühne in Windeseile neu eingerichtet – koordiniert durch Philomena Grütter.

Es sei beeindruckend, aber auch unterhaltsam gewesen, zu beobachten, wie Mitarbeitende der Technik und Requisite Gegenstände von der Bühne holten und gleichzeitig andere positionierten. Und es seien genau solche Momente, die für sie die Magie des Theaters ausmachten.

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