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Hohe Dichte an Bienenständen steigert Risiko für Brutkrankheiten

Verteilung der Bienenstände: Am höchsten ist die Bienendichte in Regionen, die für den Obst- und Weinbau, für Futterbau und für Siedlungen genutzt werden.
Verteilung der Bienenstände: Am höchsten ist die Bienendichte in Regionen, die für den Obst- und Weinbau, für Futterbau und für Siedlungen genutzt werden.

Erstmals zeigt eine Karte in guter Auflösung, wo die Bienenstände in der Schweiz stehen und wie sie verteilt sind. Damit lässt sich besser erforschen, wie die Dichte an Bienenständen mit der Ausbreitung von Brutkrankheiten zusammenhängt.

27. Mai 2019

Verteilung der Bienenstände: Am höchsten ist die Bienendichte in Regionen, die für den Obst- und Weinbau, für Futterbau und für Siedlungen genutzt werden.
Verteilung der Bienenstände: Am höchsten ist die Bienendichte in Regionen, die für den Obst- und Weinbau, für Futterbau und für Siedlungen genutzt werden.

Eine «Sauerbrut»-Epidemie führte in der Schweiz in den Jahren um 2010 zum Absterben ganzer Bienenvölker. Diese Krankheit, die über ein hochansteckendes Bakterium übertragen wird, breitet sich jeweils in und zwischen den Bienenständen rasant aus und hat zur Folge, dass die jungen Larven absterben. Werden die Symptome der meldepflichtigen Bienenkrankheit nicht schnell genug erkannt, verbreitet sich der Erreger rasch auf die gesunden Nachbarstände. 2010 wurden knapp 1000 Fälle registriert, bei denen Bienenvölker von der Brutkrankheit befallen waren.

Enge räumliche Beziehungen

Die knapp 20'000 Schweizer Imker halten die Honigbienen in sogenannten «Schweizerkästen». In jedem dieser Kästen lebt ein Volk, und oft werden mehrere Bienenvölker zusammen in einem Bienenstand gehalten. Die Honigbiene wird für die Erhaltung der Biodiversität und für den Schutz von Wildpflanzen als unverzichtbar angesehen. Denn die Tiere stehen in einer engen Beziehung zu ihrer unmittelbaren Umgebung und werden stark von ihr beeinflusst, etwa was Nahrung, Klima sowie das Ausgesetztsein von Krankheitserregern und Giften betrifft.

Um dieses Zusammenspiel zwischen den Honigbienen und ihrer lokalen Umwelt anhand räumlicher Daten besser nachvollziehen zu können, haben Geografen der Universität Basel die weltweit erste hochauflösende Karte erstellt, welche die Verteilung und somit die Dichte an Bienenständen für ein ganzes Land zusammenfasst.

«Wir konnten zeigen, dass die Dichte an Bienenständen direkt von der menschlichen Bevölkerung abhängt: Je höher die Bevölkerungsdichte in einem Bezirk, desto höher war auch die Dichte an Bienenständen», sagt Raphael von Büren vom Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel.

Um mögliche Interaktionen zwischen Bienenständen zu untersuchen, eigenen sich solche GIS-basierte Karten gut, wie der Forscher weiter erläutert. Sie zeigen nämlich ihre räumliche Verteilung, was es möglich macht, die Ausbreitung von bakteriellen Bienenbrutkrankheiten detailliert zu erforschen. Denn Honigbienen sind anfällig für die Übertragung von Erregern sowohl in als auch zwischen den Bienenständen. Sie bewegen sich grösstenteils innerhalb eines Flugradius von rund drei Kilometern, während die durchschnittliche Distanz zum nächstgelegenen Bienenstand im Kanton Baselland beispielsweise nur 479 Meter beträgt.

Die Forschungsgruppe konnte zeigen, dass eine hohe Dichte an Bienenständen in Regionen, wo Seuchenfälle auftraten, mit einem grösseren Übertragungsrisiko für Sauerbrut einherging. «Durch eine erhöhte Dichte an Bienenständen sind die Distanzen zwischen ihnen kleiner, was zu einer erhöhten Krankheitsübertragung führt. Dies könnte möglicherweise die Sauerbrut-Epidemie um 2010 in der Schweiz erklären, einem Land mit einer eher hohen Dichte an Bienenständen», so Raphael von Büren. Das frühzeitige Erkennen der Erkrankung durch geschulte Imker und korrekte Interventionen sind in solchen Fällen noch immer von grosser Wichtigkeit, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Die neuen Karten, welche die Basler Wissenschaftler zusammen mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick und der Universität Halle-Wittenberg entwickelt haben, könnten auch für andere Bienenkrankheiten oder Umweltfaktoren angewendet werden, die Bienenvölker betreffen. «Bisher werden die Seuchenfälle nur durch die Angabe der politischen Gemeinde erfasst», sagt Raphael von Büren. «Genaue GPS-Koordinaten würden aber detailliertere Analysen zur Ausbreitung und Entwicklung der Bienenkrankheit ermöglichen.»

Originalbeiträge

von Büren R.S., Oehen B., Kuhn N.J., Erler S. (2019)
High-resolution maps of Swiss apiaries and their applicability to study spatial distribution of bacterial honey bee brood diseases.
PeerJ. doi:10.7717/peerj.6393

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