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Universität Basel

Kann die Schweiz Corona meistern, Herr Utzinger?

Text: Jürg Utzinger

Erste Bewertungen über den Umgang mit der Pandemie – aus epidemiologischer Sicht.

Prof. Dr. Jürg Utzinger.
Prof. Dr. Jürg Utzinger. (Illustration: Studio Nippoldt)

Die Schweiz hat in der Coronakrise sehr vieles richtig gemacht, aber nicht alles. Als vor gut einem Jahr die erste Person einer Infektion mit Sars-CoV-2 erlag, war das Virus noch weitgehend unbekannt. Die Dynamik der Ausbreitung und die gesundheitlichen Folgen mussten erst verstanden werden, um Massnahmen zum Schutz der Einzelnen und der Eindämmung der Krankheit in der Bevölkerung abzuleiten.

Nach ein paar Wochen war klar, dass Gesichtsmasken eine wichtige Massnahme im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus sind. Weshalb wurde in der Schweiz lange hin und her entschieden und eine Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr erst spät eingeführt? Dann sollte die digitale Rückverfolgung der Infektionsketten unterstützt werden, doch nützt die beste Tracing-App nichts, wenn sie die Menschen nicht auf ihren Smartphones installieren und korrekt anwenden.

Und: Empfehlungen können ihre Wirkung nicht entfalten, wenn sie für die Bevölkerung nicht nachvollziehbar sind. Der Zeitpunkt und die Art, wie die Behörden und Experten kommunizieren, sind genauso wichtig wie die Massnahmen selbst. Teilweise war es aber für die Bevölkerung schwierig, den Durchblick zu behalten.

Beleuchtet werden muss auch die hierzulande vielbeschworene Eigenverantwortung. Auf Empfehlungen zu setzen ist schwierig, wenn im Nachbarkanton andere Regeln gelten. Es kann die Botschaft, wie bedeutend eine Massnahme ist, durchaus untergraben, wenn sie ein paar Kilometer weiter gar nicht oder anders zum Einsatz kommt. Nationale und länderübergreifende Massnahmen wären im vergangenen Jahr wünschenswert und nötig gewesen.

Der schweizerische Föderalismus musste oft als Sündenbock für wirkungslose Massnahmen herhalten, doch er böte eigentlich auch einen Vorteil: Solange nicht geklärt ist, welche Massnahmen in welcher Kombination die grösste Wirkung haben, ist jeder der 26 Kantone ein potenzielles Vorbild, aus dessen Fehlern und Erfolgen andere lernen könnten. Dazu braucht es aber einen raschen und effizienten Datenaustausch.

Jürg Utzinger ist Direktor des Schweizerischen Tropen und Public Health-Instituts (Swiss TPH) und Professor für Epidemiologie an der Universität Basel. Er forscht und lehrt über vernachlässigte Tropenkrankheiten und die gesundheitlichen Auswirkungen von Grossprojekten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

Weitere Artikel in der aktuellen Ausgabe von UNI NOVA.

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