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Universität Basel

Ein Eigenheim macht weniger glücklich als erwartet

Einfamilienhaus
Der Erwerb von Wohneigentum steigert die Lebenszufriedenheit weniger stark, als es die Käuferinnen und Käufer erwarten. (Bild: KB3/Adobe Stock)

Wir wissen gar nicht so genau, was uns wirklich glücklich macht. Das unterstreicht eine Studie von Wirtschaftswissenschaftlern der Universität Basel. Sie haben untersucht, wie sich der Erwerb einer eigenen Immobilie auf die Lebenszufriedenheit auswirkt. Der positive Effekt auf die Zufriedenheit hält weniger lange an, als die Leute erwarten.

20. September 2022 | Dr. Reto Odermatt

Einfamilienhaus
Der Erwerb von Wohneigentum steigert die Lebenszufriedenheit weniger stark, als es die Käuferinnen und Käufer erwarten. (Bild: KB3/Adobe Stock)

Ein grosser Garten, mehr Platz oder die Bewunderung von Freunden und Familie: Die Gründe für ein Eigenheim mögen unterschiedlich sein. Das Ziel deckt sich jedoch: Letztendlich soll die Investition glücklicher machen. Prof. Dr. Alois Stutzer und Dr. Reto Odermatt von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel haben untersucht, ob sich die erwartete höhere Lebenszufriedenheit mit dem Umzug in die eigenen vier Wände tatsächlich einstellt. Über ihre Erkenntnisse berichten sie in der Fachzeitschrift «Journal of Happiness Studies».

Die Autoren werteten die Aussagen von mehr als 800 zukünftigen Eigenheimbesitzerinnen und ‑besitzern in Deutschland aus, die im German Socio-Economic Pales (GSOEP) erfasst sind. Dieser Datensatz enthält Informationen zur erwarteten und tatsächlichen Lebenszufriedenheit von Menschen. Auf einer Skala von 0 bis 10 müssen die Befragten angeben, wie zufrieden sie aktuell sind und wo sie sich auf der Glücksskala in fünf Jahren sehen. Das Ergebnis: Zwar macht das Eigenheim im Durchschnitt glücklicher, allerdings nicht in dem von den zukünftigen Wohneigentümern selbst prognostizierten Masse.

Statusdenken macht zu optimistisch

Der Zeitpunkt der Befragungen zur zukünftigen Zufriedenheit war so gewählt, dass schon klar war, wie das neue Zuhause aussieht: zwischen drei Monaten vor und bis zu einem Jahr nach dem Umzug. Die Vorstellungen zum neuen Zuhause waren damit konkret, der Gewöhnungseffekt aber noch nicht eingetreten. «Die Gewöhnung relativiert die Lebenszufriedenheit. Sie wird von den Menschen zwar meist antizipiert, allgemein jedoch unterschätzt», weiss Reto Odermatt. «Bei der Prognose der zukünftigen Zufriedenheit nach dem Umzug ins Eigenheim scheinen die Leute die Gewöhnung hingegen ganz ausser Acht zu lassen.» Entsprechend schätzten die Auskunftspersonen den mittelfristigen Mehrwert eines Eigenheims zu hoch ein.

Unterschiede gab es dennoch: «Es zeigte sich, dass vor allem statusorientierte Menschen, denen Geld und Erfolg besonders wichtig sind, den Zugewinn an Lebenszufriedenheit durch den Immobilienerwerb überschätzen. Intrinsisch orientierte Menschen, denen Familie und Freundschaften relativ wichtiger sind, hingegen nicht», so der Wirtschaftswissenschaftler.

Das unterstreicht, dass Menschen in ihren Entscheidungen nicht zwangsläufig ihren eigenen Präferenzen folgen, sondern vielmehr ihren – mitunter verzerrten – Vorstellungen von den eigenen Präferenzen. Diese Vorstellungen sind womöglich durch äussere Faktoren beeinflusst, wie beispielsweise durch Sozialisierung, die Eltern oder Werte, die in der Werbung vermittelt werden, Mehr darüber zu wissen, wie derartige Einflüsse die persönlichen Einschätzungen und entsprechend die Entscheidungen beeinflussen, könne politisch hilfreich sein, um Manipulationen etwa seitens kommerzieller Akteure entgegenzuwirken, so Odermatt.

Wir wissen nicht zwingend, was gut für uns ist

«In der Ökonomie geht man allgemein von der Konsumentensouveränität aus. Dass wir also wissen, was gut für uns ist.» Die Studie zeige aber, dass Menschen unter Umständen den Glücksfaktor einer Entscheidung falsch einschätzen und dadurch nicht zu ihrem Besten handeln.

Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, lohnt es sich, die eigenen Wertvorstellungen zu hinterfragen, insbesondere bevor man weitreichende Entscheidungen trifft. «Materielle Werte werden tendenziell überschätzt und führen eher zu Fehlprognosen. Intrinsische Werte scheinen daher ein besserer Kompass auf der Suche nach dem Lebensglück als extrinsische», bilanziert der Forscher.

Originalpublikation

Reto Odermatt und Alois Stutzer
Does the Dream of Home Ownership Rest Upon Biased Beliefs? A Test Based on Predicted and Realized Life Satisfaction
Journal of Happiness Studies (2022), doi: 10.1007/s10902-022-00571-w


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